Erwin Schweigger (auch Erwin Hirsch; * 1888 in Thorn; † 29. Juli 1965 in Mainz) war ein deutsch-peruanischer Geologe und Ozeanograf. Er wird als Vater der peruanischen Ozeanographie () bezeichnet. Er gründete 1959 das erste ozeanografische Institut Perus, möglicherweise sogar das erste Südamerikas. Das Institut in Huacho wurde nach der späteren Gründung der Universidad Nacional J.F. Sánchez Carrión als Institut der Universität weitergeführt.
Leben und Wirken Erwin Carl Hirsch, Sohn von Conrad Hirsch, Sohn von August Hirsch und Marianne Schweigger, Tochter von Karl Schweigger wurde am 24. August 1888 in Thorn, Westpreußen, geboren. Schweigger studierte an mehreren Universitäten Deutschlands und wurde 1912 in Berlin zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert (Dr. rer. nat.). Mit ministerieller Genehmigung von 1922 führte er den Namen Erwin Hirsch-Schweigger. Nach der Promotion arbeitete er in der Fischereiverwaltung (1919–1922) und leitete als Fischereidirektor den Fischereihafen in Altona (1922–1939). 1929 engagierte die peruanische Regierung Hirsch-Schweigger mit dem Auftrag, die nationalen Fischgründe, den Handel und den Konsum zu optimieren. Er wurde der zugewiesen, der nationalen Aufsicht über die Guanovorkommen. Dort erhielt er den Auftrag, eine wissenschaftliche Untersuchung der Jakobsmuschel (Argopecten purpuratus) durchzuführen. Die Studie war von einer Fischereigenossenschaft der Region Callao initiiert worden, die eine Konzession zur Nutzung der Bestände um die Isla Asia beantragten, um den Verlust der erschöpften Bestände der Isla San Lorenzo auszugleichen.
Von Oktober 1929 bis Mai 1930 forschte Hirsch-Schweigger. In seinen Empfehlungen sprach sich Hirsch-Schweigger für Schonzeiten aus, sowie Mindestgrößen für die gefischten Muscheln. Damit sollten die Bestände vor einer Erschöpfung geschützt werden. In dieser Studie stellte Hirsch-Schweigger auch erhebliche Störungen der Fischgründe fest. Im Juli 1930 wurde Hirsch-Schweigger zu den Islas Pachacámac entsandt, um dort eine ähnliche Untersuchung der Muschelbänke vorzunehmen. Hier stellte er fest, dass die Fischer Callaos die dortigen Muschelbänke schon mehrere Jahre zuvor erschöpft hatten. Grund waren Überfischung, Entnahme von Muscheln vor ihrer Geschlechtsreife und erhebliche Störungen durch die invasive Art der Entnahme, die zum Absterben des Nachwuchses führte. Hirsch-Schweigger entwickelte sich zu einem der vertrauenswürdigsten Ozeanographen und Fischereiexperten in Peru und setzte seine Untersuchungen für viele Jahre fort.
Im Rahmen seiner Untersuchungen überwachte Hirsch-Schweigger die Fischereihäfen in Pisco, Huacho, Callao und Chimbote, später auch Chancay, Supe und Chicama. Als erster Wissenschaftler zeigte er der Fischereiindustrie Perus den Zusammenhang zwischen den Guano-Vögeln und dem Fischreichtum der Region auf. Zusätzlich zu den Bestandserhebungen von Fischen und Vögeln richtet Hirsch-Schweigger ein Archiv ein, in dem er Beobachtungen zu Wasser- und Lufttemperaturen, Winden und Luftdruck sammelte. Es war eine der frühesten systematischen Datenerhebungen zu klimatischen und ozeanographischen Daten in Peru. 1939 floh der jüdischstämmige Hirsch-Schweigger aus Deutschland und übernahm die peruanische Staatsangehörigkeit mit dem Namen Erwin Schweigger. Er wurde angestellt als Leiter der wissenschaftliche Abteilung der Compania Administradora del Guano und konnte seine Forschungen in Peru fortführen.
Der starke El-Niño-Vorfall von 1925/26 hatte die Wissenschaft in Aufregung versetzt. Erstmals wurden Wissenschaftler außerhalb Südamerikas auf das Phänomen aufmerksam, ohne dass dabei der Zusammenhang zwischen dem El Niño und der Walker-Zirkulation schon verstanden war, die heute als El Niño-Southern Oscillation (ENSO) kennen. Gleichzeitig waren kaum zuverlässige Messdaten verfügbar. Die meisten Daten wurden auf Betreiben des US-amerikanischen Ornithologen Robert Cushman Murphy von Ausländern in Peru, von Diplomaten, Forschenden verschiedener Richtungen, Schifffahrtslinien und von Unternehmen zusammengestellt. Systematische und langfristige Datenreihen entstanden dabei kaum. Zusätzlich gab es kaum Daten vom Anfang des Ereignisses. Die schweren Regenfälle und Überschwemmungen waren ja der Auslöser für die Forschung. Die zuverlässigste Datenreihe wurde von dem deutsch-peruanischen Unternehmen Gildemeister & Co. erhoben, wo der damalige Leiter des Unternehmens, Pieter Reimers, ab dem 1. Dezember 1924 zwei Mal täglich die meteorologischen Daten sowie die Wassertemperatur an der Meeresoberfläche mit einfachen Instrumenten aufzeichnen ließ. Durch Zufall konnte Reimers so den Anfang des sich anbahnenden El Niño in den Daten erheben, allerdings erfassten die Daten nur eine einzige Messstelle am Ende eines Piers. Aber auch im Anschluss an das Ereignis verbesserte sich die Lage kaum. Gelegentlich wurden Oberflächentemperaturen von amerikanischen, britischen oder anderen Schiffen in den peruanischen Gewässern ermittelt, aber durchgehende Datenreihen und Aussagen auf die Meeresoberfläche gab es nicht.
Mit seiner Rückkehr nach Peru, 1939, begann Schweigger Daten zu den Temperaturen in verschiedenen Abständen zur Küste und an verschiedenen Orten zu erheben und zentral zu erfassen. Es war noch immer eine dünne Datendecke, aber sie war ab 1939 die dichteste durchgehende Erhebung ihrer Zeit und erlaubte erste statistische Aussagen über das riesige Seegebiet. In monatlichen Veröffentlichungen ( der Guano-Administration) wurden Karten mit den gesammelten Daten und den Schwankungen veröffentlicht. In Schweiggers Daten ist der von 1941 klar zu erkennen. Im ebenfalls als -Jahr betrachteten 1953 sind die Erwärmungen der Oberfläche nach Schweiggers Messdaten deutlich schwächer als 1941. Die Datensammlung begann das Bild abzubilden.
Die Daten werden bis heute in den Modellen und zur Überwachung der langfristigen Klimavorhersagen verwendet. 1959 schlugen der Rektor der , Javier Pulgar Vidal, und Schweigger die Gründung des (IMPARE) vor. Schweigger war Mitglied der Meteorologischen Gesellschaft Perus, deren Vorsitz er 1951 einnahm. Er lehrte Ozeanographie an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos.
Die Aufzeichnung der Temperaturdaten ermöglichte es Schweigger, die jährlich auftrenende, von Schweigger selbst „alter El Niño“ bezeichnet von den durchschnittlich alle 3½- bis 6-jährlich auftretenden „heutigen El Niño“ zu unterscheiden. Er sammelte für rund 30 Jahre systematisch Daten. Er ist einer der ersten Forscher, die das El Niño-Phänomen mit einer soliden Datenbasis versahen und hat damit die moderne Forschung wesentlich geformt.
Anerkennung und wissenschaftliche Bedeutung Die am häufigsten genannten Kandidaten für die Entdeckung der El Niño-Southern Oscillation sind Gilbert Walker und Jacob Bjerknes. In einem US-präsidialen Symposium zur Geschichte der Atmosphäre-Wissenschaften wurden neben diesen beiden aber auch Robert Cushman Murphy, T. Wayland Vaughan und Milner Bailey Schaefer für ihre Arbeiten genannt und ebenfalls drei Deutsche Forscher, Gerhard Schott, Klaus Wyrtki und Erwin Schweigger für ihre Erkenntnisse über das Phänomen und ihre wissenschaftliche Arbeiten. Caviedes und Fik bezeichnen Schweiggers Leistungen als Pionierarbeit für die Erforschung der Zusammenhänge von Klima, Ozeanographie und Fischerei. Zwei seiner Bücher, (1943) und (1947) werden als Eckpfeiler der peruanischen Fischereiindustrie bezeichnet.
Veröffentlichungen Zoologisches Wörterbuch, Walter de Gruyyer & Co. Berlin Leipzig 1925 Estudio sobre la industria pesquera, 1929 Informe anual del experto en pesquería, 1930 Studies of the Peru Coastal Current with reference to the extraordniary summer of 1939, 1940 Drei Studien zur Ozeanographie Perus (1943, Zusammenfassung der drei nachfolgend genannten, früheren Veröffentlichungen) La Bahía de Chimbote, 1942 La Bahía de Pisco, 1942 Die Meeresphänomene von 1925 bis 1941 im Zusammenhang mit meteorologischen Beobachtungen in Puerto Chicama, 1942 Las irregularidades de la corriente de Humboldt en los años 1925 a 1941. Una tentativa de su explicación, 1942, Bol. Companñia Admin. Guano, 18: 27–42 Fischerei und Ozeanographie Perus und Vorschläge für ihre zukünftige Entwicklung, 1943 La bahía de Chimbote, 1942 La "Legítima" Corriente del Niño, 1945, Bol. Comp. Admin. Guano, 21, 8–9, S. 255–296, 17 Karten; Lima El dorado frente a la costa peruana, 1946, Boletín de la Compañía Administradora del Guano 22(8):267–290 La Corriente Peruana, 1946, Bol. Soc. Geogr. Lima, 63 (1/2), S. 43–50, (Jornadas Oceanográficas); Lima; El empleo de la sonda eléctrica en la pesca peruana, 1948 Meteorología y mar, 1948 La fosa de Lima, 1948, Comp. Admin. Guano, S. 35–60, 6 Taf. und Karten; Lima Die Westküste Südamerikas im Bereich des Perustroms (1949) Der Perustrom nach zwölfjährigen Beobachtungen – Erdkunde, Arch. Wiss. Geographie, 3 (2/3) El Atún frente a la Costa Peruana, 1949 Vientos marinos y su influencia en el continente, 1949, Soc. Geol. Perú, Vol. Jubliar 25 aniv., pt. 2, 25, Lima Fomento de las ciencias peruanas por la Cía, Administradora del Guano, 1950 Atlas des peruanischen Küstenstroms, 1951 Situación veraniega en el litoral peruano de 1953, 1953, Bol. Ci. Comp. Admin. Guano, 1 (1), S. 1–18, 5 Karten; Lima Un año anormal (1954, Erwin Schweigger; Maurice E. Graves und P. Jorge Valdivia); En Boletín Científico (1955 vol. 2, Variada) Ensayo sobre las variaciones periódicas de la temperatura de mar y sus ciclos en el norte del litoral peruano, 1954 Estudio comparativo de temperaturas de mar y el régimen de vientos entre los años 1954 y 1939/53, 1955, Bol. Ci. Comp. Admin. Guano, 2, S. 53–64, Lima Upwelling along the Coast of Peru (The Journal of the Oceanographical Society of Japan, Vol 14, No.3 October 1958) Informe al Gobierno del Ecuador sobre fomento de la pesca maritima, 1955, Informe FAO/ETAP No. 35, Rom Aguajes rojos y sus consecuencias, 1958 Vorkolumbianische Seefahrzeuge und Seeschiffahrt in Südamerika, 1960, Erdkunde Bd. 14, H. 1, pp. 46–52 El Litoral Peruano, 1947 und 1964 Die Westküste Südamerikas im Bereich des Peru-Stoms Keysersche Verlagsbuchhandlung Heidelberg – München 1959
Einzelnachweise
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