mini|Johannes Brahms, um 1866 Das 2. Streichsextett G-Dur op. 36 von Johannes Brahms (1833–1897) entstand hauptsächlich 1864/1865 und wurde 1866 uraufgeführt.

Entstehung, Druck, Uraufführung und Fassungen Die ersten drei Sätze des 2. Streichsextetts in G-Dur entstanden während eines Sommeraufenthalts in Lichtental (Baden-Baden) – wobei Brahms auch auf Material aus der Mitte der 1850er Jahre zurückgriff – und waren im September 1864 abgeschlossen. Die Komposition des Finalsatzes folgte bei einem weiteren Aufenthalt in Baden-Baden im Mai 1865. Bis Ende Juli stellte Brahms außerdem ein Arrangement für Klavier zu vier Händen fertig.

Die Veröffentlichung gestaltete sich schwierig, da der Verlag Simrock, bei dem bereits das 1. Sextett (in gleicher Besetzung mit je 2 Violinen, 2 Bratschen und Violoncelli) erschienen war, zunächst ablehnend, zumindest aber zögernd reagierte. Der Verlag Breitkopf & Härtel sagte zunächst zu, widerrief seine Zusage dann aber wieder. Auf dessen späteres Einlenken ließ sich der gekränkte Komponist nicht mehr ein und offerierte Breitkopf & Härtel auch künftig keines seiner Werke. Indessen hatte sich Simrock doch zu einer Zusage bereit gefunden und druckte das Sextett im April 1866 mit der Opuszahl 36.

Nach zunächst privaten Aufführungen kam das Sextett am 11. Oktober 1866 in Boston zur UraufführungStichvorlagen, Erstdrucke; Brahms-Institut d. Musikhochschule Lübeck; der zuweilen als Uraufführungsdatum genannte 20. November 1866 in Zürichetwa bei Vorwort zur Urtextausgabe, Katrin Eich (Hrsg., 2018), Henle HN 1083 ist somit die europäische Erstaufführung.

1883 erschien eine Fassung für Klaviertrio, arrangiert von dem mit Brahms befreundeten Theodor Kirchner. 1939 legte Kurt Atterberg eine Version für Streichorchester vor.

Charakterisierung Das 2. Streichsextett G-Dur op. 36 von Johannes Brahms ist viersätzig, die Spieldauer liegt bei etwa 40 Minuten.

I. Allegro non troppo

Das Hauptthema des stimmungsmäßig vorwiegend hellen Kopfsatzes wird von der 1. Violine eingeführt und ist durch charakteristische Quintsprünge gekennzeichnet. In den gesanglichen Seitensatz hat Brahms den Vornamen seiner kurzzeitigen Verlobten Agathe von Siebold (a-g-a-(d)h-e) eingeflochten.

II. Scherzo. Allegro non troppo – Presto giocoso – Tempo primo

Im Scherzo umrahmt ein g-Moll-Teil ein kraftvolles, an die Ungarischen Tänze erinnerndes Trio in G-Dur.

III. Poco Adagio

Im 3. Satz, der in e-Moll steht, wird ein wehmütiges Thema, das Bezüge zum Hauptthema des 1. Satzes besitzt, durch fünf kunstvolle Variationen geführt. Schon zu Beginn kontrapunktisch umspielt, ist es schwer erkennbar, so dass der mit Brahms verbundene Eduard Hanslick, der mit dem Sextett insgesamt wenig anfangen konnte, den Satz als „eine Art freier Variationen über kein Thema“zit. n. Max Kalbeck: Johannes Brahms. Band II, Neudruck, Breitkopf & Härtel, Tutzing, 1921/1976, ISBN 3-7952-0187-X, S. 161 kennzeichnete.

IV. Poco Allegro

Im Finale, das in a-Moll beginnt, verschränken sich Sonatenform und Rondo, da Brahms zwischen die Themen ein mehrfach wiederkehrendes Sechzehntelmotiv einschiebt.

Einzelnachweise

Literatur Friedhelm Krummacher: Kammermusik für Streichinstrumente, in: Wolfgang Sandberger (Hrsg.): Brahms Handbuch. Gemeinschaftsausgabe J. B. Metzler’sche Verlagsbuchhandlung und Bärenreiter, 2009, ISBN 978-3-476-02233-2 (Bärenr.), S. 382–389. Hans Renner: Reclams Kammermusikführer. Ph. Reclam jun., Stuttgart, 8. Aufl., 1976, S. 477–479, ISBN 3-15-008001-0.

Weblinks

Vorwort zur Urtextausgabe, Katrin Eich (Hrsg., 2018), Henle HN 1083 Werkeinführung Kammermusikführer, Villa Musica Stichvorlagen, Erstdrucke; Brahms-Institut d. Musikhochschule Lübeck

Streichsextett #02 Kategorie:Musik 1866 Kategorie:Sextett (Werk)