Die Galerie in der Marktgasse (auch Galerie am Markt) war eine von 1967 bis 1974 in Salzburg bestehende Galerie für zeitgenössische Kunst. Sie wurde von dem späteren Pressechef der Salzburger Festspiele Hans Widrich gegründet und gilt als Pioniereinrichtung der Salzburger Galerienlandschaft.Nikolaus Schaffer, Dietgard Grimmer: Ausstellungsorte für aktuelle Kunst. In: Salzburger Kulturlexikon 3.0. Hrsg. Paris Lodron Universität Salzburg, Land Salzburg, Stadt Salzburg, abgerufen am 2026-05-30.Hans Widrich. In: SALZBURGWIKI. Hrsg. Salzburger Nachrichten, abgerufen am 2026-05-30. Aus den parallel entstandenen Druckgrafik-Editionen ging 1979 der Verlag Widrich hervor.Hans Widrich: Bei den Fischottern. Erinnerungen. Salzburg 2016, Kapitel Neue Kunst in Salzburg, die Galerie in der Marktgasse, S. 165–168.
Geschichte
Gründung 1965 wurde im rückwärtigen Teil der Kollegienkirche die Katholische Hochschulgemeinde unter Studentenpfarrer Wolfgang Huber eingerichtet. Hans Widrich, der bereits in seiner Grazer Studienzeit über den Ausstellungsbeauftragten der Österreichischen Hochschülerschaft, Hans Preiner, Kontakte zu Wolfgang Hollegha, Josef Mikl und Erwin Reiter aufgebaut hatte, brachte den Vorschlag für eine Galerie ein und stimmte sich dabei mit dem Leiter des Katholischen Bildungswerks, Hans Spatzenegger, ab. Die Galerie wurde im Souterrain des von Wilhelm Holzbauer neu eingerichteten Katholischen Studentenhauses in der Marktgasse (heute Wiener-Philharmoniker-Gasse) hinter der Kollegienkirche untergebracht; die einmalige Einrichtung finanzierte die Vereinigung Österreichischer Industrieller.
Programm unter Hans Widrich (1967 bis 1974) Die Eröffnung fand am 23. Februar 1967 mit Plastiken des Wotruba-Schülers Erwin Reiter statt.Rudolf Bock: Kunst im Gespräch der Hochschulgemeinde. Zur Eröffnung einer Galerie in der Marktgasse mit Werken Erwin Reiters. In: Salzburger Nachrichten, 25. Februar 1967, S. 7. In den folgenden Jahren zeigte die Galerie im Schnitt mindestens drei Ausstellungen pro Jahr und führte zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen Avantgarde, darunter Bruno Gironcoli, Wolfgang Hollegha, Josef Mikl, Peter Pongratz, Markus Prachensky, Karl Prantl und Drago Prelog, erstmals in Salzburg ein.
Belegt sind unter anderem folgende Ausstellungen: Erwin Reiter (23. Februar 1967, Eröffnungsausstellung) Markus Prachensky (März 1967)Rudolf Bock: „Nichts-sagende“ Aktionen? Zur Ausstellung von Markus Prachensky in der Salzburger Galerie in der Marktgasse. In: Salzburger Nachrichten, 24. März 1967. Werner Würtinger (Juni 1967), damals Assistent von Fritz Wotruba und später Präsident der Wiener SecessionRudolf Bock: Plastiken von Werner Würtinger. Galerie in der Marktgasse. In: Salzburger Nachrichten, 6. Juni 1967. Josef Mikl (24. Juli bis 14. August 1967) Peter Pongratz (Eröffnung am 17. August 1967 durch Peter Handke) Andreas Urteil (April 1968)Rudolf Bock: Skulpturen von Andreas Urteil in der Galerie in der Marktgasse. In: Salzburger Nachrichten, 9. April 1968. Richard Hirschbäck (August 1968) Karl Prantl und Ute Prantl-Peyrer (3. bis 22. Juni 1969) Bruno Gironcoli (September 1969)Rudolf Bock: Bruno Gironcoli stellt in der Galerie am Markt plastische Objekte und Graphik aus. In: Salzburger Nachrichten, 22. September 1969, S. 3. Wilhelm Holzbauer mit dem Konzept für das Bildungshaus St. Virgil (Oktober 1969, eröffnet vom späteren Erzbischof Eduard Macheiner) Wolfgang Hollegha (1. bis 17. April 1971) Franz Josef Altenburg (Dezember 1971)
Bei der Pongratz-Eröffnung am 17. August 1967 war auch der Gründer des Residenz Verlages, Wolfgang Schaffler, anwesend, dem Widrich kurz zuvor den Kontakt zu Peter Handke vermittelt hatte.
Übergang zur Galerie im Studentenhaus 1974 übergab Hans Widrich die Galerie samt Inventar an die Katholische Hochschulgemeinde, was mit Zustimmung des Sponsors erfolgte. Sie wurde fortan als Galerie im Studentenhaus weitergeführt; am 15. Oktober 1974 übernahm Klemens Renoldner die Leitung. Wilhelm Holzbauer organisierte in der Folge unter anderem Ausstellungen seiner Freunde Heinz Tesar und Oswald Oberhuber. Seit Sommer 2005 bespielt die Wiener Galerie Heike Curtze die Räume zur Festspielzeit mit Werken renommierter österreichischer und internationaler Künstlerinnen und Künstler.
Editionen Parallel zu den Ausstellungen organisierte Hans Widrich erste Druckgrafik-Editionen, darunter eine Mappe mit acht schwarz-roten Radierungen von Markus Prachensky (mit der Schilling-Münze als Motiv), Drago Prelogs Radierfolge Berge sowie Erwin Reiters Siebdruck-Folge Flugwesen. Im Zusammenhang mit zwei großen Wandgemälden im Bildungshaus St. Virgil, deren Auftrag ebenfalls auf Widrich zurückgeht, entstanden thematische Editionen von Josef Mikl und Peter Pongratz. Aus diesen Aktivitäten ging 1979 der eigenständige Verlag Widrich hervor.Verlag Widrich, Institutionseintrag. In: basis wien. Kunst, Information und Archiv, abgerufen am 2026-05-30.
Bedeutung Die Galerie war neben der traditionsreichen Galerie Welz die erste Adresse in Salzburg, an der zeitgenössische österreichische Kunst kontinuierlich gezeigt wurde. Das Salzburger Kulturlexikon zählt sie zu den Pioniereinrichtungen der Salzburger Galerienlandschaft und nennt Hans Widrich gemeinsam mit Georg Armstorfer als prägende Galeristenfigur dieser Phase. Aus der Eröffnungsausstellung von Erwin Reiter ging der Auftrag für den Brunnen Landung mit Wasserkühlung am Mönchsberg 10 hervor. Anselm Wagner ordnet die Galerie im Rahmen seines Beitrags zur Geschichte des Salzburger Kunstvereins als Vorlauf der späteren Tätigkeit Hans Widrichs als Kunstvereinspräsident (1976 bis 1979) ein.Anselm Wagner: Der Kunstverein unter der Leitung Hans Widrichs (1976–1979). Vom Künstlerverein zur Kunsthalle. In: 150 Jahre Salzburger Kunstverein. Salzburg 2009.
Rezeption Die Salzburger Nachrichten besprachen die Ausstellungen regelmäßig, mehrfach durch Rudolf Bock. Die Galerie wurde dort wiederholt als Beleg dafür angeführt, dass die Bezeichnung Österreichs als „künstlerische Provinz“ nicht zutreffe.
Literatur Hans Widrich: Bei den Fischottern. Erinnerungen. Salzburg 2016, Kapitel Neue Kunst in Salzburg, die Galerie in der Marktgasse, S. 165–168 (mit Auszügen aus zeitgenössischen Kritiken). Anselm Wagner: Der Kunstverein unter der Leitung Hans Widrichs (1976–1979). Vom Künstlerverein zur Kunsthalle. In: 150 Jahre Salzburger Kunstverein. Salzburg 2009. Nikolaus Schaffer, Dietgard Grimmer: Ausstellungsorte für aktuelle Kunst. In: Salzburger Kulturlexikon 3.0. Salzburg, Stand 2021. Rudolf Bock: Ausstellungsrezensionen in den Salzburger Nachrichten, 1967 bis 1969.
Weblinks
Einzelnachweise
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