Die Philatelic Society of India (kurz PSI) ist eine 1897 in Kalkutta gegründete philatelistische Gesellschaft mit Sitz in Mumbai. Sie entstand im damaligen Britisch-Indien als gesamtindische Organisation für Philatelisten und gehört zu den traditionsreichen philatelistischen Gesellschaften Asiens. Mit ihr verbunden ist das Philatelic Journal of India, eines der wichtigsten Periodika zur indischen Philatelie.

Geschichte

Die unmittelbare Vorgeschichte der Philatelic Society of India lag in der Philatelic Society of Bengal, die 1894 in Kalkutta gegründet worden war. Deren Zeitschrift Philatelic World erschien bis März 1897 und wurde durch das Philatelic Journal of India abgelöst.

Die Idee einer gesamtindischen philatelistischen Gesellschaft entstand 1896 im Umfeld der Philatelic Society of Bengal. Charles Stewart-Wilson veröffentlichte in Kalkutta einen offenen Brief, in dem er das Interesse an einer solchen Organisation abfragte. Im Januar 1897 wurde die Philatelic Society of India in Kalkutta gebildet; die erste Sitzung fand am 6. März 1897 in der Middleton Row 6 in Kalkutta statt. Stewart-Wilson wurde erster Präsident, Lady Collen, O. V. Muller und Major C. H. I. Hopkins wurden Vizepräsidenten, Wilmot Corfield wurde Schatzmeister und P. Aylwyn Selfe von der Bank of Bengal Sekretär. Die Philatelic Society of Bengal ging 1897 in der neuen Gesellschaft auf.

Zur Zahl der ersten Mitglieder finden sich in späteren Darstellungen unterschiedliche Angaben. Eine Auswertung der frühen Hefte des Philatelic Journal of India durch Abhishek Bhuwalka kommt zu dem Ergebnis, dass die Gesellschaft anfangs 49 Mitglieder hatte und nach Aufnahme weiterer elf Mitglieder im Februar 1897 auf 60 Mitglieder kam. Der erste indische Philatelist, der der Gesellschaft beitrat, war C. K. Dutt aus Kalkutta; ein Begleittext der indischen Post zur Gedenkmarkenausgabe von 1997 nennt dafür das Jahr 1907.

Die Geschäftsstelle der Gesellschaft wechselte im Laufe der Zeit zwischen Madras, Bombay, Lahore und Neu-Delhi. Seit 1955 befindet sie sich in Bombay, dem heutigen Mumbai.

Philatelic Journal of India und Publikationen

Das Philatelic Journal of India erschien erstmals im Januar 1897 und damit bereits vor der ersten formellen Generalversammlung der Gesellschaft. HathiTrust führt das Periodikum als in Bombay veröffentlichte Zeitschrift der Philatelic Society of India und weist unter anderem frei zugängliche Bände von 1899 und 1900 nach.

Die Gesellschaft entwickelte früh eine ausgeprägte Publikationstätigkeit. Indian Philately hebt hervor, dass sie in den ersten fünfzig Jahren zahlreiche wichtige anglo-indische Philatelisten zu ihren Mitgliedern zählte und zwei ausgezeichnete Bücher hervorbrachte. Zu den von der Gesellschaft oder in ihrem Umfeld veröffentlichten Arbeiten gehörten Studien zu Britisch-Indien, Jammu und Kashmir, Afghanistan, den indischen Konventionsstaaten und den indischen Fürstenstaaten.

Mehrere mit der Gesellschaft verbundene Philatelisten veröffentlichten grundlegende Arbeiten zur indischen Philatelie. David Parkes Masson publizierte 1900 und 1901 Jammu and Kashmir; mit Bertram Gordon Jones veröffentlichte er 1908 The Postage Stamps of Afghanistan. Leslie L. R. Hausburg verfasste eine umfangreiche Studie zu den Post- und Telegraphenmarken Indiens, die nach späterer Darstellung die Grundlage weiterer Spezialarbeiten zu den indischen Lithographie-Ausgaben von 1854 bildete.

Mitglieder und Umfeld

Zu den mit der Philatelic Society of India verbundenen Philatelisten gehörten unter anderem Charles Stewart-Wilson, Wilmot Corfield, David Parkes Masson, Bertram Gordon Jones, Leslie L. R. Hausburg, C. S. F. Crofton, Lionel Edward Dawson und E. A. Smythies. Stewart-Wilson war erster Präsident der Gesellschaft und später Herausgeber des Philatelic Journal of India. Masson war Gründungsmitglied und amtierte später unter anderem als Schatzmeister, Vizepräsident und Präsident der Gesellschaft.

Ausstellungen und Jubiläen

Zum diamantenen Jubiläum der Gesellschaft erschien 1957 in Bombay ein umfangreiches Souvenir mit einem Beitrag zur Geschichte der Gesellschaft von K. H. Dadysett. 1972 veranstaltete die Gesellschaft die Ausstellung PLAJUNEX – 1972 zum Platinjubiläum. 1983 folgte in Bombay die Ausstellung PHILEX – 83 für Mitglieder der Gesellschaft.

mini|Gedenkmarken zum hundertjährigen Bestehen der Philatelic Society of India, 1997

Zum hundertjährigen Bestehen veranstaltete die Philatelic Society of India 1997 in Mumbai die nationale Ausstellung CENTIPEX ’97. Die indische Post gab am 27. März 1997 zwei zusammenhängende Gedenkmarken zum hundertjährigen Bestehen der Gesellschaft aus. Die Ausgabe erschien als Se-tenant-Paar zu jeweils 200 Paise; die Motive zeigten das Gesellschaftsemblem sowie das erste Heft des Philatelic Journal of India mit Philatelisten auf einem Ersttagsbrief.

2013 veranstaltete die Gesellschaft anlässlich ihres 115-jährigen Bestehens die nationale philatelistische Ausstellung INPEX 2013 im World Trade Centre in Mumbai. Die Ausstellung fand mit Unterstützung von India Post und unter der Schirmherrschaft des Philatelic Congress of India statt. 2017 organisierte die Philatelic Society of India außerdem die nationale Ausstellung INPEX 2017 in Mumbai, wiederum unter der Schirmherrschaft und mit Unterstützung von India Post und dem Philatelic Congress of India.

Abgrenzung

Die Philatelic Society of India ist nicht mit dem später gegründeten Philatelic Congress of India identisch. Dieser wurde 1975 in Kalkutta als nationale Föderation philatelistischer Gesellschaften in Indien gebildet.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Organisation (Philatelie) Kategorie:Organisation (Mumbai) Kategorie:Verbandsgründung 1897 Kategorie:Postwesen (Indien)