Die Pontischen Hänge von Lebus a.d.O., auch Adonishänge genannt, sind ein ehemaliges eigenständiges Naturschutzgebiet und heutiger Teil des Naturschutzgebietes „Odertal Frankfurt-Lebus mit Pontischen Hängen“ südlich von Lebus im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg. Das Gebiet liegt am westlichen Rand des Odertals direkt am Oderabhang und ist vor allem durch Trocken- und Halbtrockenrasen, steppenartige Vegetation sowie große Vorkommen des Frühlings-Adonisröschens bekannt.

Das Gebiet wurde 1921 zum Schutz des Frühlings-Adonisröschens und der trockenwarmen Hangrasen unter Schutz gestellt und zählt damit zu den frühesten Naturschutzgebieten auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg. Die frühere Einzelschutzgebietsregelung ging 2018 in der Verordnung über das größere Naturschutzgebiet „Odertal Frankfurt-Lebus mit Pontischen Hängen“ auf.

Lage und Naturraum

Die Pontischen Hänge liegen südlich von Lebus direkt am Oderabhang und grenzen an das frühere Naturschutzgebiet „Oderberge“. An dieser Stelle fällt die Ostbrandenburgische Platte, eine Grundmoränenlandschaft der letzten Kaltzeit, steil zum Odertal ab. Die Hänge erreichen nach Angaben der NABU-Stiftung Höhenunterschiede von bis zu 45 Metern. Der lehmig-sandige Untergrund, der schnelle Abfluss des Niederschlagswassers und das kontinental geprägte Klima führen zu sehr trockenen Standortbedingungen.

Der Name „pontisch“ verweist auf die steppenartige Vegetation des Gebietes. Auf den Hängen kommen zahlreiche lichtliebende und trockenheitsresistente Pflanzenarten vor, deren Hauptverbreitungsgebiete in den Steppen Osteuropas und Vorderasiens liegen.

Schutzgeschichte

Die Unterschutzstellung der Pontischen Hänge geht auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zu Lebus an der Oder vom 27. April 1921 zurück. Der NABU-Steckbrief nennt als Veröffentlichung das Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt an der Oder Nr. 36 vom 10. September 1921. In der brandenburgischen Naturschutzliteratur wird das Gebiet als frühes Naturschutzgebiet auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg hervorgehoben; als vorrangiges Schutzziel wird dort der Schutz des Frühlings-Adonisröschens genannt.

Im Jahr 2018 wurden ältere Schutzgebietsregelungen für die „Pontischen Hänge von Lebus an der Oder“, die „Oderberge“ und die „Oderwiesen nördlich Frankfurt“ aufgehoben und in das neue Naturschutzgebiet „Odertal Frankfurt-Lebus mit Pontischen Hängen“ integriert. Dieses größere Naturschutzgebiet umfasst rund 676 Hektar in der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder) und im Landkreis Märkisch-Oderland.

Auf europäischer Ebene liegt das Gebiet im Natura-2000-Zusammenhang. Der NABU-Steckbrief nennt die Einbindung in das Vogelschutzgebiet „Mittlere Oderniederung“ sowie die Zugehörigkeit zum FFH-Gebiet „Lebuser Odertal“. Die Kurzfassung des Managementplans für das FFH-Gebiet „Lebuser Odertal“ nennt das damalige Naturschutzgebiet „Pontische Hänge von Lebus a.d.O.“ mit 1,87 Hektar Fläche innerhalb des FFH-Gebietes.

Schutzzweck

Das historische Schutzgebiet wurde maßgeblich zum Schutz des Frühlings-Adonisröschens und der kalkreichen Trocken- und Halbtrockenrasen eingerichtet.

Der Schutzzweck des heutigen Naturschutzgebietes „Odertal Frankfurt-Lebus mit Pontischen Hängen“ umfasst nach der Verordnung von 2018 die Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung einer vielfältigen Auenlandschaft, von Talhängen mit strukturreichen Trockenlebensräumen sowie waldreicher Biotopkomplexe entlang des Alt Zeschdorfer und Booßener Fließes. Genannt werden unter anderem Still- und Fließgewässer, Quellfluren, Röhrichte, Riede, feuchte, frische und trockenwarme Staudenfluren, Trocken- und Halbtrockenrasen, offene Lehmwände, Auenwälder, Eichen-Hainbuchenwälder sowie Hang- und Schluchtwälder.

Die Verordnung nennt außerdem die Bedeutung des Gebietes als Lebens- und Rückzugsraum wild lebender Tierarten, als Gebiet für die Umweltbeobachtung und wissenschaftliche Untersuchung ökologischer Zusammenhänge in Flusstal- und subkontinentalen Trockenlebensraumkomplexen sowie als Bestandteil des großräumigen Gewässer- und Feuchtgebietsverbundes entlang der Oder und des regionalen Biotopverbundes der Odertalhänge.

Flora und Fauna

Charakteristisch sind kalkreiche Trocken- und Halbtrockenrasen mit einem großen Vorkommen des Frühlings-Adonisröschens. Die Art bildet im zeitigen Frühjahr auffällige gelbe Blütenbestände und prägt den landschaftlichen Eindruck der Hänge. Auf den Oderhängen im Osten Brandenburgs hat das Frühlings-Adonisröschen nach Angaben der NABU-Stiftung seine Hauptverbreitung in Deutschland.

Zu den im Gebiet genannten Pflanzenarten gehören neben dem Frühlings-Adonisröschen die Sibirische Glockenblume, die Kartäuser-Nelke, der Ährige Blauweiderich, die Gemeine Sommerwurz, das Pfriemengras und das Sand-Fingerkraut.

Die Verordnung für das heutige Gesamtgebiet nennt als besonders geschützte oder schutzrelevante Pflanzen- und Pilzarten unter anderem Wiesen-Schlüsselblume, Körnchen-Steinbrech, Frühlings-Adonisröschen, Traubige Graslilie, Ästige Graslilie, Wiesen-Kuhschelle, Violette Schwarzwurzel, Großes Windröschen, Feld-Mannstreu, Österreichischer Lein, Haar-Pfriemengras, Echtes Federgras, Kartäuser-Nelke, Heide-Nelke, Strand-Grasnelke, Ährigen Blauweiderich, Wasser-Schwertlilie, Wasserfeder, Schwimmfarn und Wassernuss. Diese Aufzählung bezieht sich auf das größere, 2018 festgesetzte Naturschutzgebiet und nicht ausschließlich auf das frühere Kleingebiet der Pontischen Hänge.

Als bedeutende Vogelarten nennt der NABU-Steckbrief unter anderem Neuntöter, Heidelerche, Sprosser, Raubwürger, Rotmilan, Schwarzmilan und Sperbergrasmücke. In der Verordnung des heutigen Gesamtgebietes werden darüber hinaus zahlreiche Tierarten der Auen-, Wald- und Trockenlebensräume aufgeführt, darunter Seeadler, Rohrweihe, Kranich, Eisvogel, Wendehals, Mittelspecht, Zauneidechse, Glattnatter, Wildbienen, Libellen und die Blauflügelige Ödlandschrecke.

Nutzung und Pflege

Die Hänge wurden wegen ihrer Steilheit traditionell nur extensiv, insbesondere als Schafweiden, genutzt. Dadurch konnten sich niedrigwüchsige, lichtreiche Trockenrasen entwickeln. Nach Aufgabe der traditionellen Beweidung droht den Rasen eine Verbuschung, besonders durch Schlehen.

Seit Januar 2007 befindet sich nach Angaben der NABU-Stiftung fast das gesamte frühere Naturschutzgebiet im Eigentum der Stiftung. Im Jahr 2014 stellte die Stiftung ihre Flächen für umfangreiche Entbuschungsmaßnahmen bereit, die vom Landschaftspflegeverband Mittlere Oder und vom Heimatverein Lebus umgesetzt wurden. Die weitere Landschaftspflege erfolgt durch eine an den Naturschutzzielen ausgerichtete Beweidung mit Schafen, Ziegen und Eseln.

Die brandenburgische Fachliteratur zu kontinentalen Trockenrasen beschreibt die Aufgabe historischer Nutzungen und das Aufkommen von Gehölzen, insbesondere Robinien und Schlehen, als problematisch für Trockenrasengebiete. Für die Oderhänge wird die extensive Beweidung mit Schafen und beigemischten Ziegen als pflegerelevante Nutzung hervorgehoben.

Weblinks

Pontische Hänge von Lebus a.d.O. – Schutzgebietssteckbrief der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe (PDF) Verordnung über das Naturschutzgebiet „Odertal Frankfurt-Lebus mit Pontischen Hängen“ im Brandenburgischen Vorschriftensystem Odertal Frankfurt-Lebus mit pontischen Hängen bei Natura 2000 Brandenburg

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemaliges Naturschutzgebiet in Brandenburg Kategorie:Lebus Kategorie:Schutzgebietsgründung 1921