Hannelore Schwann geb. Dobersch (* 23. Dezember 1940 in Breslau; † 1. Januar 1987 in Markkleeberg) war eine deutsche Ärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Medizinhistorikerin. Sie arbeitete am Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften der Karl-Marx-Universität Leipzig. Sie forschte zur Geschichte der Zahnheilkunde und der Ohrenheilkunde, zu Richard Koch und zur Zwangssterilisierung bei ererbter Taubheit im Nationalsozialismus.

Leben Schwann wurde als Tochter von Willi und Erna Dobersch geboren. 1971 heiratete sie Stanisław Schwann,Teresa Ostrowska: Schwann Stanisław Marian (1912–1982). In: Polski Słownik Biograficzny. Bd. 36, Warszawa/Kraków 1995–1996, S. 60–61. mit dem sie zwei Söhne hatte. Von 1979 bis 1987 war Schwann Oberärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Wissenschaftsbereich Geschichte der Medizin am Karl-Sudhoff-Institut. 1985 wurde sie mit einer Promotion B über die Formierung der Zahnheilkunde als wissenschaftlich-medizinische Disziplin in Deutschland im 19. Jahrhundert promoviert.Lothar Mertens: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X, S. 562.

Forschung Schwann gab historische zahnmedizinische Texte mit Nachwörtern heraus. Dazu gehörten Reprints des Artzney-Buchleins wider allerlei kranckeyten und gebrechen der tzeen von 1530, des Systematischen Handbuchs der Zahnheilkunde von Georg Carabelli und des Handbuchs der Zahnheilkunde von Franz Nessel. Ihre Schrift über Friedrich Louis Hesse erschien 1984 in der Reihe Sudhoffs Klassiker der Medizin.

1982 veröffentlichte Schwann eine Archivstudie über Richard Kochs Beziehungen zum Karl-Sudhoff-Institut.Daniela Boltres, Frank Töpfer, Urban Wiesing: Richard Koch im Nationalsozialismus und in der sowjetischen Emigration. In: Medizinhistorisches Journal. Bd. 41, H. 2, 2006, S. 157–186, hier S. 158 und 186. ()Dominik Groß, Werner Friedrich Kümmel: Karl Sudhoff (1853–1938) und der Nationalsozialismus. In: Sudhoffs Archiv. Band 100 (2016), Heft 1, S. 2–22, hier S. 20. ()

Mit Joachim Wilke veröffentlichte Schwann 1983 und 1984 Arbeiten zur Zwangssterilisierung bei ererbter Taubheit im Nationalsozialismus. Anja Werner griff 2021 ihren Befund auf, dass die Unfruchtbarmachung wegen ererbter Innenohrschwerhörigkeit oder Taubheit beim Erlass des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses zwar ideologisch und organisatorisch vorbereitet gewesen sei, die wissenschaftlichen Grundlagen aber trotz forcierter Forschung fehlten.Anja Werner: Otologie, Taubheit und das Erbe des Nationalsozialismus im geteilten Deutschland. In: Medizinhistorisches Journal. Band 56 (2021), Heft 3, 160–191, hier S. 164 und 190. ()

Schriften (Auswahl) Richard Kochs Beziehungen zum Karl-Sudhoff-Institut. Archivstudie anläßlich seines 100. Geburtstages. In: NTM. Schriftenreihe für Geschichte der Naturwissenschaften, Technik und Medizin. Band 19 (1982), S. 94–103. Die altägyptische Ohrenheilkunde aus medizinischer und otologischer Sicht. In: Altorientalische Forschungen. Band 10 (1983), S. 199–208. () Stanislaw Schwann (4. 7. 1912 – 2. 7. 1982). In: NTM. Schriftenreihe für Geschichte der Naturwissenschaften, Technik und Medizin. Band 20 (1983), Nr. 1, S. 85–88. mit Joachim Wilke: Zur Frage der Zwangssterilisierung bei ererbter Taubheit. In: Achim Thom, Horst Spaar (Hrsg.): Medizin im Faschismus. Symposium über das Schicksal der Medizin in der Zeit des Faschismus in Deutschland 1933–1945. Berlin 1983, S. 195–201. Friedrich Louis Hesse (1849–1906). Wegbereiter einer universitären und sozialen Zahnheilkunde. Ausgewählte Texte. Barth, Leipzig 1984. Der Beitrag der altägyptischen Medizin zur ärztlichen Ethik unter besonderer Berücksichtigung der Sterbebetreuung. In: Altorientalische Forschungen. Band 11 (1984), S. 3–9. () mit Joachim Wilke: „Erbliche Taubheit“ im Faschismus. In: Zeitschrift für die gesamte Hygiene und ihre Grenzgebiete. Band 30 (1984), Heft 4, S. 232–234. Die Formierung der Zahnheilkunde zur wissenschaftlich-medizinischen Disziplin in Deutschland im 19. Jahrhundert. Promotion B, Karl-Marx-Universität Leipzig, 1985.

Als Herausgeberin Peter Pfeffermann: Fassliche Darstellung der gesammten Zahnheilkunde nach dem neuesten Standpunkte. Nebst einer kurzgefassten gerichtlichen Zahnheilkunde und einer Beigabe: „Ueber Anwendung des Elektromagnetismus“ zu Heilzwecken. Reprint der Ausgabe Erlangen 1862. Leipzig/Heidelberg 1982, mit Nachwort von Hannelore Schwann. Artzney-Buchlein wider allerlei kranckeyten und gebrechen der tzeen, gezogen auss dem Galeno, Avicenna, Mesue, Cornelio Celso vnd andern mehr der Artzney Doctorn, seher nützlich zu lesen. Reprint der Ausgabe Leipzig 1530. Leipzig/Heidelberg 1984, mit Nachwort von Hannelore Schwann. Georg Carabelli von Lunkaszprie: Systematisches Handbuch der Zahnheilkunde. Reprint der Ausgabe Wien 1831–1842. Heidelberg 1984, mit Nachwort von Hannelore Schwann. Franz Nessel: Handbuch der Zahnheilkunde. Reprint der Ausgabe Prag 1840. Leipzig 1985, mit Nachwort von Hannelore Schwann.

Literatur Lothar Mertens: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X, S. 562.

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