Theoderich von Fleury (auch Theodericus Floriacensis, Theoderich von Hersfeld, Theoderich von Amorbach oder Theoderich von St. Eucharius; * ca. 950/960; † 29. Oktober 1027Vgl. Josef Höfer, Karl Rahner: Theodorich von Fleury. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Band 10, 1957) war ein hochmittelalterlicher Benediktinermönch, Chronist und Gelehrter. Er wirkte als wandernder Intellektueller in mehreren bedeutenden Abteien des west- und ostfränkischen Raumes und gilt als wichtiges Bindeglied beim Transfer von Klosterreformen an der JahrtausendwendeVgl. Hartmut Hoffmann: Theoderich von Fleury/Amorbach/Trier. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters (DA) Band 71, Heft 2, 2015.

Leben und Identitätsdiskussion Über die Herkunft Theoderichs gibt es keine direkten zeitgenössischen Zeugnisse. Als junger Mönch trat er in das westfränkische Reformkloster Fleury an der Loire ein, das zu dieser Zeit ein europäisches Zentrum der Gelehrsamkeit war. Später kam er in das ostfränkisch-deutsche Reich, wo er als wandernder Gelehrter wirkte. Seine nachgewiesenen Stationen umfassten die Reichsabtei Hersfeld, das Kloster St. Alban vor Mainz sowie die Abtei Amorbach im Odenwald.

In der jüngeren geschichtswissenschaftlichen Forschung (insbesondere durch Hartmut Hoffmann, 2015) wird Theoderich zudem mit dem Schulmeister Theoderich des Benediktinerklosters St. Eucharius (St. Matthias) in Trier identifiziert, der dort im Jahr 1006 eintrat. Ältere Zuschreibungen aus der Forschung (u. a. von Mogens Rathsack und Heinz Thomas), die ihn mit Urkundenfälschungen in Trier in Verbindung brachten, gelten in der modernen Mediävistik als widerlegtvgl. BAdW: Theodericus mon. S. Matthiae Treverensis.

Literarisches Werk und Bedeutung Theoderichs Schriften zeugen von einer tiefen Kenntnis der Liturgie, Kirchenpolitik und Exegese. Seine Hauptwerke sind:

Illatio beati Benedicti Floriacum (auch Liber de illatione redituque corporis S. Benedicti)Illatio beati Benedicti Floriacum (bibliotheca-laureshamensis-digital): Eine historiographische Schrift über die Übertragung und den Rückhalt der Reliquien des heiligen Benedikt von Nursia im Kloster Fleury. Das Werk entstand schätzungsweise zwischen 1011 und 1019. Es liefert wichtige Einblicke in das Selbstverständnis der Mönche von Fleury am Ende des 9. und beginnenden 10. Jahrhunderts, enthält aus moderner Sicht jedoch auch historische Ungenauigkeiten. Libelli de consuetudinibus et statutis monasterii Floriacensis: Eine detaillierte Aufzeichnung der klösterlichen Gewohnheiten (Consuetudines) aus Fleury. Theoderich übersandte diese Schrift an Richard von Amorbach (der ab 1018 auch Abt der Reichsabtei Fulda war). Diese Aufzeichnungen dienten Richard als maßgebliche Quelle für den Ordo Amerbacensis, welcher die monastischen Reformen im hessisch-fränkischen Raum maßgeblich vorantrieb. Commentarius in epistolas catholicas: Ein umfassender theologischer Kommentar zu den Katholischen Briefen des Neuen Testaments.

Namensvarianten Aufgrund seiner wechselnden Wirkungsstätten wird Theoderich in mittelalterlichen Handschriften und modernen Bibliothekskatalogen unter verschiedenen Namen geführt: Theodericus Floriacensis (bevorzugter Name in der Philosophie- und Liturgiegeschichte) Theodericus Amorbacensis Dietrich von Amorbach Theodericus Hersfeldensis Monachus Theodorich, von Hersfeld Theodericus Sancti Albani Monachus Theodorich, von Sankt Alban Theodericus, Trevirensis Theodericus, von Trier Teodorico, di Fleury-sur-Loire

Quellen und Literatur Ernst Ludwig Dümmler: Über Leben und Schriften des Mönches Theodericus (von Amorbach) (Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1894). Hartmut Hoffmann: Theoderich von Fleury / Amorbach / Trier. In: Deutsches Archiv zur Erforschung des Mittelalters - Namens der Monumenta Germaniae Historica, Heft 2, Hrsg. Marc-Aeilko Aris, Enno Bünz, Martina Hartmann, Claudia Martl, Böhlau Verlag, 2015 (Digitalisat der MGH). Max Manitius: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Band 2: Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat. C. H. Beck, München 1923, S. 449–457 (Digitalisat Universitäts- und Landesbibliothek, Düsseldorf) Tina Orth-Müller: Si ad plenum apostolica verba nequaquam valeam explanare: Theoderich von Fleury (Theoderich von Amorbach) und sein Kommentar zu den Katholischen Briefen, in: Medialatinitas. Ausgewählte Beiträge zum 8. Internationalen Mittellateinerkongress, Wien 17.–21.9.2017 (Wiener Studien Beihefte), hrsg. Christine Ratkowitsch, Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, 2021 (Online)

Weblinks

Eintrag zu Theodericus mon. S. Matthiae Treverensis im Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“

Einzelnachweise

Kategorie:Benediktiner Kategorie:Literatur (Mittellatein) Kategorie:Geboren im 10. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1027 Kategorie:Mann