Andrea Gnam (* 16. November 1959 in Karlsruhe) ist eine Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Hochschullehrerin, Essayistin und Schriftstellerin.

Leben In ihrer Jugend war Andrea Gnam jüngstes Mitglied einer Gruppe Karlsruher Literaten. 1978 legte sie ihr Abitur am Markgrafen-Gymnasium in Karlsruhe ab. 1979 bis 1983 veröffentlichte sie Gedicht- und Erzählbände sowie Beiträge in Anthologien und Literaturzeitschriften.

Sie studierte zwei Semester Jura in Heidelberg, ehe sie im Jahr 1979 ein Studium der Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Karlsruhe (heute Karlsruher Institut für Technologie) aufnahm. Gnam ist seit 1983 mit Hero Gnam verheiratet und hat eine Tochter 1983 bis 1988 war sie Mitglied und Delegierte des Landesvorstandes BaWü im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS). Sie erhielt 1983 ein Reisestipendium des Auswärtigen Amtes. 1989 wurde sie zum Abschluss des Studiums mit einer Arbeit über Alexander Kluge promoviert.

1990 bis 1994 erhielt sie von der Universität Karlsruhe Lehraufträge und arbeitete bei der Zeitschrift Germanistik (internationales Referatenorgan mit bibliographischen Hinweisen) von 1992 bis 1996 als Referentin mit. Gnam erhielt 1994 ein Habilitationsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Im Jahr 1998 habilitierte sie sich an der Philosophischen Fakultät 2 (heute Institut für Philosophie) der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit zur Rolle der Geschwindigkeit in Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften und Walter Benjamins Spätwerk. Vom 1999 bis 2010 hielt sie dort im Rahmen der Titellehre als Privatdozentin Hauptseminare zu literatur- und kulturwissenschaftlichen Themen ab. Weitere Lehraufträge erhielt sie von der Universität Darmstadt (2003) und von der Kunsthochschule Mainz (2014). Im WS 2004/2005 hatte sie eine Vertretungsprofessur an der Universität Stuttgart inne.

Ab 2000 arbeitete sie auch regelmäßig als Publizistin mit Essays, Ausstellungskritiken und Rezensionen für Print (Neue Zürcher Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Du, Mare, Photonews) und den Hörfunk (Deutschlandfunk, Hessischer Rundfunk, SWR Kultur) zu Themen der Kunst, Fotografie, Architektur und zur Kultur-, Medien- und Literaturgeschichte.

2008 wurde sie als Fotografietheoretikerin in die Deutsche Fotografische Akademie berufen. Sie rief 2012 den ersten deutschsprachigen Fotografiebuch-Blog Fotografie im Kontext von Kunst, Gesellschaft und Architektur ins Leben.

Von 2010 bis 2022 lehrte sie an der Universität Wien am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Sie hielt dort im Rahmen des Erweiterungscurriculums „Medienästhetik im Alltagseinsatz“ Vorlesungen und Übungen ab. Sie ist Preisträgerin des Deutschen Fotobuchpreises 2023/24 für ihr Buch Vom Reiz der Peripherie. Architektur und Fotografie.

Ab 2024 ist von Studierenden an der Fernuniversität in Hagen die Aufzeichnung einer Vorlesung von Gnam als Video abrufbar. 2025 veröffentlichte sie eine Kulturgeschichte über das Zusammenspiel von Bildern und Wörtern.

Veröffentlichungen (Auswahl) Literarische Veröffentlichungen

Bücher

Im Internet Das Badewannenbuch. 2001.

Wissenschaftliche Monografien und Sachbücher Positionen der Wunschökonomie. Das ästhetische Textmodell Alexander Kluges und seine philosophischen Voraussetzungen. Peter Lang, Frankfurt am Main / Bern / New York / Paris 1989, ISBN 3-631-42180-X (Dissertation). Die Bewältigung der Geschwindigkeit. Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ und Walter Benjamins Spätwerk. Wilhelm Fink Verlag, München 1999, ISBN 3-7705-3405-0 (Habilitation). „Sei meine Geliebte Bild!“ Die literarische Rezeption der Medien sei der Romantik. Iudicium Verlag, München 2013, ISBN 978-3-89129-772-8. Die Zahl als Chiffre in der Kunst, Broschüre der DZ Bank Kunstsammlung. Frankfurt am Main 2018. Vom Reiz der Peripherie. Architektur und Fotografie. Wasmuth & Zohlen, Berlin 2022, ISBN 978-3-8030-3420-5. Bilder und Wörter. Kleine Kulturgeschichte einer brillanten Allianz. Iudicium Verlag, München 2025, ISBN 978-3-86205-807-5.

Aufsätze und Vorträge (Auswahl)

(auch als Vortrag gehalten beim ZKM Karlsruhe) Ein besonderer Dank muss genügen. Amos Gitai hat unbemerkt Robert Musil verfilmt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Juni 2009.

Herausgaben Walter Benjamin. Berliner Kindheit um Neunzehnhundert. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Andrea Gnam. Reclam-Verlag, Stuttgart 2026, ISBN 978-3-150-147511.

Einzelnachweise

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