Die Burg Holzheim ist eine abgegangene Niederungsburg, etwa 2,5 km südsüdwestlich von Fritzlar im Bereich der 1040 erstmals genannten Ortswüstung Holzheim in der Gemarkung von Fritzlar im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Die mehrfach zerstörte und in drei Phasen errichtete Burganlage wurde erst bei Grabungen in der Wüstung Holzheim erfasst.Grabungen wurden 1976, 1979–1985 und 1997 durchgeführt. Die dabei untersuchte Fläche wurde nach Ende der Grabungskampagnen wieder verschlossen. Oberflächliche Reste waren nicht mehr vorhanden.
Geschichte Weder das Entstehungsjahr noch die Erbauer der Burg sind bekannt. Wahrscheinlich war sie Sitz des in mainzischen Diensten stehenden und mit dem Dorf belehnten Geschlechts der Herren von Holzheim. Es wird vermutet, dass im 10. oder frühen 11. Jahrhundert auf einer durch mindestens 3 m breite Gräben und auf deren Innenseite stehende Palisaden gesicherten Hofanlage von etwa 25 × 50 m Größe ein hölzerner Wohnturm mit Seitenlängen von 7,5 × 9 m errichtet wurde. Im Nordwesten und Südosten des Hofs befand sich jeweils ein Tor. Nur die Osthälfte der Anlage war bebaut.
Nachdem der Wohnturm in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts durch Feuer zerstört worden war, wurde die bisher unbebaute Westhälfte der Anlage durch eine 30 × 40 m große Niederungsburg überbaut. Zentrum war ein steinerner Wohnturm mit einer Mauerstärke von ca. 1 m und einer lichten Weite von 5,40 × 6,90 m. Die Befestigung bestand aus einer ringförmigen Palisade, mit vier einfachen Durchlässen im Nordosten, Südwesten, Westen und Osten. Neben dem Wohnturm standen im Burgareal drei Pfostengebäude, ein unterkellertes Haus mit Steinfundament und drei Grubenhäuser. Diese Burg wurde um 1300 wiederum durch einen Brand zerstört.
Daraufhin wurde südlich der abgebrannten Anlage eine kleine Ringmauerburg errichtet. Sie wurde bei den Ausgrabungen im 20. Jahrhundert nicht vollständig freigelegt, und daher sind detaillierte Angaben über Gestalt und Bebauung nicht möglich. Sie war 60 m lang und mindestens 50 m breit und mit einem 4 m breiten Sohlgraben und einer ca. 1,20 m starken Ringmauer umgeben, vor der nur noch die Ausbruchsgrube erhalten war. Im Nordosten befand sich ein Zangentor. Südöstlich davon stand ein runder Bergfried mit einer Mauerstärke von 1 m und 5 m innerem Durchmesser.
Die Burg und das Dorf wurden wahrscheinlich im Jahr 1400 oder kurz danach im Rachefeldzug hessisch-braunschweigischer Truppen zerstört, mit dem diese auf die am 5. Juni 1400 erfolgte Ermordung des Herzogs Friedrich von Braunschweig und Lüneburg antworteten, denn das Dorf gehörte inzwischen der Familie eines der Mörder, Konrad (Kunzmann) von Falkenberg. Die Burg wurde nicht wieder aufgebaut und das Dorf wurde aufgegeben.
Fußnoten
Literatur Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (Veröffentlichungen der historischen Kommission für Hessen und Waldeck, Band XIV), Elwert, Marburg, 1974 (Unveränderte Neudruck der 1. Ausgabe, Marburg, 1926), ISBN 3-7708-0509-7, 3-7708-0510-0, S. 246. Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen, Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen, 2. Auflage, 1995, ISBN 3-86134-228-6, S. 93. Norbert Wand: Holzheim bei Fritzlar. Archäologie eines mittelalterlichen Dorfes (Kasseler Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte, Band 6), Leidorf, Rahden/West., 2002, ISBN 3-89646-266-0, bes. S. 136–143. Norbert Wand: Wüstung Holzheim bei Fritzlar, in: Landesamt für Denkmalpflege Hessen: Der Schwalm-Eder-Kreis (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Band 8), Theiss, Stuttgart, 1986, ISBN 3-8062-0369-5, S. 126–130 Werner Ide: Von Adorf bis Zwesten. Ortsgeschichtliches Taschenbuch für den Kreis Fritzlar-Homberg, Bernecker, Melsungen, 1971, S. 182–185 Thorsten Sonnemann: Die Büraburg und das Fritzlar-Waberner Becken im frühen Mittelalter (Mittelalterarchäologie in Hessen, Band 1; Studien zur Archäologie Europas, Band 12), Habelt, Bonn, 2010, ISBN 978-3-7749-3655-3, S. 150–156. Johann-Henrich Schotten: Die Ausgrabung der Wüstung Holzheim, die archäologische Wiederentdeckung eines alten Verkehrsknotenpunktes, in: Jahrbuch Schwalm-Eder-Kreis 1987, Band 13, Gutenberg, Melsungen, 1987, ISSN 0932-822X, S. 53–56
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