mini|Nowak auf einer Kameraaufnahme kurz vor seinem Tod

Der 18-jährige polnisch-britische Student Henry Nowak wurde im Dezember 2025 in Southampton vom 23-jährigen britischen Sikh Vickrum Digwa ermordet. Nowak traf nachts auf der Straße Digwa, sprach ihn auf seinen offen getragenen Dolch an und filmte ihn dabei mit dem Handy. Es entspann sich ein kurzes Wortgefecht, das darin endete, dass Digwa mehrfach auf Nowak einstach und ihn dabei tödlich verletzte. Er wurde am 1. Juni 2026 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit mindestens 21 Jahren Haft verurteilt.

Direkt nach den Stichen hatte Digwas Bruder die Polizei angerufen und gesagt, sein Bruder sei „rassistisch“ angegriffen worden. Die Polizei traf sieben Minuten später am Tatort ein, und die Aufnahme der Body-Cam startete. Nach Veröffentlichung dieses Videos während der Verhandlung und nach der Freigabe kurz darauf an die Öffentlichkeit löste es große Wut in den sozialen Medien und öffentlichen Aufruhr aus.

Im Video ist zu sehen, wie Nowak am Boden liegt und sich vor Schmerzen krümmt. Er ruft den Polizisten zu, auf ihn sei eingestochen worden, und sagt, nicht atmen zu können („I can’t breathe“). Die Polizisten glauben ihm nicht und bezichtigen ihn fälschlicherweise der rassistischen Beleidigung. Sie legen Nowak zunächst Handschellen an und erklären ihn für festgenommen; erst eine Minute später, als er nicht mehr reagiert, erkennen sie ihren Fehler und beginnen mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Nowak stirbt kurze Zeit später.

Das Verhalten der Polizei wurde dem vorgelegt, einer Polizei-unabhängigen Stelle zur Verfolgung von polizeilichem Fehlverhalten. Der Fall löste in ganz Großbritannien Empörung aus und führte zu Debatten über das Waffenrecht, die Polizeiarbeit, Rassismusvorwürfe, öffentliche Sicherheit und das Vertrauen in die Polizei.

Mord mini|Videoüberwachung von Nowak beim Betreten und Verlassen des Hobbit Pub in Bevois Valley

Henry Nowak war ein 18-jähriger britisch-polnischer Student im ersten Studienjahr im Fach Rechnungswesen und Finanzen an der University of Southampton. Er wuchs in Chafford Hundred in Essex auf. Seine Familie beschrieb ihn als freundlichen, intelligenten und talentierten Sohn und Bruder, der sein Studium und das Universitätsleben aktiv angenommen habe.

Am Abend des 3. Dezember 2025 war Nowak mit Mitspielern seiner Fußballmannschaft unterwegs und ging gegen 23:30 Uhr allein im Bereich der Belmont Road in Southampton nach Hause. Er hatte zuvor im Hobbit Pub getrunken, war jedoch nicht betrunken; seine Blutalkoholkonzentration lag unterhalb der im Straßenverkehr geltenden Grenze.

Die Begegnung zwischen Nowak und Digwa auf der Belmont Road war eine zufällige Begegnung. Digwa trug ein Messer in einer Scheide sowie einen zweiten, größeren Dolch, den der Richter später mit Digwas Zugehörigkeit zum Nihang-Orden der Sikhs in Verbindung brachte. Nowak bemerkte offenbar die größere Klinge und begann, Digwa mit seinem Telefon zu filmen. Dabei fragte er Digwa, ob dieser ein „bad man“ sei; Digwa nahm ihm daraufhin das Telefon weg. Ein von Nowaks Telefon wiederhergestelltes Video zeigte eine kurze verbale Auseinandersetzung zwischen beiden.

Die genauen folgenden Sekunden wurden nur von Nowak und Digwa selbst wahrgenommen; das Gericht stellte jedoch fest, dass Digwa Nowak absichtlich erstach. Nowak erlitt vier Stichwunden, darunter eine tödliche Verletzung der Brust. Weitere Berichte beschrieben die Verletzungen als mehrere Stich- oder Schnittverletzungen, unter anderem an der Brust und an den Beinen.

Nachbarn riefen die Polizei, nachdem sie Nowaks Rufe gehört hatten, dass er verletzt sei und sterbe. Nowak versuchte zu fliehen, indem er auf eine Mülltonne und anschließend über einen Zaun kletterte. Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits schwere Verletzungen erlitten; eine Blutspur zeigte, dass er bereits niedergestochen worden war. Digwa rief seine Eltern an, die noch vor der Polizei eintrafen. Seine Mutter Kiran Kaur nahm das Messer an sich und versteckte es in ihrem Haus. Digwa filmte Nowak nach dem Angriff und machte ein weiteres Video, als dieser im Sterben lag; beide Umstände wurden bei der Verurteilung als erschwerende Faktoren gewertet.

Digwas Bruder rief gegen 23:30 Uhr den Notruf an und behauptete, Digwa sei „rassistisch“ angegriffen worden. Die Polizei traf sieben Minuten später ein. Als Polizeibeamte der Hampshire Police eintrafen, sprachen sie zunächst mit Digwa und anderen Anwesenden, während Nowak mit Stichverletzungen am Boden lag. Die Bodycam-Aufnahmen zeigten, dass Nowak den Beamten wiederholt sagte, er sei niedergestochen worden und könne nicht atmen.

Neunmal flehte Nowak, „I've been stabbed“ (Ich bin niedergestochen worden), worauf einer der männlichen Einsatzbeamten antwortete: „Don't think you have, mate“ (Glaub ich nicht, Freundchen). Die Beamten drehten Nowak auf die Seite, legten ihm die Hände hinter dem Rücken in Handschellen und sagten ihm, er sei festgenommen. Nach Angaben des Richters war Nowak etwa eine Minute lang in Handschellen, bevor die Beamten erkannten, dass er schwer verletzt war. Während der Aufnahme verlor Nowak das Bewusstsein; die Beamten alarmierten daraufhin einen Rettungswagen und begannen mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Nowak starb um 0:37 Uhr am Tatort.

Digwa sagte den Beamten, Nowak sei betrunken gewesen, habe ihn geschlagen, eine rassistische Beleidigung benutzt und ihm den Turban heruntergerissen. Daraufhin zogen die Beamten Nowak über den Boden und legten ihm Handschellen an. Bei der Strafzumessung erklärte der Richter, Nowaks Verletzungen seien so schwer gewesen, dass er auch bei schnellerer Hilfe nicht überlebt hätte.

Die Polizei erlaubte Digwa, seinen Bruder zu treffen. Digwa wurden keine Handschellen angelegt. In einem verdeckt aufgezeichneten Gespräch auf Panjabi riet Digwas Bruder ihm, sich auf Notwehr zu berufen. Digwa sagte, er könne sich nicht auf Notwehr berufen, wenn es Überwachungskameras auf der Straße gebe.

Prozess Am 22. Mai 2026 plädierte Digwa vor dem Southampton Crown Court auf nicht schuldig in Bezug auf Mord, Totschlag und das Tragen eines Messers in der Öffentlichkeit. Richter William Mousley wies die Geschworenen an, Totschlag als Alternative zum Mord in Betracht zu ziehen, und erklärte, dass eine Person nicht des Mordes schuldig sei, wenn sie die tödliche Verletzung nicht absichtlich verursacht oder nicht die Absicht gehabt habe, zu töten oder schwere Verletzungen zuzufügen. Kaur wurde wegen Unterstützung eines Täters durch Entfernen der Tatwaffe angeklagt; sie plädierte auf nicht schuldig.

Die Anklage erklärte den Geschworenen, Nowaks Blutalkoholkonzentration habe unterhalb der im Straßenverkehr geltenden Grenze gelegen und Nowak habe vor dem Messerangriff ein Snapchat-Video aufgenommen, auf dem Digwa zu sehen war, wie er sich von ihm entfernte. Die Aufnahme wurde den Geschworenen vorgeführt. Staatsanwalt Nicholas Lobbenberg sagte, Digwa habe Nowak nach dem Messerangriff „aggressiv verfolgt“, räumte aber ein, dass „die Tötung von niemandem außer Henry und Vickrum Digwa gesehen wurde“.

Vor Gericht erklärte Digwa auf die Frage, warum er der Polizei nicht gesagt habe, dass er Nowak niedergestochen habe, er habe Angst gehabt, weil es das „erste Mal“ gewesen sei, „dass so etwas passiert“ sei. Er behauptete, Nowak habe ihn zuvor mit rassistischen Äußerungen bedroht und dann begonnen, ihn zu filmen. Nach seiner Darstellung habe er nach Provokationen nach dem Telefon gegriffen, woraufhin ein Kampf ausgebrochen sei, in dessen Verlauf Nowak gesagt habe: „I'm going to kill you.“ (Ich werde dich töten.) Digwa erklärte, er habe in Notwehr gehandelt. Weiter sagte er aus, seine Mutter und sein Vater seien am Tatort eingetroffen und hätten das Messer mit nach Hause genommen. Die Verteidiger erklärten den Geschworenen, sie müssten prüfen, ob Digwa „in der Hitze des Augenblicks“ gehandelt habe.

Digwa trug zum Zeitpunkt der Tat zwei Messer: ein kleines, als Kirpan bekanntes Messer unter seiner Kleidung sowie den größeren Dolch, mit dem er Nowak erstach. Gurnam Singh, Professor für Soziologie an der University of Warwick, sagte vor Gericht, die äußere Waffe sei als Zeichen der Zugehörigkeit zum Nihang-Orden getragen worden; es gebe jedoch „keinen guten Grund“, die größere Klinge zu tragen, da dies keine strikte religiöse Pflicht sei.

Am 27. Mai zog sich die Jury zur Beratung zurück. Am 28. Mai 2026 verwarf sie die Notwehrbehauptung und sprach Digwa des Mordes schuldig; Kaur wurde der Unterstützung eines Täters schuldig gesprochen. Digwa wurde am 1. Juni verurteilt; die Strafzumessung für Kaur sollte am 17. Juli erfolgen.

Bei der Strafzumessung am 1. Juni sagte der Richter, Digwas Behauptung, Nowak sei in ihn hineingerempelt, sei eine Lüge gewesen; Nowak habe ihn jedoch „frech“ einen „bad man“ genannt. Der Richter sagte, er sei sicher, dass Nowak nichts Rassistisches gesagt habe und dass Digwa keine Verletzungen erlitten habe. Digwa habe eine „überzeugende, aber vollständig falsche Darstellung des Vorfalls“ gegeben. Der Richter wies Digwas Behauptungen zurück, Nowak habe ihn rassistisch beleidigt und er habe in Notwehr gehandelt. Er sagte, Digwas Handeln habe Schande über seine Familie und seine Religion gebracht und rassistische Spannungen in Southampton und im ganzen Land angefacht. Digwa wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit einer Mindesthaftdauer von 21 Jahren verurteilt. Er wurde außerdem wegen des Tragens eines Messers in der Öffentlichkeit verurteilt.

Die Generalstaatsanwaltschaft erhielt in der Woche nach dem Urteil mehrere Anträge, das Urteil aufgrund der Regelung gegen unangemessen milde Strafensiehe auch: Wikipedia: Criminal Justice Act 1988 → Unduly lenient sentences () überprüfen zu lassen und an ein Berufungsgericht zu verweisen.

Weitere Anklagen Digwa, sein Vater und sein Bruder wurden anschließend wegen weiterer Waffenverstöße angeklagt.

Reaktionen Nowaks Familie Nowaks Familie bezeichnete seine Behandlung durch die Polizei als „inhuman und erniedrigend“ und äußerte trotz der „schockierenden Handlungen“ der Polizei ihren „aufrichtigen Dank“ gegenüber dem Mordermittlungsteam. Nowaks Vater Mark Nowak sagte nach der Strafzumessung, der Gegensatz zwischen der Behandlung seines Sohnes und der Behandlung Digwas sei „unerträglich“ gewesen. Er sagte außerdem, Henry sei nicht in Würde gestorben.

Nowaks Vater sagte, er mache allein Digwa für den Mord verantwortlich. Zudem erklärte er, er wolle nicht, dass Henrys Tod genutzt werde, um weitere Spaltung, Hass oder Spannungen zu erzeugen, und zitierte Staatsanwalt Lobbenberg mit den Worten: „Hier geht es nicht um Rassismus. Hier geht es um Mord.“ Die Familie verurteilte später auch die Ausschreitungen in Southampton und erklärte über die Polizei- und Kriminalitätsbeauftragte Donna Jones, sie unterstütze keine Proteste oder Unruhen.

Polizei und Aufsichtsbehörden Der kommissarische stellvertretende Chief Constable Robert France von der Hampshire Constabulary sagte: „Die vor Gericht gehörten Fakten sollten keinen Zweifel daran lassen, wer in jener Nacht gegenüber den Beamten gelogen hat und warum wir nicht sofort verstanden haben, was passiert war.“ Hampshire and Isle of Wight Constabulary entschuldigte sich nach der Veröffentlichung der Bodycam-Aufnahmen. France erklärte, die Beamten seien im Notruf belogen worden und hätten sich an einem „extrem komplexen“ Tatort befunden. Chief Constable Alexis Boon sagte der BBC, ihn hätten die Aufnahmen erschüttert, und entschuldigte sich dafür, dass Nowaks Familie sie habe sehen müssen. Boon bestätigte, dass ein in den Aufnahmen zu sehender Beamter die Polizei aus einem nicht mit dem Fall zusammenhängenden Grund verlassen habe und drei weitere Beamte nicht mehr im Streifendienst eingesetzt würden.