Der Vierbach-Viadukt (auch „Schallbrücke“ im Volksmund) ist eine Eisenbahnbrücke in Hessen im Werra-Meißner-Kreis. Er überspannt den Vierbach und die Landesstraße 3242 in der Nähe des Ortes Reichensachsen. Der Viadukt wurde im Zuge des Baus der strategischen „Kanonenbahn“ Berlin–Metz errichtet und befindet sich in deren Teilabschnitt Leinefelde–Treysa.

Der Viadukt ist als Steinbogenbrücke ausgeführt und zählt zu den zahlreichen Kunstbauwerken dieses technisch anspruchsvollen Streckenabschnitts. Trotz seiner historischen Bedeutung und seiner bemerkenswerten Erhaltung während des Zweiten Weltkriegs ist seine Zukunft heute ungewiss.

Geschichte Fertiggestellt wurde der Viadukt im Jahre 1877 mit Baukosten von 67.473 Mark.Zeitschrift für Bauwesen 1880 S. 455.

Während des Zweiten Weltkriegs ereignete sich ein Vorfall auf dem Viadukt, als zwei amerikanische Jagdflugzeuge einen kurz vor dem Viadukt befindlichen Güterzug ohne Erfolg beschossen. Der Lokführer ließ den Zug auf dem Viadukt zum Stehen kommen, um den Anschein zu erwecken, die Lok sei getroffen worden. Nachdem die Jagdflieger abgeflogen waren, fuhr der Güterzug in den Bischofferoder Tunnel ein, um vor einem möglichen weiteren Luftangriff Schutz zu suchen.

Im Jahre 1961 wurde dem Viadukt eine Festplakette zum Wichtelfest in Reichensachsen gewidmet.Hermann Josef Friske, Werra-Meissner-Bahnen Teil 54, auf werra-meissner-bahnen.de

Konstruktion Der Vierbach-Viadukt hat eine Gesamtlänge von 43 m, einen Anstieg von 0,5 m und eine Höhe von 14 m. Er ähnelt in seiner Ausführung besonders dem Wehre-Viadukt. Die Bogenkonstruktion besteht aus 4 Öffnungen mit jeweils 8,5 m Spannweite.

Das Mauerwerk wurde aus Buntsandstein ausgeführt, was zu damaligen Verhältnissen kosteneffizienter war als eine teure Stahlkonstruktion. Gleichzeitig wurde von Beginn an eine zweigleisige Breite von 8 m angelegt. Des Weiteren wurde die Bogenkonstruktion teilweise mit Schüttmaterial des Damms ausgefüllt, was sich ebenfalls als kostengünstig erwies. Die Gewölbe, Brüstungen und Binderschichten wurden aus guten Sandsteinquadern gemauert.

Die Entwässerung wurde in Richtung der Widerlager geleitet mithilfe einer zweifachen Ziegelflachschicht, so dass das Schwitzwasser in die vorgesehenen Hohlräume und schließlich durch die Schalllöcher aus den mittleren Brückenpfeilern entwich. Wahrscheinlich wurden nach dem Ersten Weltkrieg die Schalllöcher der Brücke, die der Entwässerung dienten, zugemauert. Zusätzlich wurden Stützmauern aus Sandstein-Bruchstein auf geeigneten Boden aus Kies und harten Fels an den Brückenenden errichtet, um die Brückenlänge zu verringern und Schutz vor Hochwasser zu bieten.

Heutiger Zustand Am 31. Dezember 1992 wurde sämtlicher Schienenverkehr auf dem Streckenabschnitt bis Waldkappel eingestellt, und somit verlor die Brücke ihre Funktion. Daraufhin verbreitete sich in den nachfolgenden Jahren Vegetation auf der Oberfläche des Viadukts.

Zunehmende Schäden an Teilen der seitlichen Sandsteinbrüstung hatten zur Folge, dass diese 2014 komplett entfernt werden musste, obwohl die Brücke unter Denkmalschutz steht. Das Betreten des Viadukts ist seitdem nicht mehr möglich.

Im Jahr 2019 fand eine Überprüfung des Bauwerks statt. Sie ergab, das Mörtel und Mauersteine bröselig sind und Teile der Brücke jederzeit hinabzustürzen drohten. Daraufhin wurde die Unterführung der Brücke für den Straßenverkehr gesperrt und ab November 2019 wurde ein Stützgerüst (von „Hessen mobil“) mit Ampelanlage aufgebaut, die den Straßenverkehr seitdem regelt. Daraus resultiert eine unübersichtliche Verkehrssituation im Bereich des Viaduktes.

So blieb es trotz mehrfacher Aufforderung und Nachfrage der Gemeinde Wehretal an Autobahn GmbH, die 2021 angab, die Instandsetzung der maroden Brücke begonnen zu haben und 2022 Vermessungen durchführte. Bauinstandsetzungsmaßnahmen bleiben bisher jedoch weiterhin aus.

Im Jahr 2026 wird, laut Autobahn GmbH und Straßenbaubehörde Hessen mobil, ein Rückbau des historischen Bauwerks immer wahrscheinlicher, im Gegensatz zu einer Teil- oder Vollsanierung. Allerdings positioniert sich die hessische Denkmalschutzbehörde weiterhin gegen einen Abriss.

Weblinks vergessene-bahnen.de – Bilder der Bahnstrecke mit Viadukt

Einzelnachweise

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