Falco – A Cyber Show ist ein Musical von Joshua Sobol über den österreichischen Popstar Falco (Hans Hölzel), das 2000 im Etablissement Ronacher in Wien unter der Regie von Paulus Manker uraufgeführt wurde. Die musikalische Leitung hatte Falcos ehemaliger Bandleader Thomas Rabitsch inne, in der Besetzung fanden sich André Eisermann als Hans Hölzel sowie Hansi Lang, Georgij Makazaria, Roman Gregory, Rafael von Bargen, Haymon Maria Buttinger, Mandy Sheehy und Dèbria Brown.

Inhalt Hans Hölzel, ein Kind der 70er Jahre, schuf eine Bühnenfigur, die er Falco nannte. Diese Figur wurde als Popstar so berühmt, dass er sich vollkommen in den Vordergrund drängte und Hans Hölzel zu einem Schattenwesen degradierte. „Du mußt dein Leben in die Waagschale werfen, du fliegst oder du stürzt ab“, sagt Hansi Hölzel, der Mensch, der bereit ist, für den Ruhm alles zu geben, um jeden Preis. „Do you really want to create an alter ego?“ fragt ein Riesencomputerbildschirm, Hans Hölzel drückt „O.K.“. Ein raumfüllendes Universum aus Sternen gebiert einen Kunstmenschen, die Bildschirme auf den Galerien geben ihn zigfach wieder: F@lco, computeranimiert. Der Pakt mit dem virtuellen Teufel ist geschlossen, die Handlung nimmt ihren Lauf.

Aber im Wechsel der Zeiten und der Trends verlor Falco, der ein geniales Produkt der Popszene der 1980er Jahre war, den Kontakt zum neuen Zeitgeist der 1990er. Falco, der Hans Hölzel beherrschte und unterdrückte, wurde zu einem unüberwindlichen Hindernis für Hans Hölzel, der nach einer neuen Identität suchte. Einer von beiden musste sterben, damit der andere überleben konnte.

Aber Falco, der zu Hans‘ Lebensinhalt geworden ist, schlägt zurück und denkt nicht daran, zu sterben. Daher versucht Hans Hölzel, seinen Golem Falco, den er selbst geschaffen hatte, zu zerstören und zu vernichten, um seine Freiheit als schöpferische Persönlichkeit wiederzugewinnen. Dies kann er nur in der Öffentlichkeit, auf der Bühne, in einer Live-Show tun. Denn nur dort existiert Falco, die Personifikation von Hans.

Diese Geschichte variiert das alte Thema vom Golem, der gegen seinen Schöpfer aufbegehrt. Durch diesen dramatischen Konflikt werden aber auch die entscheidenden Momente aus Hans Hölzels Leben und die Wendepunkte seiner Karriere, wie auch die seiner Biografie erzählt. Der Kampf zwischen Hans und Falco beschreibt das grundsätzliche Ringen zwischen einem Menschen und einer Kunstfigur, zwischen einem Künstler und seiner Schöpfung.

Inszenierung Die Show fand in der Arena des ehemaligen Varieté Ronacher in Wien statt. Um die Atmosphäre eines Rockkonzertes zu schaffen, wurde die Bühne durch einen ovalen Steg ausgeweitet, der in der Form des Internet-@ in den Zuschauerraum hineingebaut war, in dem das Publikum in zwei Gruppen aufgeteilt wurde. Das Publikum hatte die Wahl zwischen einem aktiven (billigeren) Ticket im Parkett, im Zentrum des Geschehens rund um den Catwalk und einem passiven Ticket in den Logen und am Balkon, von wo aus der Betrachter die Show aus sicherer Entfernung genießen konnte. Im Parkett konnte sich der aktive Zuschauer während der Show frei bewegen, er konnte tanzen, seinen Standort (und damit seine Perspektive) verändern und beweglich sein wie in einem Rockkonzert. Unter den Stegen waren Bars eingerichtet, an denen die Zuschauer während der Show konsumieren konnten.

Die technischen Mittel wie Licht- und Lasershow, Projektoren und Wasserleinwand aus den verschiedensten Materialien, die normalerweise die Shows nur als Effekte unterstützen, wurden dabei zum dramaturgischen Partner, ja sogar zum Antagonisten. Der Protagonist Hans trifft auf einen virtuellen Gegenspieler: Falco. Darauf beruht der grundsätzliche Konflikt der Geschichte: der Kampf eines Mannes gegen sein Selbst, Hauptsymptom der heutigen Zeit.

Team Regie: Paulus Manker Autor: Joshua Sobol Musikalische Leitung: Thomas Rabitsch Bühne: Hans Hoffer Lichtdesign: Max Keller Kostüme: Max Wohlkönig Choreographie: Patricia Wilcox Sounddesign: Gerd Bessler Laser: Heimo Hanserl Animation: Norbert Wuchte, Gregor Hartmann

Besetzung Hans Hölzel – André Eisermann Citizen Kain – Hansi Lang Vox Populi – Georgij Makazaria Vox Dei – Roman Gregory Falco – Gerald Sagmeister, Michael Patrick Simoner Demon Child – Pehton Quirante Demon Sax – Raphael von Bargen Demon Vienna – Haymon Maria Buttinger Demon Alcohol – Patricia Simpson Demon Death – Milagros Pinera Ybaceta Jeanny – Mandy Sheehy Baby Blue – Dèbria Brown / Joni Madden Kathleen Turner – Nathalie Salcher W. A. Mozart – Máté Kamarás Dämonen: Deborah Craig, Claudia Davi, Quisha Freeman, Max Hofmann, Ulrike Kriegler, Brad de Lima, Shelly Masenoir, Jeanette Parszo, Giselheid Weller

Band: Andy Bartosh (Gitarre), Milan Polak (Gitarre), David Lackner (Keyboards), Florian Holoubek (Schlagzeug), Volker Wadauer (Bass), Raphael von Bargen (Saxophon), Cornelia Pesendorfer (Oboe)

Songs Hit Me Ganz Wien Vienna Calling Der Kommissar Naked Rock Me Amadeus The Sound of Musik Jeanny Titanic Europa Push! Push! Mutter, der Mann mit dem Koks ist da Out of the Dark It's all over now Baby Blue Qué Pasa Hombre Helden von Heute

Einzelnachweise

Kategorie:Falco Kategorie:Musical (Werk) Kategorie:Musik 2000