mini|Omeljan Popowytsch Omeljan Oleksandrowytsch Popowytsch (, wissenschaftliche Transliteration Omeljan Oleksandrovyč Popovyč; auch Omeljan Popowycz, Omelian Popowicz; * 18. August 1856 in Dorna Watra, Herzogtum Bukowina, Kaisertum Österreich; † 22. März 1930 in Salischtschyky, Zweite Polnische Republik, heute Ukraine) war ein ukrainischer Pädagoge, Publizist und Politiker in der Bukowina. Er gehörte zu den prägenden Akteuren der ukrainischen Bildungs-, Kultur- und Nationalbewegung in der Bukowina und war im November 1918 kurzzeitig einer der Leiter der ukrainischen Verwaltung im nördlichen Teil der Bukowina.

Leben Herkunft und Ausbildung Popowytschs Vater Alexander Popowytsch war orthodoxer Geistlicher. Über seine Mutter war Popowytsch mit dem Schriftsteller Jurij Fedkowytsch verwandt. Er besuchte das Gymnasium und die Lehrerbildungsanstalt in Czernowitz. Seit 1877 arbeitete er als Lehrer und Schulleiter in Czernowitz und Umgebung.

Während seiner Ausbildung stand Popowytsch zunächst einem moskophilen Schüler- und Studentenmilieu nahe. In den 1880er Jahren wandte er sich jedoch der ukrainisch-national orientierten Narodowzi-Bewegung zu. Diese Neuorientierung prägte seine spätere pädagogische, publizistische und politische Tätigkeit.

Pädagogische Tätigkeit Popowytsch war ab 1892 Bezirksschulinspektor, später stellvertretender Landesschulinspektor. Von 1906 bis 1912 wirkte er als erster Landesschulinspektor für ukrainische Volksschulen und Lehrerbildungsanstalten in der Bukowina. In dieser Funktion trug er wesentlich zum Ausbau eines ukrainischsprachigen Schulwesens bei.

Popowytsch verfasste Fibeln, Lesebücher, Grammatiken, Rechenbücher und Sprachlehrwerke, darunter ein Ruthenisches Sprachbuch für Mittelschulen. Außerdem setzte er sich für die Verwendung der phonetischen ukrainischen Rechtschreibung im Unterricht ein.

Popowytsch war über Jahrzehnte in ukrainischen Bildungs- und Kulturvereinen der Bukowina aktiv. Er gehörte zu den führenden Persönlichkeiten der Czernowitzer Ruska Besida und war an der Entwicklung des Lehrervereins Ruska Schkola beteiligt. Darüber hinaus wirkte er an der ukrainischen Presse der Bukowina mit. Seit 1885 beteiligte er sich an der Zeitung Bukowyna und redigierte er über längere Zeit den Bukowiner orthodoxen Kalender.

Politische Tätigkeit Ab 1907 war Popowytsch Mitglied der Ukrainischen Nationaldemokratischen Partei. Von 1911 bis 1918 war er Abgeordneter des Bukowiner Landtags und leitete dort die ukrainische Kurie; seit 1912 war er außerdem Mitglied des Bukowiner Landesausschusses. 1908 wirkte er bei der Gründung der Ukrainischen Fortschrittspartei mit.

Während des Ersten Weltkriegs hielt sich Popowytsch zeitweise außerhalb der Bukowina auf, blieb jedoch in ukrainischen Organisationen aktiv. In Wien war er an ukrainischen Publikationen beteiligt und arbeitete im Umfeld des Ukrainischen Hauptrates.

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns wurde Popowytsch im Oktober 1918 Vorsitzender des Ukrainischen Landesausschusses der Bukowina. Dieser vertrat die ukrainische Seite innerhalb der Ukrainischen Nationalrada. Am 3. November 1918 organisierte der Ausschuss eine große Volksversammlung in Czernowitz, die den Anschluss der Bukowina beziehungsweise ihres ukrainisch besiedelten Teils an die Ukraine forderte. Popowytsch und der rumänische Politiker Aurel Onciul einigten sich Anfang November 1918 auf eine Aufteilung der Bukowina in einen ukrainischen und einen rumänischen Teil. Am 6. November 1918 übergab der letzte österreichische Landespräsident Josef von Ezdorf die Regierungsgewalt an Vertreter beider Nationalitäten. Die rumänische Armee besetzte jedoch am 11. November 1918 Czernowitz und die Bukowina und damit endete die ukrainische Verwaltung bereits nach wenigen Tagen.

Nach der rumänischen Besetzung ging Popowytsch nach Galizien, wo er 1919 in Gremien der Westukrainischen Volksrepublik gewählt wurde. Er arbeitete von 1922 bis 1929 in Lwiw für die Gesellschaft Ridna Schkola im Bereich des ukrainischen Schulwesens.

Schriften Букварь для шкôлъ народныхъ. 1883. Новый букварь. 1886. Перва руска читанка для шкôлъ народныхъ въ Буковинъ. Wien 1887. Новий буквар. Wien 1892. Читанка для шкіл народних. Teile 1–3. Wien 1892–1894. Граматика для шкіл народних. Teile 1–2. Wien 1893–1894. Співаник для шкіл народних. Wien 1895. Ruthenisches Sprachbuch für Mittelschulen. Teile 1–3. 1897–1902. Рахункова книжка для шкіл народних. Teile 1–3. Wien 1900–1902. Ruthenisch-Deutsches Wörterbuch. 2. Auflage 1911. Відродження Буковини. Lwiw 1933.

Literatur Oleksandr Dobrzhanskyi: Omelyan Popovych – Political Portrait in the Context of Social Life in Bukovina (Last Third of the 19th Century – Ear ly 20th Century). In: Codrul Cosminului. 31/2, 2025, S. 389–408, doi:10.4316/CC.2025.02.04. Я. П. Сеник: Попович Омелян Олександрович. In: Енциклопедія Сучасної України. Online-Ausgabe, 2025. Omelian Popovych: Відродження Буковини. Lwiw 1933.

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