Können Sie schon fernseh’n? ist ein Foxtrottlied von Harald Böhmelt, zu dem Hans Fritz Beckmann den Text verfasst hat. Es erschien 1936 im Musikverlag Hans Sikorski in Berlin.
Inhalt und Hintergrund Das Lied stammt aus dem deutschen Kriminalfilm „Es geht um mein Leben“, den Richard Eichberg im eigenen Produktionsunternehmen 1936 mit beliebten Darstellern wie Karl Ludwig Diehl und Theo Lingen gedreht hat. Auch Eichbergs zweite Ehefrau Kitty Jantzen erhielt eine Rolle darin. Dem Drehbuch von Hans Klaehr lag der Ullstein-Roman „Der schweigende Mund“ von Oskar Jensen zugrunde, der 1918 erschienen war.
Die Filmmusik komponierte Harald Böhmelt. Der Film enthielt noch zwei weitere Tonfilmschlager: „Einmal kommt die große Liebe“ und „Liebling, wir verreisen“. Alle Titel erschienen auch auf Grammophonplatten, gespielt von bekannten Kapellen wie Bernard Etté, Will Glahé und Paul Kley, gesungen von Erwin Hartung und den Metropol-Vokalisten.
Bereits ein Jahr vorher war vom Fernsehsender Paul Nipkow der regelmäßige Programmdienst des „Deutschen Fernseh-Rundfunks Berlin“ aufgenommen worden. Beckmann nimmt in seinem Text humorvoll Bezug auf diese neue, faszinierende Technik – allerdings aus ziemlich männlicher Perspektive:
Kehrreim: Können Sie schon fernseh’n? Das war noch nicht da! Alles, was Sie gern seh’n, Haben Sie zum Greifen nah. Irgendetwas Schönes denken Sie sich aus, Und der Bildfunk bringt es Ihnen frei ins Haus. Meine Herren, wünschen Sie schöne Frau’n zu seh’n Brauchen Sie immer nur einen Knopf zu dreh’n. Können Sie erst fernseh’n, dann sind jederzeit Ihre Träume Wirklichkeit!
Im Film wird das Lied vom Filmausschnitt anzusehen auf youtube Tanzkomiker Robert Dorsay vorgetragen, der wenige Jahre später von NS-Richtern wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung zunächst zu zwei Jahren Zuchthaus und am 8. Oktober 1943 zum Tode verurteilt wurde. Drei Wochen später starb er unter dem Fallbeil.
Tondokumente
Brillant-Special (mit Überkleber ‚Record‘) Nr. 517 (mx. 1045) Können Sie schon Fernsehen? Lied u. Foxtrot (Böhmelt – Beckmann) a.d. Tonfilm „Es geht um mein Leben“. Kapelle Paul Kley, Gesang Ernst Harten. anzuhören auf youtube Gloria G.O. 41 072 a (mx. Bi 2834) dto., Bernhard Etté mit seinem Tanzorchester. Mit Gesang: Erwin Hartung. anzuhören auf youtube und youtube (sound file done by Tim Gracyk).
Electrola E.G. 3831 (mx. ORA 1681) dto., Orchester Will Glahé. Refraingesang: Die Metropol-Vocalisten. Platte a.d.Schallarchiv des Radiomuseum Hardthausen. Anzuhören auf youtube
Abbildungen Titelseite Jllustrierter Film Kurier von 1936 mit Karl Ludwig Diehl und Kitty Jantzen. Photo von Robert Dorsay (eigtl. Stampa, 1904–1943)
Wiederaufführung Zeughauskino Berlin, am 14. Juli 2007, in der Reihe: Wiederentdeckt.Es geht um mein Leben (PDF), auf dhm.de
Literatur Oskar Jensen: Es geht um mein Leben. Kriminalroman. Berlin: Ullstein 1936; erschien 1936 in der Illustrierten Die Koralle unter dem Titel Der schweigende Mund. Können Sie schon fernsehen? Geschrieben am 26. Juli 2019 von HNF. vgl. blog.hnf.de Michael Wedel: Kolportage, Kitsch und Können. Das Kino des Richard Eichberg. Berlin: CineGraph Babelsberg 2007, ISBN 978-3-936774-05-4, ca. 144 Seiten (= Filmblatt-Schriften; 5) Carsten Würmann: Zwischen Unterhaltung und Propaganda: Das Krimigenre im Dritten Reich. Dissertation Freie Universität Berlin 2013. d-nb.info, hier S. 281.
Einzelnachweise
Kategorie:Lied 1936 Kategorie:Filmsong Kategorie:Geschichte des Fernsehens