mini|Gerichtsgebäude Das Amtsgericht Welzheim war ein württembergisches Amtsgericht mit Sitz in Welzheim.
Geschichte Im Königreich Württemberg wurde 1819 die Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung umgesetzt und in jedem Oberamt ein Oberamtsgericht gebildet. Entsprechend war Welzheim Sitz des Oberamtes Welzheim für die Verwaltung und des Oberamtsgerichtes Welzheim für die Rechtsprechung. Im Rahmen der Reichsjustizgesetze wurden 1879 reichsweit Amtsgerichte gebildet. Das Oberamtsgericht Welzheim wurde aufgehoben und das Amtsgericht Welzheim neu gebildet. Es war dem Landgericht Ellwangen zugeordnet. Im Jahr 1880 hatte es 20.426 Gerichtseingesessene und zwei Richterstellen.Carl Pfafferoth: Jahrbuch der deutschen Gerichtsverfassung 1880, S. 467, Digitalisat.
Der Sprengel des Amtsgerichts Welzheim entsprach dem des Oberamtes Welzheim: Alfdorf, Großdeinbach, Kaisersbach, Kirchen-Kirnberg, Lorch, Pfahlbronn, Plüderhausen, Rudersberg, Unterschlechtbach, Waldhausen und Wäschenbeuren. Mit Gesetz vom 24. Juli 1931 wurde das Amtsgericht aufgelöst.Reg.Bl. S. 341. Sein Sprengel wurde auf die Amtsgerichte Backnang, Göppingen, Schwäbisch Gmünd und Schorndorf verteilt.Behördenbeschreibung beim Landesarchiv
Gerichtsgebäude Das Amtsgericht nutzte das Oberamtsgerichtsgebäude (Hermann-Schlotterbeck-Platz 1). Das zweigeschossiges Gebäude in verputztem Fachwerk auf Werksteinsockel, Satteldach mit Wiederkehr, mittige zweiseitige Freitreppe an einer Traufseite, zweigeschossige, seitlichen Anbauten mit Walmdächern an der Nordseite, einem eingeschossigen Anbau mit Dachterrasse an der Ostseite wurde 1820 nach Rissen von Baurat Fischer (Schwäbisch Gmünd) durch Werkmeister Thumm (Aalen) errichtet, 1843 erweitert und das ursprüngliche Walm- in ein Satteldach umgebaut. 1906 wurde es erneut umgebaut und Anbauten an der Nord- und Ostseite hinzugefügt.
Das Oberamtsgericht ist in seiner einfachen Gestaltung, mit der achsensymmetrischen Fassade aus Putz und strenger Fensterreihung, charakteristisch für die Amts- und Verwaltungsgebäude im Königreich Württemberg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es ist zudem ein Zeugnis für die im Königreich unter Wilhelm I. neu geschaffenen Oberamtsgerichte und somit für die Justizgeschichte. Daher steht es unter Denkmalschutz. Von 1935 bis 1945 war in dem Gebäude die Lagerleitung des Schutzhaft-/Konzentrationslagers Welzheim (offiziell „Polizeigefängnis Welzheim“) untergebracht, eine Nebenstelle der Gestapoleitstelle Stuttgart. Weitere Gebäude befanden sich nördlich des Oberamtsgerichtes. Mit Anrücken der Alliierten wurden alle Akten vernichtet; über die Dimensionen des Lagers sind keine Unterlagen überliefert. Der Gefängnistrakt wurde 1954 abgerissen.
Siehe auch Liste der Kulturdenkmale in Welzheim
Einzelnachweise
Welzheim Kategorie:Welzheim Kategorie:Gerichtsgründung 1879 Kategorie:Aufgelöst 1931