mini|Stanisław Schwann Stanisław Marian Schwann (* 4. Juli 1912 in Czernowitz; † 2. Juli 1982 in Leipzig) war ein polnischer Medizinhistoriker, Hochschullehrer und Wirtschaftswissenschaftler. Von 1969 bis 1977 leitete er das Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften an der Karl-Marx-Universität Leipzig.
Leben Schwann studierte von 1929 bis 1936 an der Universität Czernowitz Rechtswissenschaft, politische Ökonomie, Geschichte und klassische Philologie. 1936 wurde er mit einer rumänischsprachigen Dissertation über internationale Verpflichtungen Polens zum Schutz nationaler Minderheiten zum Doktor der Rechte promoviert. Anschließend nahm er an der Universität Warschau ein Studium der Geschichte und Philologie auf, das er wegen des Beginns des Zweiten Weltkriegs abbrach.Teresa Ostrowska: Schwann Stanisław Marian. In: Polski Słownik Biograficzny. Band 36,1: Schroeder Franciszek – Seidel Stefan. Polska Akademia Nauk, Warszawa und Kraków 1995, , S. 60–61.
Nach dem Krieg arbeitete Schwann zunächst in Warschau und Posen. 1948 ging er an die Akademia Handlowa in Stettin, die 1950 in die Wyższa Szkoła Ekonomiczna umgewandelt wurde. Dort leitete er seit 1951 den Lehrstuhl für Finanzen, war von 1951 bis 1953 Dekan des Finanzwissenschaftlichen Fachbereichs und von 1953 bis 1955 Prorektor für Wissenschaft. Nach der Eingliederung der Hochschule in die Politechnika Szczecińska wurde er Prodekan, von 1964 bis 1966 Dekan des Fachbereichs für Ingenieurökonomie des Verkehrswesens. 1959 wurde sein Czernowitzer Doktorgrad an der Universität Posen nostrifiziert; im selben Jahr erhielt er den Titel eines Docenten.
Seit 1965 hielt Schwann als Gastprofessor Lehrveranstaltungen am Leipziger Karl-Sudhoff-Institut. 1967 übernahm er dort die Abteilung für Geschichte der Medizin, 1969 wurde er Direktor des Instituts. Er baute besonders die Geschichte der Arbeitsmedizin, die Geschichte der Sozialmedizin und die Beziehungen zwischen der Medizin in Osteuropa und der deutschen Medizin aus. 1976 wurde er ordentlicher Professor. Nach seiner Emeritierung 1977 lehrte er im Studienjahr 1981/82 noch an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Er war Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Geschichte der Medizin der DDR, Ehrenmitglied der Rumänischen Gesellschaft für Geschichte der Medizin und Mitglied der Societas Jablonoviana in Leipzig.
Schwann war ab 1971 mit der Ärztin und Medizinhistorikerin Hannelore Schwann geb. Dobersch (1940–1987) verheiratet. Er starb 1982 in Leipzig und wurde auf dem Südfriedhof beigesetzt.Lothar Mertens: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X, S. 562.
Arbeit Schwann veröffentlichte mehr als 100 Arbeiten in polnischer, deutscher, rumänischer und russischer Sprache. Seine medizinhistorischen Arbeiten behandelten unter anderem die Geschichte der Dermatologie in der Renaissance, die medizinische Ausbildung im Stettin des 17. und 18. Jahrhunderts, die Geschichte der Arbeitsmedizin und der Berufskrankheiten in Polen sowie die rumänische Medizingeschichte des 19. Jahrhunderts. Außerdem arbeitete er zur Geschichte des Verkehrs- und Finanzwesens sowie zu Texten von Karl Marx und Friedrich Engels.
Schriften (Auswahl) mit Rudolf Flak: Finanse przedsiębiorstw transportu wodno-śródlądowego. Państwowe Wydawnictwo Naukowe, Warszawa 1956. mit Lesław Swatler: Finanse przedsiębiorstw transportu drogowego. Band 1–2. Państwowe Wydawnictwo Naukowe, Warszawa 1956–1957. Die Neue Oder-Zeitung und Karl Marx als ihr Korrespondent. In: International Review of Social History, Band 4 (1959), Nr. 1, S. 59–90. () Janusz Abraham Gehema. (1648–1715) (= Szczecińskie Towarzystwo Naukowe. Wydzial Nauk Społecznych. Band 3). Wydawnictwo Poznańskie, Poznań 1959. Descriptio Paedagogii Stetinensis 1573 (= Szczecińskie Towarzystwo Naukowe. Wydzial Nauk Spolecznych. Band 10). PWN, Szczecin 1966. (Bearb. und Hrsg.): Gaspare Aselli: De lactibus sive lacteis venis. Reprint. Edition Leipzig, Leipzig 1968, . Die Anfänge der Arbeitsmedizin in Polen. In: NTM. Schriftenreihe für Geschichte der Naturwissenschaften, Technik und Medizin. Band 12 (1975), Nr. 1, , S. 71–76.
Literatur Bardo Diehl: Der Wandel der Historiographie von Medizin und Naturwissenschaften in ihrer gesellschaftlichen Bedingtheit. 75 Jahre Karl-Sudhoff-Institut, Leipzig. In: Sudhoffs Archiv. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte. Band 66 (1982), Heft 3, , S. 276–300. () Ingrid Kästner: Das Leipziger Karl-Sudhoff-Institut und das Fach Geschichte der Medizin in der DDR. In: Medizinhistorisches Journal. Band 49 (2014), Heft 1/2, , S. 118–158. () Teresa Ostrowska: Schwann Stanisław Marian. In: Polski Słownik Biograficzny. Band 36,1: Schroeder Franciszek – Seidel Stefan. Polska Akademia Nauk, Warszawa und Kraków 1995, , S. 60–61. A. Skrobacki: Prof. Stanisław Schwann (1912–1982) in memoriam. In: Archiwum Historii Medycyny. Band 47 (1984), Nr. 4, , S. 577–586, PMID 6397170. Achim Thom: Nachruf Stanislaw Schwann 4.7.1912 – 2.7.1982. In: NTM. Schriftenreihe für Geschichte der Naturwissenschaften, Technik und Medizin. Band 20 (1983), Nr. 1, , S. 85–88.
Weblinks
Schwann, Stanisław (1912-1982). In: Biblioteka Narodowa. National Library of Poland, abgerufen am 10. Juni 2026 (englisch). Teresa Ostrowska: Stanisław Marian Schwann. In: iPSB. Internetowy Polski Słownik Biograficzny. Filmoteka Narodowa – Instytut Audiowizualny, abgerufen am 10. Juni 2026 (polnisch).
Einzelnachweise
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