mini|Briefmarke Armeniens zum 100. Geburtstag Hambardsumjans 2022 mini|Sergej Hambardsumjan 2008 mit dem damaligen armenischen Präsidenten Sersch Sargsjan mini|Aufbahrung Hambardsumjans in der Staatlichen Universität Jerewan am 7. August 2018. Der armenische Präsident Nikol Wowaji Paschinjan kondoliert. Foto: Ralph Hinterkeuser - www.architekturfoto.de - keine Weiterverwendung ohne Urhebernennung!

Sergej Aleksandri Hambardsumjan (, ; mitunter auch Ambartsumian oder Ambartsumyan; * 17. März 1922 in Gjumri; † 4. August 2018 in Jerewan) war ein armenischer Wissenschaftler auf dem Gebiet der Mechanik, ein Universitäts-Rektor und in der Zeit der Sowjetunion ein Mitglied von deren Parlament, dem Obersten Sowjet. Auf seinem Fachgebiet der Festigkeitslehre im weitesten Sinne und der Plattentheorie im engeren Sinne war er eine international anerkannte Kapazität. Seine Erkenntnisse über das unterschiedliche Verhalten von Stoffen bei Stauchung und Dehnung finden zum Beispiel Anwendung bei der Berechnung von Betonkonstruktionen. Hambardsumjan verfasste 14 Monografien und 300 wissenschaftliche Artikel.Artikel auf russia-armenia.info zum 100. Geburtstag von Sergej Ambarzumjan, 2022

Leben Sergej Hambardsumjan schloss 1938 die Schule in der armenischen Hauptstadt Jerewan ab und studierte danach Strukturmechanik an der Nationalen Polytechnischen Universität Armeniens und promovierte dort im Jahr 1946. 1952 erlangte er nach Studium in Moskau den Doktorgrad der technischen Wissenschaften, vergleichbar mit der deutschen Habilitation.

Karriere 1953: Professortitel 1956: Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Armenischen Sowjetrepublik 1959 bis 1970: Direktor des Instituts für Mathematik und Mechanik der Armenischen Akademie der Wissenschaften 1965: Mitglied der Akademie der Wissenschaften Armeniens 1970–1977: Direktor des Instituts für Mechanik der Armenischen Sowjetrepublik 1970–1992: Stellvertreter des Vorsitzenden des Komitees für den Staatspreis Armeniens 1971–2011: Mitglied des Präsidiums der Akademie der Wissenschaften Armeniens 1971–1974: Sekretär der armenischen Akademie der Wissenschaften für technische Physik und Mathematik 1975–1980: Abgeordneter des Obersten Sowjets der Armenischen Sowjetrepublik 1977–1991: Rektor der Staatlichen Universität Jerewan 1979–1984: Abgeordneter des Obersten Sowjets der UdSSR

Sergej Hambardsumjan blieb auch nach dem Ende der Sowjetunion ein anerkannter Wissenschaftler und erhielt nach dem Jahr 2000 hohe armenische und russische Ehrungen, zum Beispiel 2007 den staatlichen russischen Orden der Freundschaft und 2012 den Staatsorden der Republik Armenien. Er ist Ehrenbürger seiner Heimatstadt Gjumri und der armenischen Hauptstadt Jerewan (2012) sowie der französischen Stadt Montpellier (1986).

Konflikt um Bergkarabach

Als 1988, in der Endphase der Sowjetunion, der Bergkarabach-Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan aufflammte, unterstützte Sergej Hambardsumjan in seiner Rolle als Parlamentsabgeordneter die armenische Seite und versuchte, bei Parteichef Gorbatschow die Wogen zu Glätten. Die Zeitschrift Der Spiegel berichtete im Juli 1988 über die Reaktion Gorbatschows: Den Rektor der Universität Eriwan, Sergej Ambarzumjan, fuhr er an, wie der sich denn anmaßen könne, im Namen des armenischen Volkes zu sprechen. Als der Rektor einen Kompromiß forderte, der Berg-Karabach aus aserbaidschanischer Herrschaft herauslöse, erwiderte Gorbatschow, so einen Kompromiß könne keiner brauchen.Der Spiegel 30/1988

2018, 30 Jahre später und bereits in seinem Sterbejahr, verfasste Hambardsumjan eine Analyse des Geschehens in dem Buch Drei Jahre am Rande von Liebe und Tod (sinngemäß; russischer Originaltitel: Три года на пределе любви и смерти).

Werke (Auswahl) Расчет цилиндрических оболочек в криволинейной образующей (Berechnung von Zylinderschalen mit gekrümmter Mantellinie), Dissertation zum Kandidaten der technischen Wissenschaften, Jerewan, 1946 Eintrag in der Russischen Staatsbibliothek Анизотропные слоистые оболочки (Anisotrope laminare Schalen), Dissertation zum Doktor der technischen Wissenschaften, Jerewan, 1951Eintrag in der Russischen Staatsbibliothek Теория анизотропных оболочек (Theorie der anisotropen Schalen), 1961 Теория анизотропных пластин: Прочность, устойчивость и колебания (Theorie der anisotropen Platten: Festigkeit, Stabilität und Schwingungen), 1967, englische Ausgabe: Theory of anisotropic plates: strength, stability, and vibrations, 2. Aufl., 1991: ISBN 978-0-89116-654-2). Auch in Japanisch bei Morikita Publishing, Tokio, 1975 Разномодульная теория упругости (Multimodul-Theorie der Elastizität), 1982 Общая теория анизотропных оболочек (Allgemeine Theorie der anisotropen Schalen), 1974 Микрополярная теория оболочек и пластин (Mikropolare Theorie der Schalen und Platten), 1999 Три года на пределе любви и смерти (Drei Jahre am Rande von Liebe und Tod), 2018, 220 S., online abrufbar auf der Seite der Pan-Armenischen Digitalen Bibliothek arar.sci.am: Три года на пределе любви и смерти, 4. Auflage, russisch.

Weblinks

Biografie zum 80. Geburtstag, 2002, auf der Seite der Akademie der Wissenschaften Armeniens sci.am. 3 S., russisch, PDF (nicht durchsuchbar). Abgerufen am 3. Juni 2026 https://shellbuckling.com/cv/ambartsumian.pdf

Einzelnachweise

Kategorie:Abgeordneter (Oberster Sowjet der Armenischen Sozialistischen Sowjetrepublik) Kategorie:Abgeordneter (Oberster Sowjet der UdSSR) Kategorie:Armenier Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1922 Kategorie:Gestorben 2018 Kategorie:Mann