mini|Die Age of Union (ehemals Sam Simon) ist Teil der aktuellen Flotte. Sea Shepherd ist eine internationale gemeinnützige Bewegung zum Schutz der Meeresökosysteme. Sie wurde 1977 von Paul Watson gegründet und ist für den Einsatz direkter Aktionen auf hoher See bekannt. Im Mittelpunkt steht das aktive Unterbinden illegaler Tätigkeiten, nicht der bloße Protest oder das Dokumentieren von Missständen. Zu diesem Zweck arbeitet die Bewegung bevorzugt mit etablierten Strafverfolgungsbehörden zusammen. Sea Shepherd umfasst heute ein weltweites Netzwerk eigenständiger Organisationen in mehr als dreißig Ländern. Die bekanntesten sind die in den Niederlanden ansässige Dachorganisation Sea Shepherd Global sowie die in den USA gegründete Sea Shepherd Conservation Society. Die Bewegung unterhält eine Flotte von über einem Dutzend Schiffen und Patrouillenbooten, die als Neptune’s Navy bekannt sind. Mit ihnen werden Kampagnen in der Antarktis, im Nordatlantik, im Mittelmeer, vor der Küste Westafrikas und im Pazifik durchgeführt.

Geschichte

Gründung mini|Paul Watson, Gründer von Sea Shepherd Sea Shepherd wurde am 1. August 1977 von Paul Watson in Vancouver gegründet. Watson war zuvor ein frühes Mitglied von Greenpeace, verließ die Organisation jedoch wegen Konflikten über die angewandten Protestmethoden. Mit finanzieller Unterstützung des Tierschützers Cleveland Amory und dessen Fund for Animals erwarb Watson 1978 sein erstes Schiff, das auf den Namen Sea Shepherd getauft wurde.Raffi Khatchadourian: Neptune’s Navy. In: The New Yorker, 5. November 2007. Als rechtliche Grundlage für seine Aktionen berief sich Watson auf die Weltcharta für die Natur der Vereinten Nationen von 1982, die er als Ermächtigung nichtstaatlicher Akteure zum Einschreiten bei Verstößen gegen internationales Naturschutzrecht interpretiert.

Die erste direkte Aktion richtete sich im März 1979 gegen die kanadische Robbenjagd im Sankt-Lorenz-Golf. Dort besprühten Aktivisten nach eigenen Angaben über tausend lebende Robbenjunge mit unauslöschlicher Farbe, um ihr Fell für Jäger wertlos zu machen.Jonathan Gornall: Newsmaker: Paul Watson. In: The National, 17. März 2016. Im selben Jahr rammte das Schiff Sea Shepherd den portugiesischen Walfänger Sierra vor der Küste Portugals und setzte ihn außer Gefecht. Am 6. Februar 1980 versenkten Sea-Shepherd-Aktivisten die Sierra mit einer Haftmine im Hafen von Lissabon. 1980 wurden in Vigo (Spanien) die spanischen Walfänger Ibsa I und Ibsa II auf ähnliche Weise versenkt.

Im November 1986 drangen zwei Sea-Shepherd-Aktivisten in isländische Werften ein und öffneten die Kühlwasserventile der Walfänger Hvalur 6 und Hvalur 7 im Hafen von Reykjavík. Gleichzeitig wurde die Walfangverarbeitungsanlage in Hvalfjörður sabotiert. Watson übernahm öffentlich die Verantwortung. Menschen kamen bei keiner dieser Aktionen zu Schaden.

Sea Shepherd hat seit 1979 nach eigener Darstellung zehn Walfangschiffe gerammt, im Hafen versenkt oder anderweitig außer Gefecht gesetzt:Paul Watson: Sea Shepherd eco-warrior fighting to stop whaling and seal hunts. In: The Daily Telegraph, 17. April 2009.

1979 – Sierra (Portugal) 1980 – Ibsa I und Ibsa II (Spanien) sowie Susan und Theresa (Südafrika) 1986 – Hvalur 6 und Hvalur 7 (Island) 1992 – Nybrænna (Norwegen) 1994 – Senet (Norwegen) 1998 – Morild (Norwegen)

Die Organisation betont, dass sich diese Aktionen gegen illegal oder unreguliert operierende Schiffe richteten und dabei kein Mensch zu Schaden kam.

Juristische Folgen für die Verantwortlichen blieben in den meisten Fällen aus. Im Fall der Sierra traten die Eigentümer des unter wechselnden Billigflaggen operierenden Wilderers nicht öffentlich in Erscheinung. Für die Anschläge auf die Hvalur 6 und Hvalur 7 reiste Watson 1988 nach Island und stellte sich der Polizei, um, laut eigenen Angaben, Öffentlichkeit auf die isländische Walfangpraxis zu lenken. Er wurde 24 Stunden festgehalten und anschließend ohne Anklage ausgewiesen. Watson selbst wertete diese Zurückhaltung Islands als Versuch, einer Gerichtsverhandlung, die das umstrittene isländische Walfangprogramm öffentlich zur Sprache gebracht hätte, aus dem Weg zu gehen. Anders verlief das Verfahren im Fall der norwegischen Nybrænna (1992): Watson und seine Mitstreiterin Lisa DiStefano wurden 1997 in Norwegen in Abwesenheit wegen grober Sachbeschädigung zu vier Monaten Haft verurteilt. Watson wurde im selben Jahr in den Niederlanden festgenommen und saß rund 80 Tage in Untersuchungshaft; die Auslieferung an Norwegen wurde anschließend abgelehnt. Die Urteilsverkündigung wurde von rund 300 Pro-Watson-Demonstranten begleitet. Parallel dazu gab es Proteste in diversen Delfnarien und Meeres-Themenparks in den USA.Watson awaits verdict on Norwegian extradition attempt. In: Animal People News, Juni 1997. Eine zivilrechtliche Schadenersatzklage der norwegischen Eigentümer ist nicht dokumentiert.

Antarktis und Walfang Die jahrelangen Kampagnen gegen den japanischen Walfang im Südlichen Ozean machten die Organisation international bekannt. Japan betrieb dort jährlichen Walfang, in einem von der Internationalen Walfangkommission eingerichteten Walschutzgebiet. Deklariert wurde dies als „wissenschaftliche Forschung“. Der Internationale Gerichtshof stellte später jedoch fest, dass dieser Walfang keineswegs wissenschaftlichen Zwecken gedient hatte. Sea Shepherd nahm 2002 erstmals die Verfolgung der japanischen Flotte auf und kehrte ab 2005 jährlich in die Antarktis zurück. Bis zur Saison 2016/2017 waren es insgesamt elf Einsätze. Die Steve Irwin und die Bob Barker dienten dabei als wichtigste Plattformen, später kamen Sam Simon und Brigitte Bardot hinzu.

Die eingesetzten Methoden reichten von der Verfolgung über die Blockade der Slipanlage des japanischen Fabrikschiffs Nisshin Maru bis hin zum Werfen von Stinkbomben, um angelandete Wale zu kontaminieren. Nach Angaben der Organisation und entsprechenden Schätzungen unabhängiger Medien wurden insgesamt mehr als 6000 Wale vor den japanischen Harpunen gerettet, indem die Flotte jährlich gezwungen wurde, deutlich hinter ihren selbstgesteckten Fangquoten zurückzubleiben.Sea Shepherd Says This Year It Won't Send Ships To Disrupt Japanese Whalers. NPR, 29. August 2017.Sea Shepherd Abandons Annual Whale Wars with Japan. In: Men's Journal.

Die Blockade der Heckrampe war dabei das wirkungsvollste Mittel: Da sich die Harpunierung einzelner Wale nicht verhindern ließ, positionierte Sea Shepherd ein eigenes Schiff, meist die Bob Barker oder die Steve Irwin, dicht hinter dem Heck der Nisshin Maru und versperrte so die Rampe, über die die erlegten Tiere an Bord gezogen und verarbeitet wurden. Konnte kein Wal mehr übergeben werden, mussten auch die Harpunenboote ihre Jagd einstellen. Kampagnenleiter Peter Hammarstedt bezeichnete das Sichern dieser Rampe als zentrale Strategie der Einsätze. Welche Wirkung das entfalten konnte, zeigte sich in der Saison 2010/2011 (Operation No Compromise): Japan brach die Jagd im Februar 2011 vorzeitig ab und erreichte nur etwa ein Fünftel seines Fangziels von 850 Walen. Es war das erste Mal, dass Aktivisten die Flotte zu einem vorzeitigen Saisonende zwangen, nachdem sich die japanische Seite zuvor stets ihrer Fähigkeit gerühmt hatte, den Aktivisten davonzufahren. Auch in den Folgejahren blieben die Fänge weit hinter den Quoten zurück; im Januar 2014 (Operation Relentless) hielten mehrere Sea-Shepherd-Schiffe die Rampe der Nisshin Maru über Tage blockiert und legten den Walfang weitgehend lahm.

Mit welcher Hartnäckigkeit die Aktivisten ihre Blockaden hielten, zeigte ein Zwischenfall im Februar 2013 während Operation Zero Tolerance. Als die Nisshin Maru unter Missachtung der MARPOL-Konvention versuchte, sich weit südlich des 60. Breitengrads vom Tanker Sun Laurel mit Schweröl betanken zu lassen, positionierte Kapitän Peter Hammarstedt die Bob Barker zwischen Fabrikschiff und Tanker und hielt sie dort auf stetigem Kurs. Über Funk teilte er der Nisshin Maru mit, die Bob Barker werde Kurs und Geschwindigkeit beibehalten; die Verantwortung, einen Zusammenstoß zu vermeiden, liege damit bei der Nisshin Maru. Die Nisshin Maru beschoss die Bob Barker daraufhin wiederholt mit Wasserwerfern, rammte das weit kleinere Schiff und klemmte es zwischen sich und dem Tanker ein. Die Bob Barker wich dennoch nicht von ihrer Position, setzte kurzzeitig einen Notruf ab und blieb trotz erheblicher Schäden manövrierfähig. Das japanische Walfanginstitut wies die Verantwortung zurück und warf umgekehrt Sea Shepherd ein gefährliches Manöver vor. Wenig später nahm der Tanker Kurs nach Norden, und Anfang März verließ die gesamte Walfangflotte das Schutzgebiet und beendete die Saison vorzeitig. Mit 103 erlegten Zwergwalen blieb der Fang weit hinter dem selbst gesteckten Ziel von über 1000 Walen zurück und fiel so gering aus wie in keiner Saison zuvor.

Whale Wars und internationale Expansion Ab 2008 dokumentierte die Dokumentarserie Whale Wars auf Animal Planet die Antarktis-Kampagnen über sieben Staffeln hinweg. Die internationale Aufmerksamkeit ließ die Spenden- und Freiwilligenbasis stark wachsen, sodass Sea Shepherd erstmals zusätzliche Schiffe in Dienst stellen konnte. Ein weiterer Nebeneffekt war, dass sich immer mehr Ländergruppen, sogenannte Chapter bildeten. 2005 wurde mit Sea Shepherd UK das erste Chapter neben der Sea Shepherd Conservation Society gegründet. 2007 folgte Sea Shepherd Australia. 2010 wurden 14 neue Chapter gegründet. Darunter Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Sea Shepherd Österreich gründete sich 2012 und Sea Shepherd Schweiz 2014.

Watson legte drei Grundsätze für die Anerkennung als Sea-Shepherd-Chapter fest:

Aggressive Gewaltfreiheit (Aggressive non-violence): Aktionen dürfen keine Menschen verletzen oder töten, Sachbeschädigung ist jedoch erlaubt. Watson verstand diese Methode als bewusste Abgrenzung sowohl von passivem Protest als auch von Gewalt gegen Personen.

Keine Kompromisse mit Wilderern (No Compromise): Sea Shepherd verhandelt nicht mit illegalen Fischereiflotten oder Walfängern und schließt keine Absprachen, die Artenschutz gegen wirtschaftliche Zugeständnisse eintauschen würden. Der Name der Schutzmission Operation No Compromise (2010) brachte diese Haltung programmatisch zum Ausdruck.

Keine Investitionen in Werbung oder Fundraising: Spendenaktionen sind erlaubt, aber es dürfen keine finanziellen Mittel für Werbung oder professionelles Fundraising ausgegeben werden.

Um die europäischen und internationalen Chapter besser zu koordinieren, gründete sich Sea Shepherd Global 2013 in Amsterdam. Die neue Dachorganisation ermöglichte engere Partnerschaften mit nationalen Regierungen und staatlichen Behörden weltweit.

Versenkung der Ady Gil und Inhaftierung Pete Bethunes (2010) mini|Die Ady Gil Während Operation Waltzing Matilda rammte das japanische Begleitschiff Shōnan Maru 2 am 6. Januar 2010, in internationalen Gewässern rund 300 Kilometer nördlich der Antarktis den Hochgeschwindigkeits-Trimaran Ady Gil. Etwa 3,5 Meter des Bugs wurden zerstört; ein Besatzungsmitglied wurde verletzt und das Schiff sank kurz darauf.