Kiki ist der Titel eines deutsch-französischen Tonfilm-Lustspiels, das Karel Lamač 1932 mit Anny Ondra in der Titelrolle in Koproduktion seiner Berliner Firma Ondra-Lamač-Film mit der Vandor-Film Paris realisiert und produziert hat. Das Drehbuch schrieb Hans H. Zerlett nach einem Bühnenstück von André Picard aus dem Jahre 1918. In weiteren Hauptrollen waren Berthe Ostyn, Paul Otto und Hermann Thimig zu sehen.

Handlung Kiki, eine Choristin, meldet sich auf ein Inserat des Revue-Theaters Folies Parisiennes und wird als Garderobiere angenommen, aber wegen ihrer Tölpelhaftigkeit sogleich wieder gekündigt. Sie eilt zum Theaterdirektor, um sich über ihre Entlassung zu beschweren. Dieser hat ein Verhältnis mit der Hauptdarstellerin der Revue, Cervinette, die sich durch Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit auszeichnet, wegen der zwischen ihr und dem Direktor bestehenden Beziehungen aber nicht beseitigt werden kann. Auch Kiki wird ungewollt Zeugin einer solchen Auseinandersetzung, wobei ihr der Pelzmantel Cervinettes, ein Geschenk des Direktors, den diese im Verlauf des Streitgesprächs zurückgeben will, ins Gesicht fliegt. Als sie das Theater im Pelz verlässt, spricht sie der Direktor an und lädt sie zum Souper ins Boeuf sur le toit ein. Dort treffen beide mit Cervinette und dem zweiten Direktor zusammen. Die beiden Frauen werden auf einander eifersüchtig.

Hierbei wird offenbar, dass Kiki unter dem Pelz lediglich ihre Unterwäsche trägt, weil sie sich beim Betreten des Restaurants ihres Garderobierenkleides entledigt hat. Der Direktor flieht auf das Gelächter des Publikums mit ihr und nimmt sie mit in seine Wohnung. Er stellt ihr sein Schlafzimmer zur Verfügung, Kiki schließt sich ein, und alle Versuche des Direktors, zu ihr zu gelangen, scheitern. Am nächsten Morgen ruft Kiki im angeblichen Auftrag des Direktors da Theaterbüro an und ersucht den Regisseur, eine junge Dame, die sich meldet, für die neue Revue einzustellen. Die sich Meldende ist Kiki selbst. In der Revue tritt auch Cervinette auf. Im Theater kommt es zu einer Eifersuchtsszene zwischen den beiden Frauen, auf Grund deren der Direktor Kiki die Tür weist.

Kiki gelingt es jedoch, heimlich wieder in seine Wohnung einzudringen und sich im Kleiderschrank zu verstecken. Als sie entdeckt wird, täuscht sie einen Starrkrampf vor. Hierbei wird offenbar, dass der Direktor ihre Liebe erwidert, und Kiki gibt in dem Augenblick, wo die offenbar wird, die Starrkrampf-Komödie auf. Cervinette erhält den Laufpass und Kiki bekommt ihren Direktor.

(Inhalt nach dem Zensurbescheid der Oberprüfstelle vom 16. September 1932)

Produktion Der Film war eine Gemeinschaftsproduktion der Berliner Ondra-Lamac-Film und der Pariser Vandor Film und wurde von Otto Heller photographiert. Die Atelierbauten schuf Heinz Fenchel. Die Tonaufnahmen machte Helmuth Neumann, Maskenbildner war Heinrich Beckmann.

Die Filmmusik komponierte Curt Lewinnek, der auch die musikalische Leitung hatte und mit seiner „Kapelle Lewinnek“ im Studio spielte. Die Liedtexte verfassten Bert Reisfeld und Rolf Marbot. Die Produktion enthielt die Tonfilmschlager: Dir möcht' ich mich gerne anvertrau'n Wir marschieren in das Land der Liebe

Die Lieder erschienen auch auf Grammophonplatten: Dir möcht ich mich gerne anvertrau’n. Slowfox aus dem Tonfilm „Kiki“ (Musik und Text: Rolf Marbot und Bert Reisfeld), Miss Louise Gordan (Jordan ?) und die Kardosh Singers mit Begleitung. Telefunken A 1266 (Matrize M 18 703) Dir möcht' ich mich gerne anvertrau'n. Slowfox von Bert Reisfeld, Rolf Marbot und Kurt Lewinnek aus dem Tonfilm „Kiki“. „Fama“ Jazz-Orchester, Refraingesang: Harry Hilm. 20 cm-Fama Nr. 2680 (Matrize 4120), veröffentlicht 1932.Als „Fama“ Jazz-Orchester spielt hier das Orchester Jack Presburg, unter dem Pseudonym Harry Hilm singt Raimund Gessner (geboren als Raimund Gessele am 18. Jan. 1901 in Würzburg : Schauspieler, Sänger, Komponist, Autor; gest. 1964). Zu diesem vgl. echospore.de und lexm.uni-hamburg.de ; das Pseudonym Harry Hilm benutzte gelegentlich auch der Komponist Hans Lengsfelder (1903-1979), vgl. Monika Kornberger im ÖML; Platte aus dem Schallarchiv des Radiomuseum Hardthausen. Dir möcht' ich mich gerne anvertrau'n. Slowfox von Bert Reisfeld, Rolf Marbot und Kurt Lewinnek aus dem Tonfilm „Kiki“. Marek Weber und sein Orchester. Electrola E.G. 2622 / 60-2049 (Matrize E-OD 1116-I), aufgen. Berlin, 21. September 1932.

Auch die Hauptdarstellerin Anny Ondra sang das Lied auf die Grammophonplatte ein: Dir möcht' ich mich gern anvertrauen. Lied und Slowfox aus dem Vandor Ondra-Lamac-Tonfilm der Emelka "Kiki". Text und Musik: Bert Reisfeld, Rolf Marbot und Kurt Lewinnek. Anny Ondra mit Odeon-Künstler-Orchester Leitung: Kapellmeister Otto Dobrindt. Odeon O-11 712 a (Matrize Be 9999-2), aufgen. Berlin, 23. August 1932.

Den zweiten Titel nahm die Schauspielerin Berthe Ostyn auf: Wir marschieren in das Land der Liebe. Marschlied aus dem Tonfilm "Kiki". Musik: Bert Reisfeld, Text: Rolf Marbot. Tanzorchester Fred Marley (Ps. für Ilja Livschakoff) Refraingesang: Berthe Ostyn. Grammophon 1061-A (Matrize 4959 BD VII) Aufgen. Berlin, Sommer 1932.

Die Dreharbeiten fanden von April bis Juni 1932 in Paris statt. Der Film lag der Reichsfilmzensur Berlin am 12. September 1932 vor, die ihn unter der Zensurnummer B.32087 verbot. Erst die Vorlage bei der Oberprüfstelle am 16. September 1932 bewirkte nach Kürzung des Films um 10 m unter der Prüfnummer O.05284 eine Abmilderung auf Jugendverbot.vgl. Bescheid Oberprüfstelle O.05284, 16. September 1932, 5 Akte 2205 m (2215 m vor Zensur)

Die deutsche Uraufführung fand am 22. September 1932lt. Klaus-Archiv am 27. September 1932 in Berlin im Kino Atriumauch Beba-Palast Atrium, Berlin-Wilmersdorf, Bundesalle 178/179; eröffnet: 1. April 1927; geschlossen: ca. 1943; Sitzplätze: 2002 (1927); 1943 (1940) war eines der bedeutendsten Großkinos der Stadt. Vgl. allekinos.com statt. Der Film lief auch in Dänemark und Schweden.vgl. Kinoplakate

Eine gleichzeitig gedrehte französische Version mit Anny Ondra und Pierre Richard-Willm wurde am 20. Januar 1933 in Frankreich uraufgeführt.

Weblinks

Abbildungen: Filmplakat mit Anny Ondra Photos von Berthe Ostyn bei Virtual History.

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1932 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Französischer Film Kategorie:Filmkomödie