BRD ist eine nicht offizielle Abkürzung für die Bundesrepublik Deutschland, die mitunter im wissenschaftlichen und insbesondere politischen Kontext verwendet wird, analog zur Abkürzung „DDR“ während der Epoche von 1949 bis 1990. Amtliche Verlautbarungen der Bundesrepublik enthalten die Abkürzung dagegen seit Anfang der 1970er-Jahre nicht mehr.Helmut Berschin: Deutschlandbegriff im sprachlichen Wandel. In: Werner Weidenfeld, Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit. 1949–1989–1999, Neuausgabe, Campus Verlag, Frankfurt am Main 1999, S. 217–225, hier S. 222–224.

Entstehung und Verwendung des Begriffs Abkürzung in der Bundesrepublik Deutschland Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde die Abkürzung „BRD“ dort zunächst wertfrei verwendet. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) ermittelte 1988 als ältesten Beleg den Aufsatz Die verfassungsrechtlichen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland des seinerzeitigen Ordinarius für öffentliches Recht und Völkerrecht an der Universität Freiburg, Wilhelm Grewe, in der Deutschen Rechts-Zeitschrift vom 20. Juni 1949.Wilhelm Grewe: Die verfassungsrechtlichen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland, Teil I: Das Besatzungsstatut. In: Deutsche Rechts-Zeitschrift, J. C. B. Mohr, Tübingen 1949, S. 265–270. Nachdruck in Der Sprachdienst, Hrsg. Gesellschaft für deutsche Sprache, 1988, S. 137 ff.; dazu kritisch Friedrich-Christian Schroeder, Wilhelm Grewe hat nicht den Begriff „BRD“ eingeführt. Seltsames Preisausschreiben einer Gesellschaft für deutsche Sprache, Die Welt vom 2. September 1989, S. 2. In gewissem Umfang war diese Abkürzung bereits in den 1950er-Jahren gebräuchlich.

Der Rechtschreibduden – von 1956 bis 1996 in Westdeutschland maßgeblich für die amtliche deutsche Rechtschreibung – führte 1967 die Abkürzung erstmals in seiner 16. Auflage. Im Juli 1965 legte das damalige Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen unter Erich Mende (FDP) „Richtlinien für die Bezeichnung [I.] Deutschlands; [II.] der Demarkationslinien innerhalb Deutschlands; [III.] der Orte innerhalb Deutschlands (Bezeichnungsrichtlinien)“ fest. Darin wurde Folgendes im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl. S. 227 f.) beschrieben:

Anfang der 1970er-Jahre begann eine Kontroverse um die Abkürzung „BRD“, als in einigen Bundesländern der Gebrauch untersagt wurde, da sie durch die häufige Verwendung in der DDR als „kommunistische Erfindung“ und „Agitationsformel“ verfemt sei.Vgl. dazu Helmut Berschin, Deutschland – ein Name im Wandel. Die deutsche Frage im Spiegel der Sprache. München 1979, S. 25 ff.; er weist „BRD“ für die DDR als Ersatzbezeichnung für ältere Kampfbezeichnungen wie „westdeutscher Separatstaat“, „Bonner Regime“ u. ä. aus.Georg Stötzel, Martin Wengeler, Karin Böke, Kontroverse Begriffe. Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland, de Gruyter, Berlin/New York 1995, ISBN 3-11-014106-X, S. 320. Mit der Vermeidung dieser Abkürzung wollte sich die bundesdeutsche Seite vom Sprachgebrauch in der DDR abgrenzen und verhindern, dass west- und ostdeutscher Staat durch analoge Abkürzungen auf eine Stufe gestellt werden. Die Bundesrepublik Deutschland betrachtete sich trotz aller Lockerungen im deutsch-deutschen Verhältnis stets als völkerrechtlich einzig legitimen deutschen Staat (keine völkerrechtliche Anerkennung der DDR), da nur ihre Regierung aus demokratischen Wahlen hervorging. Die Bezeichnung „Deutschland“ beanspruchte sie für Gesamtdeutschland und damit stellvertretend für sich selbst. Durch die fortdauernde Verwendung dieses Begriffs sollte die Existenz einer deutschen Nation – Deutschland als Ganzes – im öffentlichen Bewusstsein gehalten werden, um das Staatsziel der Wiedervereinigung nicht zu gefährden. Am 31. Mai 1974 empfahlen dann die Regierungschefs des Bundes und der Länder, „dass im amtlichen Sprachgebrauch die volle Bezeichnung ‚Bundesrepublik Deutschland‘ verwendet werden“ solle.

Ab Juni 1974 wurden von der Kultusministerkonferenz (KMK) Schulbücher mit dem Kürzel „BRD“ nicht mehr zugelassen. In Aufsätzen in West-Berlin durfte es, wenn das Thema Deutschland im Unterricht behandelt worden war, als Fehler angestrichen werden.„Wer BRD sagt, richtet Unheil an“, Der Spiegel 39/1978 vom 25. September 1978. Seit dem 4. Oktober 1976 gibt es einen Runderlass des Kultusministers von Schleswig-Holstein (NBl. KM. Schl.-H. S. 274), der jede Abkürzung für nicht „wünschenswert“ erklärt.

Im Jahr 1977 nahm die GfdS die Abkürzung in die Liste der Wörter des Jahres auf.

Andreas von Schoeler, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, gab am 30. November 1979 dem Deutschen Bundestag die Auskunft, dass von dem Gebrauch des Akronyms „BRD“ Abstand zu nehmen sei. Nachdem schon in den siebziger Jahren die Kultusministerien einzelner Länder darauf hingewiesen hatten, dass die volle Bezeichnung „Bundesrepublik Deutschland“ im Schulunterricht benutzt werden sollte, fasste die Kultusministerkonferenz in ihrer 202. Plenarsitzung am 12. Februar 1981 den Beschluss, die Abkürzung „BRD“ in Schulbüchern und kartografischen Werken für den Unterricht nicht mehr zu verwenden. Er wurde von einzelnen Ländern durch Bekanntmachung in ihren Amtsblättern in Landesrecht umgesetzt, so unter anderem in Baden-Württemberg am 14. April und in Schleswig-Holstein am 4. August 1981., Der Aktuelle Begriff Nr. 71/09 vom 4. September 2009 (PDF; 44 kB).

Die amtliche Auffassung zu BRD ist einer der wenigen Fälle (siehe auch Orthographie), in denen so versucht wurde, direkt in den bundesdeutschen Sprachgebrauch einzugreifen.

In den 1980er-Jahren verband sich im Zusammenhang mit der Flick-Affäre der „gekauften Republik“ das Kürzel auch mit dem polemisch-politischen Schlagwort „Bananenrepublik Deutschland“.Herbert Ernst Wiegand: Studien zur neuhochdeutschen Lexikographie. Georg Olms Verlag, 1986, ISBN 3-487-07838-4, S. 104.

Abkürzung in der Deutschen Demokratischen Republik In der Deutschen Demokratischen Republik wurde die Bundesrepublik in den ersten beiden Jahrzehnten der deutschen Teilung meist Westdeutschland genannt. Die SED-Führung vermied damit die amtliche Bezeichnung Bundesrepublik Deutschland. In offiziellen Schreiben wurden daher zeitweise auch die Bezeichnungen „westdeutsche Bundesrepublik“ und „Deutsche Bundesrepublik“ (DBR) gebraucht.Insbesondere die Bezeichnung „Deutsche Bundesrepublik“ fand sich in den Anfangsjahren auch außerhalb der Grenzen Deutschlands, so etwa in Österreich, vgl. z. B. , Der Spiegel 35/1955 vom 24. August 1955. Darin kam vor allem die Analogie zum Staatsnamen Deutsche Demokratische Republik (DDR) zum Vorschein, um die von der Sowjetunion postulierte Zwei-Staaten-Theorie zu betonen und den Begriff Deutschland für eine gesamtdeutsche Nation offenzuhalten. Als Reflex darauf, dass diese Bezeichnung dann auch in der Bundesrepublik sogar teils von Vertriebenenpolitikern verwendet wurde, wies die Bundesregierung in ihren Bezeichnungsrichtlinien von 1961 „Deutsche Bundesrepublik“ als „terminologisches Pendant zur ‚Zweistaatentheorie‘“ aus, wodurch die Bezeichnung als „inkorrekt“ und „grundsätzlich zu vermeiden“ gebrandmarkt wurde.Richtlinien für die Schreibweise von Namen, die Bezeichnung von Gebieten und Grenzen und die Darstellung der deutschen Grenzen in Karten und Texten vom 1. Februar 1961; hier zit. nach Ernst Deubelli, Die Deutschlandpolitik in ihrer politischen Sprache – Eine Untersuchung über den Zeitraum von 1949 bis zum Inkrafttreten des Grundlagenvertrages 1973. (Diss.) München 1982, S. 74.

Auch die ostdeutsche Literatur nahm diese Bezeichnung auf. Dies änderte sich jedoch 1968 mit dem Inkrafttreten der neuen DDR-Verfassung. Seither wurde in der DDR für die Bundesrepublik neben der amtlichen Staatsbezeichnung Bundesrepublik Deutschland offiziell verstärkt die Abkürzung BRD verwendet. Dies sollte die Gleichberechtigung der beiden Staaten ausdrücken; die Bezeichnung verbreitete sich auch im allgemeinen Sprachgebrauch.

Konsentierte bundesdeutsche Abkürzungen mini|BR Deutschland: Mannschaftsbus der bundesdeutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 mini|D-Schild

In den alten Bundesländern wurden bis zur Deutschen Einheit und werden teilweise auch danachSiehe z. B. die verwendete Abkürzung auf dejure.org.Siehe in VIZ 1997 Heft 4 Rechtsprechung auf beck-online (C.H. Beck). die Abkürzungen BR Deutschland (auch BRep Deutschland), BR Dt., BR Dtl., BRDt., BRep.Dtschl., BRep. Dtschld., B’Rep. Dt., B.Rep. Dtld., BRep.D, BR Dtld. oder vereinzelt – soweit kontextbezogen – einfach BRep.Buddendiek/Rutkowski: Strafrechtliche Nebengesetze, 31. Auflage 2007, Kap. „Abkürzungen“, in: Stichwortband. Lexikon des Nebenstrafrechts auf beck-online (C.H. Beck). und Dtld. bevorzugt; eine Verwendung des Kürzels „BRD“ war hingegen von offizieller Seite nicht erwünscht (siehe auch Abschnitt „Heutige Verwendung“). Im mündlichen Sprachgebrauch war und ist der Kurzname Bundesrepublik für die Bundesrepublik Deutschland gebräuchlich.

Kfz-Nationalitätszeichen Dass beide deutsche Staaten das Nationalitätenkennzeichen D verwendeten, hatte 1971 zur gleichnamigen Benennung des westdeutschen Fernsehmagazins Kennzeichen D geführt.

Um ihre „Eigenständigkeit zu betonen“, ersetzte die DDR das D-Kennzeichen ab dem 1. Januar 1974 durch das Nationalitätskennzeichen DDR.Christoph H. Werth: Entspannungspolitik nach außen, Repression nach innen – die deutsch-deutschen Beziehungen 1969–1989. In: Michael Berg, Knut Holtsträter, Albrecht von Massow (Hrsg.): Die unerträgliche Leichtigkeit der Kunst. Ästhetisches und politisches Handeln in der DDR. Böhlau, Köln 2007, S. 7. Daraufhin riefen in der Bundesrepublik linke Gruppierungen, besonders die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), ihre Anhänger dazu auf, an ihren Kraftfahrzeugen das „anmaßende“ Nationalitätenkennzeichen D, auch „D-Schild“ genannt, durch ein Schild mit den Buchstaben BRD zu ersetzen.Otthein Rammstedt, Gert Schmidt: BRD ade! Vierzig Jahre in Rück-Ansichten von Sozial- und Kulturwissenschaftlern. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, ISBN 978-3-518-11773-6, S. 428. In solchen Fällen wurden im öffentlichen Straßenverkehr mitunter Bußgeldbescheide verteilt, was damit begründet wurde, dass der „BRD“-Aufkleber mit einem fremden Nationalitätskennzeichen verwechselt werden könnte. Dagegen brachten im Zuge der Wende im Herbst 1989 DDR-Bürger ihr Streben nach nationaler Einheit mit der Umwandlung ihres DDR-Schilds in ein D-Schild durch Tilgung des ersten und letzten Buchstabens zum Ausdruck.Information des LeMO, abgerufen am 14. Oktober 2016.

Internationale Abkürzungen International waren und teilweise sind die entsprechenden Abkürzungen wie FRG (für Federal Republic of Germany) im Englischen und RFA (République Fédérale d’Allemagne) im Französischen üblich. Die russische Abkürzung ФРГ (für Федеративная Республика Германия, Federatiwnaja Respublika Germanija) ist auch heute noch sehr gebräuchlich.

Heutige Verwendung