Als Wechselkurssystem (auch Wechselkursregime) bezeichnet man die Art und Weise, wie sich ein Wechselkurs, also die Tauschrelation zwischen zwei Währungen, bildet. Es lassen sich zwei Grundformen unterscheiden: Bildet sich ein Wechselkurs frei durch das Angebots- und Nachfrageverhalten auf dem Devisenmarkt, liegt ein flexibler Wechselkurs vor.

Ein System fester Wechselkurse wird dagegen durch staatliche Vereinbarungen geschaffen und muss durch Interventionen abgesichert werden. Daneben existieren zahlreiche Zwischen- und Sonderformen. Die Wahl des Wechselkurssystems eines Landes wird durch politische Ziele und vorhandene internationale Verflechtungen beeinflusst. Das Wechselkurssystem ist Teil der Währungsordnung eines Landes.

Flexible Wechselkurse Eigenschaften mini|Devisenmarktgleichgewicht im System flexibler WechselkurseRolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 135.

Flexible (freie) Wechselkurse (wie beim „Floating“) entsprechen dem Prinzip einer marktwirtschaftlichen Preisbildung auf dem Devisenmarkt. Die Kursbildung erfolgt ausschließlich durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage, d. h. grundsätzlich ohne staatliche Eingriffe. Der Marktmechanismus auf dem Devisenmarkt, der sogenannte Wechselkursmechanismus, sorgt in der Theorie dafür, dass die Angebots- und Nachfragemengen zum Gleichgewichtskurs übereinstimmen (Devisenmarktgleichgewicht).Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 134.

Für die Entstehung eines Gleichgewichtes auf dem Devisenmarkt muss die Bedingung der Zinsparität erfüllt sein. Diese Hypothese besagt, dass die Effektivrendite von in- und ausländischen Kapitalanlagen gleich sein muss. Sie impliziert, dass Zinsunterschiede zwischen in- und ausländischen Kapitalanlagen allein auf erwarteten Wechselkursänderungen beruhen. D. h. beim Gleichgewichtskurs gleichen sich die erwarteten kurzfristigen Renditen an.Oliver Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8273-7209-7, S. 845.

Verschieben sich Devisenangebot und/oder Devisennachfrage der verschiedenen Währungen im Zeitablauf, führt dies zu einer Veränderung der gleichgewichtigen Wechselkurse. Diese Schwankungen werden als „floating“ bezeichnet. Wird der Wechselkurs seitens der Zentralbanken beeinflusst, um kurzfristige Schwankungen zu glätten und für geordnete Marktverhältnisse zu sorgen, spricht man von „managed floating“. Zielen die Interventionen auf die Manipulation des Wechselkurstrends ab, bezeichnet man dies als „dirty floating“.Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 141/182.

Damit eine Anpassung des Devisenmarktgleichgewichtes nach Störungen erfolgen kann, beispielsweise aufgrund steigender Importe, müssen die Bedingungen der vollständigen Konkurrenz erfüllt sein. Der Devisenmarkt kommt diesem Idealmodell sehr nahe, da regelmäßig viele Anbieter und Nachfrager auf dem Markt tätig sind, die Markttransparenz sehr hoch ist sowie die sachlichen, persönlichen oder räumlichen Differenzierungen kaum Bedeutung haben.W. Albers: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW). Band 8, Gustav Fischer, Stuttgart 1988, ISBN 3-525-10257-7, S. 578.

Devisenangebot und -nachfrage stammen einerseits von Außenhändlern, die Export- und Importgeschäfte in fremder oder eigener Währung abwickeln. Zum anderen entstehen sie durch Zinsarbitrageure, die ihre Finanztransaktionen von Zinsdifferenzen und Wechselkurserwartungen abhängig machen.Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 135.

Auf die Festsetzung eines durch währungspolitische Vereinbarungen vorgegebenen Leitkurses wird in einem System flexibler Wechselkurse verzichtet.

Beispiele für Länder mit völlig flexiblen Wechselkursen sind die USA, das Vereinigte Königreich, Norwegen sowie Schweden.

Vor- und Nachteile Der Hauptvorteil eines Systems flexibler Wechselkurse besteht darin, dass die eigenständige Geldpolitik des Landes erhalten bleibt. Es bestehen somit bessere Möglichkeiten, auf Schocks zu reagieren.Oliver Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8273-7209-7, S. 621. Durch den Wegfall der Interventionsverpflichtungen können die Zentralbanken die volle Kontrolle über die Geldmengenentwicklung im Inland erlangen.Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 155. Da eine Anpassung der Wechselkurse trotzdem möglich ist, wenn die nationale Inflationsrate, Produktivität oder Wirtschaftsentwicklung von der Entwicklung im Ausland abweicht, stützen flexible Wechselkurse die stetige Anpassung der Wirtschaft.

Durch die Abwertung einer Währung werden die Exporte des betroffenen Landes erleichtert, da sie sich für das Ausland verbilligen. Dadurch wird die Wirtschaftskraft dieses Landes wieder angekurbelt, während das Ausland dessen Währung wieder verstärkt nachfragt, um seine Exporte kaufen zu können. Damit erhöht sich der Währungswert des betroffenen Landes wieder, womit seine Exporte wieder erschwert werden, die Importe dagegen erleichtert. Der Mechanismus der freien Wechselkurse hat also eine ausgleichende Wirkung auf die unausgeglichenen Zahlungsbilanzen zwischen Staaten (Wechselkursmechanismus).

Andererseits unterliegen freie Wechselkurse im Zeitablauf starken Schwankungen. Diese hohe Volatilität kann durch die Geldpolitik unter Umständen nur schwer zu kontrollieren sein.Oliver Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8273-7209-7, S. 620–621. Nachteile eines Systems flexibler Wechselkurse sind also vor allem die Instabilität und die damit einhergehende Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit.Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 155.

Fixe Wechselkurse

mini|250px|Staaten mit Währungen, die an den Euro oder den US-Dollar gebunden sind:

Eigenschaften In Systemen fixer (fester) Wechselkurse vereinbaren die beteiligten Länder einen festen Leitkurs, die sogenannte Parität, und versuchen diesen durch Interventionen konstant zu halten. Der Wechselkurs kann dabei von der Zentralbank an eine andere Währung oder aber an einen Währungskorb gebunden werden. Die Wechselkurse von Ländern mit einem System fixer Wechselkurse sind jedoch nicht grundsätzlich unveränderlich. Spricht man von festen Wechselkursen sind meist Bandbreitensysteme gemeint, bei denen die Wechselkurse innerhalb bestimmter Bandbreiten (z. B. ±1 %) von den zentralen Paritäten abweichen können.Oliver Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8273-7209-7, S. 591.

Droht der Wechselkurs jedoch aus der Bandbreite auszubrechen, müssen die beteiligten Zentralbanken im Rahmen von Devisenmarktinterventionen eingreifen und selbst als Anbieter bzw. Nachfrager agieren. Die entsprechenden Höchstkurse und Niedrigstkurse am Ende der Bandbreite werden als obere und untere Interventionspunkte bezeichnet.Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 142. Wechselkursänderungen über die Bandbreiten hinaus können nur durch Paritätsänderungen, sogenannte Realignments, bewirkt werden.

Auch im System fester Wechselkurse müssen Wechselkurs und nominaler Zinssatz die Bedingung der Zinsparität erfüllen. Wenn Kapitalanleger erwarten, dass der Wechselkurs zukünftig unverändert bleibt, fordern sie in beiden beteiligten Ländern den gleichen Zinssatz. D. h. unter festen Wechselkursen und perfekter Kapitalmobilität muss der inländische Zinssatz dem ausländischen entsprechen.Oliver Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8273-7209-7, S. 592.

Beispiele für Festkurssysteme sind der Goldstandard, das Bretton-Woods-System sowie das Europäische Währungssystem. Ein Extremfall der festen Wechselkursbindung ist die Währungsunion.Hans-Joachim Jarchow: Theorie und Politik des Geldes. 11. Auflage. Göttingen 2003, ISBN 3-8252-2453-8, S. 446 ff.

Vor- und Nachteile Die Vorteile eines Festkurssystems sind die Kursstabilität und die daraus folgende sichere Kalkulierbarkeit und Vorhersehbarkeit der Wechselkurse.Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 154. Positiv sind auch die niedrigen Transaktionskosten zu bewerten. Da die Zentralbank ihre Politik ausschließlich auf die Wahrung eines Wechselkursverhältnisses ausrichtet, wird die Glaubwürdigkeit dieses Wechselkurssystems erhöht.

Entscheidender Nachteil fester Wechselkurse ist der Verzicht auf die autonome Geldpolitik des Landes. Die Zentralbank gibt damit ein sehr wirksames Instrument auf, um Handelsungleichgewichte zu korrigieren und die Konjunktur zu beeinflussen. Die Fiskalpolitik allein reicht nicht aus. Zu berücksichtigen ist, dass Abwertungserwartungen tatsächlich Abwertungen bewirken können.Oliver Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8273-7209-7, S. 592–621. Durch die Devisenmarktinterventionen der Zentralbanken werden die Wechselkurse in einem Festkurssystem letztlich immer politisch beeinflusst und somit verzerrt. Ein zu langes Festhalten an unangemessenen Paritäten macht das Wechselkursregime jedoch anfällig für Spekulationen. Problematisch bei fixen Wechselkursen ist ebenso die Einschränkung der Handlungsfreiheit der Wirtschaftspolitik. Dies kann sich in Form von importierter Inflation oder internationaler Illiquidität des Landes auswirken.Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 154–155.

Klassifikation von Wechselkurssystemen mini|Bandbreitensystem, mcl.fh-osnabrueck.de, doc-Datei. mini|Crawling Peg mini|Adjustable Peg

In der Praxis existieren innerhalb des durch fixe und flexible Wechselkurse abgesteckten Spektrums in abgestufter Form eine Reihe weiterer Wechselkursarrangements:Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25924-5, S. 142–143.

Wechselkursregelung ohne eigenes gesetzliches Zahlungsmittel: mehrere Länder einigen sich, das gleiche gesetzliche Zahlungsmittel zu verwenden (Währungsunion) oder ein Land wählt die Währung eines anderen Landes als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel (sogenannte Dollarisierung) Wechselkursregelung in Form eines Currency Board (Währungsamt): ein Land verpflichtet sich, die Inlandswährung zu einem festen Wechselkurs gegen eine bestimmte ausländische Währung umzutauschen, wobei die Beschränkung der Geldpolitik per Gesetz oder Verfassung festgelegt wird und somit eine Veränderung des Wechselkurses ausgeschlossen ist Feste Wechselkurse mit Bindung an eine Einzelwährung oder einen Währungskorb: die Währung wird formell oder de facto mit einer festen Parität an eine große Währung oder einen Währungskorb gebunden; der Wechselkurs kann dabei innerhalb einer Bandbreite (zum Beispiel 1 %) um den Leitkurs schwanken Stufenweise Kursanpassungen bzw. Bandbreitenanpassungen Crawling Peg: der Wechselkurs wird regelmäßig in kleinen Schritten mit einem festen, vorher durch die Zentralbank angekündigten Prozentsatz angepasst Adjustable Peg: der Wechselkurs wird innerhalb einer bestimmten Bandbreite gehalten, die mit der Parität nach oben oder unten verschoben werden kann Kontrolliertes Floating (Managed Floating): relativ flexible Wechselkurse, bei denen sich die Währungsbehörde jedoch vorbehält, die Wechselkursentwicklung durch freiwillige Interventionen am Devisenmarkt zu beeinflussen unabhängiges Floating (frei flexible Wechselkurse): die Wechselkursbildung wird generell den Marktkräften überlassen, Devisenmarktinterventionen erfolgen höchstens, um kurzfristige Schwankungen zu glätten bzw. übermäßige Kursschwankungen zu vermeiden

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