Die Kirche Sankt Stephanus ist eine römisch-katholische Kirche in Weiler an der Rems, einem Stadtteil der Großen Kreisstadt Schorndorf im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die Kirche steht unter dem Patrozinium des Erzmärtyrers Stephanus. Sie entstand 1967 an der Ecke Carl-Zeiss-Straße/Gartenstraße im Stile des Brutalismus nach Plänen des Herrenberger Architekten Wilhelm Frank.

Geschichte Mit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich wurde Weiler wie ganz Alt-Württemberg evangelisch-lutherisch. Erst im Zuge der Industrialisierung und dem Bau der Remsbahn (Bahnstrecke Stuttgart-Bad Cannstatt–Nördlingen) kam es wieder zu einem Zuzug von Katholiken, doch ihre Zahl blieb gering. Mitte des 19. Jahrhunderts waren von 1056 Einwohnern nur 4 Bürger katholisch.Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Schorndorf. J. B. Müller’s Verlagshandlung, Stuttgart 1851, S. 191. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte sich dies jedoch schlagartig ändern. Durch die Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Mittel- und Osteuropa ab 1945 kamen hunderte Katholiken nach Weiler. Um diese Menschen seelsorgerisch betreuen zu können, wurde der Bau einer Kirche geplant. In den 1960er Jahren erwarb die Diözese Rottenburg ein Grundstück am südlichen Ortsrand von Weiler. Die Bauarbeiten begannen 1966 und konnten 1967 abgeschlossen werden. Im selben Jahr fand die Kirchweihe statt.

Architektur St. Stephanus ist eine von 26 kleinen Kirchen, die nach Plänen des Herrenberger Architekten Wilhelm Frank aus vorgefertigten Betonplatten zwischen 1964 und 1975 gebaut wurden. Der Prototyp wurde in Dußlingen (St. Paulus) errichtet. Da sich die Kirche bewährte, wurde der Bau von weiteren Kirchen des Typs Frank beschlossen. Das Bischöfliche Ordinariat erhielt die Rechte an den Plänen; der Architekt eine Pauschalsumme pro gebauter Kirche. Der Entwurf war so erfolgreich, dass sich auch andere Bistümer für diesen Typ von Kirchen interessierten. Die letzte Kirche vom Typ Frank entstand 1975 in Ellwangen (Heilig-Geist-Kirche). Charakteristisch für den Entwurf ist das tief heruntergezogene Dach, das an ein Zelt erinnert. Die Giebelwände sind mit Waschbetonplatten verkleidet. Dem Haupteingang ist eine schlichte Vordachkonstruktion vorgestellt. Die Decke ist holzvertäfelt; manche Kirchen dieses Typs verfügen über einen freistehenden Glockenturm (Campanile); in Weiler wurde darauf verzichtet. Nördlich der Kirche befinden sich das katholische Gemeindehaus und der St.-Franziskus-Kindergarten.

Siehe auch

Liste von römisch-katholischen Fertigteil-Kirchen in Baden-Württemberg

Literatur

Ulrike Plate: Gottesdienst im Baukasten. Kirchen aus Fertigteilen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 2, 2013.

Einzelnachweise

Stephanus Kategorie:Zeltkirche Kategorie:Erbaut 1967 Kategorie:Stephanus-Märtyrer-Kirche Kategorie:Bauwerk des Brutalismus in Baden-Württemberg Kategorie:Bauwerk aus Beton Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Kirchengebäude in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Kategorie:Bauwerk der Moderne im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Fertigteilbau