Unraveling UNRWA ist ein deutsch-israelischer Dokumentarfilm von Duki Dror aus dem Jahr 2025 über die Geschichte, den Auftrag und die politische Rolle des Palästinenserhilfswerks UNRWA (englisch United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East, deutsch Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten). Der Film nimmt eine kritische Haltung zur UNRWA ein. Viele der Befragten und ehemalige Mitarbeiter fordern deren Auflösung.
Hintergrund
Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten ist ein ursprünglich temporäres Hilfsprogramm der Vereinten Nationen, das seit seiner Gründung 1949 im Gegensatz zu allen anderen jemals gegründeten UN-Flüchtlingswerken regelmäßig um drei Jahre verlängert wurde. Laut UNRWAs Definition gelten alle Menschen als Palästina-Flüchtlinge, die zwischen dem 1. Juni 1946 und 15. Mai 1948 ihren ständigen Wohnsitz in Palästina hatten. Auch sämtliche Nachkommen werden dazu gezählt, was bei keiner anderen Flüchtlingsruppe der Welt üblich ist. Die Mehrheit der 30.000 UNWRA-Beschäftigten in der Region sind Palästinenser. Das Hilfswerk wird von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen finanziert. Es wird international wegen angeblicher Verbindungen zur palästinensischen Terrororganisation Hamas kritisiert. Demgegenüber wies ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofs im Oktober 2025 den Vorwurf einer systematischen Unterwanderung durch die Hamas mangels ausreichender Beweise zurück.
Der israelische Regisseur und Produzent Duki Dror erstellte mit Supernova:The Music Festival Massacre (2024), Hurt People, Hurt People — October 7 and it’s Aftermath (2024) und Hostages — Negotiating with Terror (2024) bereits mehrere Dokumentarfilme, die sich mit den Ereignissen und Folgen des Terroranschlags durch die Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 befassen, die auch in Unraveling UNRWA thematisiert werden.
Inhalt Der Film untersucht die Rolle der UNRWA, die seit ihrer Gründung im Jahr 1949 Mittel in Milliardenhöhe aus Deutschland und Europa erhalten hat. Die UNRWA sei in den palästinensischen Gebieten zum Symbol für das in UN-Resolution 194 erwähnte „Recht auf Rückkehr“ der geflüchteten Palästinenser in das Gebiet des heutigen Israels geworden. Diese Rückkehr werde in UNRWA-Schulen als zentrales Ziel vermittelt. Die Zahl der zu betreuenden Flüchtlinge sei aber durch Vererbung des Flüchtlingsstatus an nachfolgende, nicht geflüchtete Generationen mittlerweile von rund 700.000 auf sechs Millionen angewachsen.
In dem Film bestätigen mehrere ehemalige leitende UNRWA-Mitarbeiter, das eigentlich nur kurzfristig geplante UNRWA-Mandat habe das Versprechen auf Rückkehr über Jahrzehnte perpetuiert. Das Aufrechterhalten des Flüchtlingsstatus sei eine problematische Geisteshaltung, sagt dazu der palästinensische Politikwissenschaftler und Friedensaktivist Mohammed Dajani Daoudi in dem Film: „Wer in ein Abhängigkeitsverhältnis hineinwächst, wird es nicht mehr los.“ Seiner Ansicht zufolge hatten die arabischen Staaten ein Interesse daran, die Frage der Palästinenser lebendig zu halten.
Zudem wird die Bildungsarbeit von UNRWA auch dafür kritisiert, dass in den UNRWA-Schulen Hass auf Israel geschürt worden sei. Palästinensisches Schulpersonal hätte eben auch Propaganda vermittelt. In einer im Film gezeigten Unterrichtsstunde werden „die Juden“ von einer Lehrerin als „der Wolf“ beschrieben, der den Palästinensern das Land weggenommen hätte. Thematisiert werden in dem Film auch Schulbücher, die die Geschichte der Region ahistorisch wiedergeben, so als hätten Juden dort nie gelebt, die die Tötung israelischer Soldaten glorifizieren und die Terroristin Dalal al-Mughrabi als „Heldin“ und „Märtyrerin“ bezeichnen. Unter ihrer Führung töteten palästinensische Terroristen der Fatah 1978 beim sogenannten Küstenstraßen-Anschlag 37 Zivilisten. Seit 2016 gibt die Palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland und im Gazastreifen die Schulbücher für die UNRWA-Schulen aus.
Der Film zeigt, wie Kindern das Hamascredo indoktriniert wird; die größte Ehre sei es, ein Märtyrer zu werden. Als Mittel dienen paramilitärischer Drill, Spielzeugwaffen und Schulbücher, die das Töten glorifizieren. Aufnahmen aus verschiedenen Jahrzehnten zeigen Kinder und Jugendliche bei paramilitärischen Ausbildungen der Fatah und der Hamas. Kinder schwören, dass sie „die Unterdrücker“ vertreiben und im Kampf gegen die israelische Armee ihr Blut vergießen werden. Sie sprechen im Chor Parolen wie „Wir werden niemals aufgeben“, „Jerusalem ist unser“, und „Wir tränken unsere Heimat mit unserem Blut“. Der heute als Friedens- und Menschenrechtsaktivist aktive Hamza Abu Howidy sagt im Interview, er habe aufgrund dieser Indoktrinierung als Kind davon geträumt, Terrorist zu werden.
Nahezu alle Terroristen, die 1972 am Terrorattentat auf die israelischen Sportler bei den Olympischen Spielen in München beteiligt waren, so erklärt die im Dokumentarfilm interviewte ehemalige israelische Friedens-Aktivistin und Knesset-Abgeordnete Einat Wilf, hatten UNRWA-Schulen besucht und waren in UNRWA-Flüchtlingslagern aufgewachsen.
Nach dem Terrorangriff der Hamas und anderer bewaffneter Gruppen auf Ortschaften und das Nova-Musikfestival in der Nähe des Gazastreifens am 7. Oktober 2023 wurde darüber hinaus bekannt, dass ein Dutzend der ungefähr 30.000 UNRWA-Mitarbeiter daran teilgenommen hatten. Eine Szene des Films zeigt, wie ein erschossener Israeli auf dem Asphalt liegt, ein UNRWA-Mitarbeiter im UN-Auto anhält und die Leiche nach Gaza verschleppt. Zahlreiche Geldgeber, darunter Israel, die USA, Großbritannien, Japan, Deutschland, Österreich und die Schweiz, stellten ihre Zusammenarbeit mit UNRWA in Gaza vorübergehend ein, was internationale Kritik auslöste.
Zu den im Film interviewten Personen gehören unter anderem der israelische Historiker Benny Morris, der aus Gaza geflohene Hamas-Kritiker Hamza Howidy und mehrere ehemalige Leiter von UNRWA. Scott Anderson, der nach dem Terroranschlag des 7. Oktober 2023 UNRWA-Leiter im Gazastreifen war, berichtet von den humanitären Problemen durch den Gaza-Krieg und den Verflechtungen zwischen der Organisation und der Hamas. Peter Hansen, von 1996 bis 2005 UNRWA-Generalkommissar, verteidigt die Organisation und spricht sich gegen ihre Auflösung aus. Die Mutter des beim Nova-Festival durch einen UNRWA-Mitarbeiter entführten und ermordeten Johnathan Samerano gibt der UN eine Mitschuld am Tod ihres Sohnes. Wilf fordert ebenfalls Aufklärung über die ihrer Meinung nach jede Koexistenz verhindernde Rolle von UNRWA.
Mehrere der im Film befragten Experten ziehen das Fazit, dass die UNRWA nicht reformierbar sei und aufgelöst werden müsse. Aus ihrer Sicht wäre die Gründung einer neuen Hilfsorganisation sinnvoller, um Frieden im Nahen Osten und eine verbesserte Lebenssituation für die Palästinenser zu ermöglichen. Rezeption Maria Ossowski urteilte in der Jüdischen Allgemeinen, der Film sei „sachlich und ausgewogen recherchiert“. Er benenne „die Verantwortungslosigkeiten arabischer Politiker im Umgang mit den Flüchtlingen und die politische Instrumentalisierung des Flüchtlingshilfswerks“. Er hätte „einen Sendeplatz in einem öffentlich-rechtlichen Programm verdient“.
Im christlichen Medienmagazin Pro lobte Daniel Frick, die Dokumentation mache „vieles richtig“, da sie unterschiedliche Perspektiven zur Geltung bringe. Dazu zählten laut Frick eine Palästinenserin, die „auf ihr ‚Rückkehrrecht‘ beharrt“, frühere UNRWA-Leiter, die das Hilfswerk teils verteidigten, teils kritisch sähen, sowie israelische Akteure und Experten.
In einem Ha’aretz-Interview mit dem Regisseur des Filmes, Duki Dror, sagte dieser über die UNRWA, ihre Existenz bedeute eine „Tragödie“ sowohl für die Israelis als auch für die Palästinenser, da es beiden Seiten ermögliche, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Außerdem profitierten sehr viele Menschen finanziell von der UNRWA. Die Journalistin Nirit Anderman urteilte im Rahmen dieses Interviews, dass der Film zwar scharfe Kritik an der UNRWA und an den Palästinensern übe, jedoch recht nachsichtig mit dem Staat Israel umgehe, der als Besatzungsmacht doch bestimme, „wie die Dinge laufen“. Der Film spreche den Staat Israel von Verantwortung frei, indem man lediglich sage, die Existenz der UNRWA sei ihm gelegen gekommen. Tatsächlich gehe ihrer Meinung nach Israels Verantwortung für die Aufrechterhaltung dieses Ausnahmezustands weit darüber hinaus.
Die israelische Jerusalem Post beschrieb den Dokumentarfilm als einen „ernüchternden Blick“ auf eine Organisation, die von vielen Regierungen fälschlicherweise als alternativloser Partner in Gaza angesehen werde. Einige der interviewten UNRWA-Offiziellen wirkten „naiv und frustrierend passiv“, der Film gebe ihnen aber die Möglichkeit, ihre Sicht darzustellen. Laut der Zeitung zeige der Film, dass es „überhaupt nicht überraschend“ sei, dass UNRWA-Mitarbeiter wie Lehrer und Sozialarbeiter Verbrechen wie Entführung und Mord begangen hätten.
Ausstrahlung
Der Film wurde im Dezember 2025 im israelischen Fernsehen ausgestrahlt. Die Veröffentlichung des Films im Onlineangebot der Bild im Juni 2026 wurde von einer medialen Auseinandersetzung begleitet: Die Bild-Zeitung warf ZDF und Arte vor, den Film zunächst beauftragt und dann nicht ausgestrahlt zu haben. Das ZDF wies in einer Stellungnahme die Darstellung der Bild zurück: Es habe zu keinem Zeitpunkt einen Produktionsauftrag gegeben. Ein Vorschlag der Produzenten zu dem Film sei im Rahmen üblicher redaktioneller Bewertungen abgelehnt worden, da das ZDF bereits zahlreiche andere Dokumentationen zu dem Themenbereich beauftragt habe.
Auszeichnungen 2025: Haifa Film Festival (Bester Dokumentarfilm) 2026: Paris Israeli Film Festival (Sieger) 2026: Toronto Jewish Film Festival (Bester Dokumentarfilm)
Weblinks
Website des Films Unraveling UNRWA via Stream auf Vimeo
Einzelnachweise
Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Filmtitel 2025 Kategorie:Antisemitismus im Film Kategorie:Nahostkonflikt im Film Kategorie:Terrorismus im Film Kategorie:Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 Kategorie:Palästinensisches Flüchtlingsproblem Kategorie:Flüchtlingspolitik (Vereinte Nationen) Kategorie:UN-Programm Kategorie:UN im Nahen Osten