Die Schlacht bei Połonka fand am 28. Juni 1660 während des Russisch-Polnischen Krieges 1654–1667 statt.
Vorbereitung mini|Kampagne von Stefan Czarniecki in Großfürstentum Litauen im Jahr 1661 Vorbereitungen auf polnisch-litauischer Seite Die Vorbereitungen für den neuen Feldzug begannen in Polen-Litauen verhältnismäßig früh, nämlich bereits gegen Ende des Jahres 1659. Damals wurden kleinere Änderungen in der Zusammensetzung der Truppen vorgenommen, indem mehrere neue Einheiten aufgestellt und die bestehenden besser ausgerüstet wurden. Außerdem wurden die kosakischen Truppen vom ehemaligen Hetman der Saporoger Kosaken und zugleich dem Wojewoden von Kiew, Iwan Wyhowskyj, in der Armee übernommen, die aus den Resten der ihm treu gebliebenen Kosaken gebildet worden waren.
Auf der Kriegskonferenz, die an der Wende vom Mai zum Juni 1660 in Warschau stattfand, beschloss man, die Truppen des Großhetmans von Litauen Paweł Jan Sapieha sowie Stefan Czarniecki sollten in Belarus und Litauen operieren.Romuald Romanski, Historyczne Bitwy, S. 9–16
Nach der Einnahme Nawahrudaks durch Moskau befanden sich Anfang 1660 im Großfürstentum Litauen nur noch der Kreis Pinsk sowie die Festungen Sluzk, Ljachawitschy und Neswisch nicht unter russischer Kontrolle. Jan II. Kasimir beschloss, nachdem er den Krieg mit Schweden am 3. Mai 1660 durch den Frieden von Oliva beendet hatte, noch im selben Jahr den russisch-polnischen Krieg durch einen Angriff auf die Ukraine (südliche Richtung) zu beenden. Dieser Angriff sollte durch Aktionen der litauischen Truppen gedeckt werden, die durch die Division Stefan Czarnieckis verstärkt wurden, welche gerade erst aus Dänemark zurückgekehrt war.Iwona Kienzler, Połonka 1660, S. 23
Vorbereitungen auf russischer Seite Anfang Mai fand im Kreml ein Kriegsrat unter Vorsitz von Zar Alexei statt. Man beschloss, dass keinesfalls zugelassen werden dürfe, dass die Truppen Polen-Litauens in russisches Gebiet eindringen. Der Kriegsschauplatz sollte an der Südfront liegen.
Die Schlacht Die Truppen Sapiehas und Czarnieckis vereinigten sich während des Marsches nach Słomin (23.–24. Juni). Am 26. Juni schlossen sich in Ljachawitschy die Truppen Chowańskis und des Wojewoden Siemion Zmiejew zusammen und rückten sofort in Richtung des Feindes vor. Chowański, der auf seinen bisherigen Erfolgen im Kampf gegen die Litauer aufbaute, plante, den Gegner überraschend anzugreifen und Panik in seinen Reihen zu verbreiten. Ein russischer Vortrupp stieß bei Połonka auf die litauische Vorhut unter dem Kommando von Samuel Kmicic, wobei die litauischen Truppen die Oberhand gewannen.
Am 28. Juni um 6 Uhr morgens erreichten beide Heere die Gegend bei Połonka. Auf dem linken Flügel standen die litauischen Truppen Sapiehas, auf dem rechten die polnischen unter Czarniecki. Die Russen hatten nur sehr eingeschränkte Sicht auf die Stellung Czarnieckis, da sich diese in einem Tal befand und Czarniecki zusätzlich die umliegenden Gutshöfe in Brand gesetzt hatte, wodurch dichter Rauch die Beobachtung erschwerte. Im Tal wurden sowohl die polnische als auch die litauische Hussaria verborgen gehalten und bildeten gewissermaßen einen Stoßkeil. Im russischen Heer besetzte die Infanterie mit der Artillerie das Zentrum, ein Teil der Reiterei stand auf dem rechten Flügel, während der übrige Teil als Reserve unter dem Kommando von Dmitri Trubezkoi bereitstand.
Auf polnisch-litauischer Seite stammte der Schlachtplan von Czarniecki, der die Gesamtführung übernahm. Er entschied, dass der Hauptangriff von den Krontruppen auf dem rechten Flügel unter dem Kommando von Gabriel Wojniłłowicz durchgeführt werden sollte. Gleichzeitig sollte das Zentrum den Druck der russischen Truppen abwehren, während die litauischen Truppen den linken Flügel halten und versuchen sollten, den Gegner von der anderen Seite zu umfassen.Iwona Kienzler, Połonka 1660, S. 61–65
Zu Beginn der Schlacht befahl Czarniecki den Rückzug des litauischen Trosses von der Überquerung der Połonka. Dies sollte Chowański den Eindruck vermitteln, dass im polnisch-litauischen Heer Panik ausgebrochen sei, und ihn dazu verleiten, einen Teil seiner Kräfte über den Fluss zu führen, um sie anschließend vom Rest der Armee abzuschneiden, einzukreisen und zu vernichten. Gegen 8:15 Uhr setzte zuerst die russische Infanterie über den Fluss, wurde jedoch sofort von Dragonern unter dem Kommando von Franciszek Kobyłecki angegriffen. Danach griffen polnische und litauische Husarenverbände an. Die russische Infanterie war nicht in der Lage, den Angriff aufzuhalten, und geriet in panische Flucht in Richtung der Flussüberquerung. Viele Soldaten ertranken, und die Verluste waren erheblich. Erst das Feuer der russischen Artillerie und der verbleibenden Infanterie konnte den Angriff der Reiterei stoppen.
Chowański entschloss sich daraufhin, die Reiterei des rechten Flügels gegen die litauischen Truppen einzusetzen. Gleichzeitig schlug Czarniecki den linken Flügel der Russen und stieß in deren Rücken bis zum Gutshof Paciany vor. Die dort versteckte russische Infanterie wurde von der angreifenden polnischen Reiterei zerschlagen. Trubezkoi griff mit den Reservetruppen ein, wurde jedoch schnell von der polnischen Hussaria zurückgeworfen und dabei verwundet.
Der Angriff Chowańskis auf den litauischen Flügel blieb unterdessen erfolglos. Trotz hoher Verluste hielten die litauischen Truppen stand (Sapieha entging nur knapp dem Tod). Schließlich griff die Hussaria unter Wojniłłowicz die russischen Truppen von hinten an. In dieser Situation versuchte Chowański, eine totale Niederlage abzuwenden, indem er seine Reiterei zu einem Gegenangriff sammelte. Es kam zu heftigen Gefechten, die letztlich durch einen Flankenangriff der litauischen Reiterei entschieden wurden. Die russische Kavallerie brach daraufhin in die Flucht.Iwona Kienzler, Połonka 1660, S. 66–81
Czarniecki erkannte, dass der Moment für den entscheidenden Schlag gekommen war. Die letzten noch kämpfenden russischen Truppen hielten dem Angriff nur etwa 15 Minuten stand, bevor ihr geordneter Rückzug begann. Gleichzeitig griffen die Truppen Wojniłłowicz’ erneut an, nachdem sie von ihrem vorherigen Gefecht zurückgekehrt waren, was letztlich den Sieg zugunsten Polen-Litauens entschied.
Teile der russischen Infanterie konnten sich im Wald verschanzen und die Angriffe der polnischen Kavallerie unter erheblichen Verlusten für diese abwehren. Erst als Czarniecki Dragoner und Artillerie heranführte, war das Schicksal der Infanterie besiegelt. Nach zwei Salven ergab sich die russische Infanterie der Armee Czarnieckis; als sie jedoch ihre befestigte Stellung verließ, um zu kapitulieren, wurde sie von der polnisch-litauischen Kavallerie angegriffen. Historiker streiten bis heute darüber, ob Czarniecki den Angriff befohlen hat oder ob er aus dem Chaos der Schlacht resultierte.
Folgen Die dem Gemetzel entkommenen russischen Truppen zogen sich auf den Straßen nach Polozk, Baryssau und Smolensk zurück. Die Schlacht selbst dauerte drei bis vier Stunden, und viele russische Soldaten und Offiziere gerieten in Gefangenschaft, darunter der besonders wertvolle Fürst Semjon Lukitsch Schtscherbatow. Die Russen verloren zudem sämtliche Geschütze sowie zahlreiche Fahnen. Das wichtigste Ergebnis der Schlacht war die Befreiung von Ljachawitschy, wodurch die Festung zu einer Operationsbasis der polnisch-litauischen Armee in den weiteren Kämpfen gegen Russland in Litauen werden konnte.Iwona Kienzler, Połonka 1660, S. 83–88
Czarniecki und Sapieha trafen am 3. Juli in Minsk ein, wo beschlossen wurde, in Richtung Beresina aufzubrechen. Die Truppen rückten bis an die Grenzen des russischen Staates vor, hielten jedoch an der Linie der Beresina an, wo Czarniecki mit der Belagerung von Baryssau begann.Adam Kersten, Stefan Czarniecki, S. 489–490
Literatur Iwona Kienzler, Połonka 1660, Warszawa: Bellona, 2014 Adam Kersten, Stefan Czarniecki 1599–1665, Lublin 2005 Urszula Augustyniak, Historia Polski 1572–1795, 2008
Einzelnachweise
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