Die Kirche St. Martin ist eine römisch-katholische Filialkirche in Bittenfeld, einem Stadtteil der Großen Kreisstadt Waiblingen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die auffällige Zeltkirche entstand in den Jahren 1961 bis 1964 nach Plänen des Architekten Hans Georg Reuter (Stuttgart). Die Kirche ist dem Patrozinium des hl. Martin von Tours anvertraut.

Geschichte Durch die Reformation unter Herzog Ulrich war Bittenfeld wie ganz Altwürttemberg 1535 evangelisch geworden; Altgläubige waren seitdem eine kleine Minderheit. Mitte des 19. Jahrhunderts (1850) bekannte sich bei einer Gesamtzahl von 1227 Einwohnern nur ein Bürger zum Katholizismus.Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Waiblingen. Verlag J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen, S. 121. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Zahl der Katholiken durch Flucht und Vertreibung von Millionen Menschen aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs stark zu. 1947 wurde in dem evangelischen Kindergarten von Bittenfeld eine katholische Notkirche eingerichtet. Um 1950 lebten bereits 300 Katholiken in Bittenfeld. 1955 stellte die evangelische Kirchengemeinde die Dorfkirche St. Ulrich für katholische Messen zur Verfügung. 1958 erwarb die Diözese Rottenburg ein Baugrundstück in einem Neubaugebiet am südlichen Ortsrand. 1959 wurde ein Kirchenbauverein gegründet. 1961 erfolgte der erste Spatenstich. Als Architekt konnte Hans Georg Reuter aus Stuttgart gewonnen werden. Im Juni 1962 fand die Grundsteinlegung statt.

Am 10. Mai 1964 konnte die neue Kirche durch Bischof Carl Joseph Leiprecht geweiht werden.

Architektur und Ausstattung Der Grundriss der Kirche gleicht einer nach Nordosten gerichteten Bogenspitze, die im Südwesten durch vier Ecken zusammengehalten wird. Sie bietet Sitzplätze für etwa 250 Kirchgänger. Die Sitzbänke gruppieren sich halbkreisförmig um den Altar. Damit entspricht die Kirche den liturgischen Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, deren Ziel es war, die Gemeinde mehr in den Gottesdienst einzubeziehen.

Über dem zeltförmigen Dach erhebt sich ein 11 Meter hoher Glockenturm, der einem Obelisken gleicht. Im Südwesten des Grundstücks befindet sich ein langgestrecktes Gebäude mit einem Kindergarten und Funktionsräumen.

Sechs Buntglasfenster mit biblischen Motiven wurden von Sepp Vees (1908–1989) aus Weissach-Flacht entworfen.

Die Orgel wurde von der Firma Gebr. Späth Orgelbau aus Mengen-Ennetach gebaut und 1969 eingeweiht. Im Jahr 2026 wurde dieses Instrument ersetzt durch eine Orgel der Manufaktur Pels & van Leeuwen aus dem Jahr 1965, die ursprünglich für die Reformierte Kirche „De Goede Herder“ in Alphen aan den Rijn (Niederlande) erbaut wurde. Am 12. September wird sie in einem Festgottesdienst mit Weihbischof Gerhard Schneider eingeweiht. Sie hat einen Umfang von 12 Registern auf zwei Manualen und Pedal.Amt für Kirchenmusikder Diözese Rottenburg-Stuttgart: Orgelweihe in Bittenfeld am 12.9. I Hauptwerk C-g³ Prestant 8′ Hohlpfeife 8′ Octav 4′ Octav 2′ Mixtur 5fach II Brustwerk C-g³ Rohrflöte 8′ Koppelflöte 4′ Quint ′ Octav 2′ Sesquialter 2fach Pedal C–f1 Subbass 16′ Gemshorn 8′ Koppeln: II/I, II/P, I/P

Im Glockenturm hängen zwei Kirchenglocken, die 1964 von der Glockengießerei Schilling (Heidelberg) gegossen wurden. Die Glocken wurden im November 1964 installiert und tragen die Namen St. Martin und St. Michael.

Literatur 25 Jahre Katholische Kirche St. Martin Bittenfeld 1964–1989.

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Einzelnachweise

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