mini|„Rotfuchs-Schleifchen“ mit Strass (Marie-Louise Staempfli, 2016) mini|Ständer mit Pelzanhängern in Kastoria (2014)

Pelzschmuck bezeichnet Schmuckstücke und dekorative Accessoires, die unter Verwendung von Fell oder bei der Pelzverarbeitung anfallenden Pelzstücken hergestellt werden. Sie werden am Körper getragen oder an Kleidungsstücken befestigt. Die Herstellung erfolgte traditionell überwiegend im Kürschnerhandwerk, daneben auch durch Schmuckdesigner und Modeateliers.

Im weiteren Sinn werden dazu auch Taschen- und Schlüsselanhänger aus Fell sowie kleinere Pelzaccessoires gerechnet. Teilweise überschneidet sich der Begriff mit Galanteriewaren und Kleinkonfektion aus Pelz, etwa losen Pelzkragen, Pelzkrawatten, kleinen Pelzcapes oder Pelzkolliers. Das österreichische Pelz-Lexikon von 1950 bezeichnete unter dem Stichwort „Pelzfrivolitäten“ kleine dekorative Pelzarbeiten wie Hutaufputz, Taschenpatten, Knöpfe oder Gürtelschnallen aus Pelz in „aparten Formen“.

Geschichte mini|Die Leipziger Firma Albrecht & Co. fertigte 1915 Pelzblumen, neben Pelzhüten und ‑besätzen

Die Verwendung von Schmuck geht auf die Anfänge der Menschheit zurück. Inwieweit Fell, außer als Kleidung, dabei eine Rolle spielte, ist schon wegen der Vergänglichkeit des Materials, nicht bekannt. Das verwandte, sich mit Vogelfedern zu schmücken, ist bei Naturvölkern weit verbreitet und war in der Antike ein fester Bestandteil der kulturhistorischen Tradition des Schmucks.Sarah Fabienne Wisniewski: Fremde Federn: In: Schmuck. Haut. Mode. Ausstellung im Pergamon-Palais, Projekttutorium Schmuck. Haut. Mode. Material und Mythos. Humboldt-Universität zu Berlin, Corinna Egdorf. Neben dem reinen Verschönerungsbedürfnis wurde Fell als spiritueller Schmuck, als Schutzamulett oder als Statussymbol getragen.B. Brentjes: Zu den Felltrachten in afrikanischen Ritualen. In: Das Pelzgewerbe Nr. 4, 1972, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 21–22. Beispiele sind Fellstücke als Ohrschmuck bei indigenen Gruppen oder kleine Pelzanhänger bei rituellen Handlungen.

Eine industrielle Herstellung von Pelzschmuck scheint vor dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) keine größere wirtschaftliche Bedeutung gehabt zu haben. Der Wiener Kürschner Alexander Tuma führte 1928 sehr detailliert die mögliche Verwendung der bei der Pelzherstellung abfallenden Reste auf. Dort heißt es dazu nur, dass Hermelinköpfe „höchstens als Aufputz Verwendung finden“, neben anderen Nerzfellreste für Verzierungen von Pelzprodukten, „auch als Garnierung von Mänteln, Capes und Kleidungsstücken“.

Im Fachverzeichnis der Pelzbranche des Jahres 1967, der Zeit einer Hochkonjunktur der Pelzmode und des Pelzabsatzes, sind in der Rubrik „Pelzschmuck“ 13 deutsche Betriebe aufgeführt. Die H. Böttger KG, Fehschweiffabrik („Schweif-Böttger“) in Frankfurt am Main, fabrizierte neben gedrehten Fellschweifen auch Pelzschmuck. Bei einem Teil der Firmen ist angegeben, dass sie außerdem Pelzhüte und -mützen, Pelzbesätze oder Pelztiere vertrieben. Die Firma Otto Metz aus Bayreuth inserierte etwas detaillierter: „Herstellung von Pelzminiaturen (Anstecker), Tiere und Blumen in stabilen Klarsichtetuis, einzeln verpackt. Enorme Nachfrage im In- und Ausland“. Pelz-Taube aus Rheine/Westfalen bot „Pelletta-Pelzschmuck“ an, Käthe Schmidt aus Oberau-Loisach „Pelzschmuck nach eigenen Entwürfen“.Winckelmann, Fachadressbuch der Rauchwaren- und Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks, Deutschland, Nr. 75, 1967, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main, S. 115–117. Spätestens 1979 richtete das Fachverzeichnis den Pelzschmuckanbietern kein eigenes Kapitel mehr ein.

In der DDR hatte sich die Firma Pelzitt (1955–1976), Inhaber Walter Schmortte aus dem ehemaligen Bösdorf bei Leipzig,„Pelzitt“ Walter Schmortte, Chemisch-technische Hilfsmittel für Kürschnereibetriebe, Bösdorf/Elster. HRA 138, Archivportal D, Sächsisches Staatsarchiv. Abgerufen am 11. Mai 2026. neben dem Vertrieb chemisch-technischer Hilfsmittel für Kürschnereibetriebe, auf Pelzschmuck spezialisiert. Sie verwertete dazu die abgefallenen Persianer- und Nerzreste, die bei den Lohnaufträgen hauptsächlich westdeutscher Firmen anfielen.

Mit dem um 2000 begonnenen drastischen Rückgang des Pelzabsatzes hat auch der zuvor bereits geringe Anteil des Pelzschmucks in der Mode zumindest im deutschsprachigen Raum weiter an Bedeutung verloren.

Materialien Für den Pelzschmuck im engeren Sinn eignen sich vor allem kurzhaarige Fellarten. Die Häufigkeit der Verwendung geht einher mit der jeweils von der Mode bevorzugten Fellarten, zumal hier auch besonders viel dafür geeignete Fellstücken anfallen. Das waren im 20. und 21. Jahrhundert besonders Karakullammfelle (Persianer) und Nerzfelle, Kaninfelle, daneben Schaffelle, im Handel ebenfalls als Lammfell bezeichnet. Langhaarfelle werden dagegen besonders für Taschen und Schlüsselanhänger benutzt sowie für alle Arten von Pelzaccessoires.

Zum Fell hinzu kommen häufig Materialien der Schmuckbranche, wie Strass oder Perlen.

Fellschweife

Behaarte Fellschwänze wurden in Jägerkulturen häufig als Trophäen oder Amulette benutzt. In der Mode schmückten sie als modische Attribute, zeitweilig in erheblichem Umfang, alle Arten von Pelzbekleidung, Muffe, Schals, Capes, Pelzjacken und -mäntel. Besonders in den 1980er Jahren war es verbreitet, Fuchsschweife an Rückspiegeln sowie Antennen von Autos zu befestigen, typisch galt dies besonders für Opel-Manta-Fahrer und für Bonanza-Fahrräder.

Bei der traditionellen Parforcejagd war es mancherorts üblich, Teilnehmer, die hervorragende Leistungen gezeigt hatten, mit der abgetrennten Rute des erlegten Fuchses zu dekorieren. In manchen Studentenverbindungen ist es Brauch, dass der Fuchsmajor als zusätzliches Erkennungszeichen einen Fuchsschwanz an seiner Mütze befestigt.

Kürschnermeister August Dietzsch (1900–1993) aus Leipzig erinnerte sich 1987: „Als Pferde- und Straßenbahnen immer stärker als Verkehrsmittel ausgebaut wurden, erwiesen sich die damals üblichen Hutnadeln der hochmodischen, meist recht überdimensionalen Damenhüte als gesundheitliche Gefährdung der Fahrgäste. Deshalb konnte man dann in diesen Transportmitteln lesen: »Personen mit ungeschützten Hutnadeln werden nicht befördert«. Und aus diesem Grund fertigten wir Hutnadelschützer aus Hermelinköpfen. So trug manche Frau auch Hermelin, ohne daß sie es sich eigentlich leisten konnte.“Redaktion: Ein Kürschnermeister vom Brühl erinnert sich (III). Im Gespräch mit August Dietzsch. Zeitschrift Brühl , Januar/Februar 1987, S. 29.

Pelzreste, Felle Die bei der Pelzverarbeitung abfallenden Teile, die Pelzstücken, werden ebenfalls nahezu komplett verwertet, indem sie vor der Weiterverarbeitung zu Tafeln zusammengenäht werden. Ein kleiner Teil geht unbearbeitet unter anderem in die Galanteriewarenerzeugung. Fellpfoten und die Schweife sind dank ihrer Haarstruktur oft besser zur Schmuckherstellung geeignet als das Rumpffell. Der Zusammenhang zwischen Pelzstücken und Pelzschmuck lässt sich an einer Annonce des Jahres 1950 erkennen, in der die Firma Käthe Schmidt, ansässig in der Pelzhandelsstraße Niddastraße in Frankfurt am Main, warb: „Schweife, Köpfe, Klauen, Pelzschmuck“.Inserat Firma Käthe Schmidt. In: Rund um den Pelz, April 1950.

Besonders geeignet und der Mode entsprechend in besonderer Menge anfallend sind Reste der Nerzfellverarbeitung, vor allem die Schweife und Pfoten. Die Schweife haben ein langes Haar, aus dem die Grannenhaare besonders lang herausragen. Vor allem zu Pompons gedreht, ergibt das einen besonderen Effekt. Aus den gegenüber dem Fell wiederum besonders flachhaarigen Pfoten lassen sich dagegen gut florale Anstecker herstellen.

Kaninchenfelle fallen als Nebenprodukt der Fleischgewinnung in großer Zahl an und gelten daher besonders preisgünstiges Material. Sie wurden viel nach China exportiert, von wo seit etwa um die Jahrtausendwende auch als Pelzblumen-Anstecker aus Kanin in den Handel kamen. Später wurden die Blumen sogar zu Tafeln zusammengenäht und zu Pelzschals und vereinzelt sogar ganzen Kleidungsstücken verarbeitet.

Arbeitstechniken mini|hochkant=0.5|Anhängerketten, insbesondere zum Befestigen von Fellschweifen Ein Kürschnerhandbuch aus dem Jahr 1928 wies „jene Kürschner, die den Abfall als Spezialarbeit verwerten“ darauf hin, „dass man nun eine Stanzvorrichtung erfunden hat, die das zeitraubende Zuschneiden der kleinen Fellstückchen rasch und gleichmäßig besorgt. Diese Stanzen wie die ganze Vorrichtung arbeiten derartig, dass das Haar nicht mit abgeschnitten wird. Die Stanzen sind für die einzelnen Formen auswechselbar und ermöglichen ein rasches und peinlich genaues Arbeiten.“ Beliebt sind auch Kugelformen. Hierfür wird ein kreisförmig zugeschnittenes Fellteil mit einem rundherum geführten Heftstich aus festem Garn zu einem Pompon zusammengezogen, bei größeren Ausführungen mit einer füllenden Einlage. Zumindest bei einer Einzelanfertigung oder kleineren Stückzahlen wird weiterhin ein Kürschnermesser benutzt. Um das Fell zu versteifen, wird die Rückseite in der Regel mit einem aufzubügelnden Fixierstoff versehen oder mit einer Textilie, Leder oder Karton hinterklebt. Ein mitbefestigter Draht sorgt eventuell für eine plastische Ausformung.

Schmuckarten Anna Municchi zitierte in ihrem Werk Ladies in Furs aus Harper’s Bazaar, 1940: „Überall befindet sich Pelz: als Armband, auf dem Hut, um den Hals, an den Hüften und schließlich an den Armen wie lange Abendhandschuhe.“ Abgebildet waren unter anderem ein Armband aus Pelz, eine Halskette mit 14 angehängten Hermelinschweifen, ein fast bis an die Schultern reichender Armschmuck aus ebenfalls 14 Fellschweifen sowie eine opulente Hutgarnierung aus Pelz.Anna Municchi: Ladies in Furs 1900–1940. Zanfi Editori, Modena 1992, S. 151, Abb. 207–212 (englisch), ISBN 88-85168-86-8.

Anstecknadeln, Broschen In der Regel wird als abnehmbarer Kleidungsschmuck aus Pelz die Form der Brosche mit einer angenähten Broschennadel, eine Abwandlung der Sicherheitsnadel, gewählt. Meist sind es ein- oder mehrfarbige, blütenähnliche Motive, die sich aus Fell besonders gut formen lassen.

Zur Anwendung riet Dorothea Backhaus 1958 in ihrem „Brevier der Pelze“, dass zu viele Pelzaccessoires, wie Pelzkragen-, Pelzkrawatte, Handtasche aus Pelz sowie ein Pelzsaum am Mantel ein „Zuviel“ beziehungsweise leicht übertrieben seien, „ein winziges angestecktes Hermelinschweifchen am Revers“ jedoch recht dekorativ aussehen kann.Dorothee Backhaus: Brevier der Pelze. Keysersche Verlagsbuchhandlung Heidelberg - München, 1958, S. 177.

Kopfschmuck mini|hochkant|Erzherzoghut mit Hermelin, Insigne des Erzherzogtums Österreich Das Pelzlexikon beschreibt unter dem Stichwort „Pelzdiadem“ einen aus mehreren Fellbändern hergestellten Kopfputz, der mit Tüll unterlegt ist, um die Form zu halten. Stirnbänder aus Fell sind, in der Art der Ausführung als Stirn- und Ohrenwärmer, eher unter Pelzaccessoires einzuordnen.

Der Pelz als Teil der Kopfzierde vorwiegend christlich-abendländischer Herrscher dagegen dürfte eher den Anspruch des Schmückens erfüllen, zumeist ist es das den Krönungsmantel ergänzende königliche Hermelinfell. Die englische, Imperial State Crown, eine violette Samthaube zeigt nur an ihrem unteren Rand einen schmalen Saum aus Hermelin. Die breite Verbrämung der russischen Zarenkrone, der Mütze des Monomach, besteht aus Zobelpelz, die Felle als Tribut an den Staat auch als Kronenzobel bezeichnet.

Halsschmuck mini|hochkant=0.5|Rotfuchsfell-Kette (Firma Hofstetter, Rötz, 2026) Üblicher, gleichzeitig wärmender Halsschmuck, sind Pelzkrawatten, Pelzschals und Pelzkragen, früher auch Pelzkolliers.