Alt-Treptow ist ein Ortsteil und einer der Namensgeber des Bezirks Treptow-Köpenick in Berlin.

An Alt-Treptow grenzen im Südwesten der Ortsteil Neukölln, im Nordwesten Kreuzberg, im Nordosten Friedrichshain sowie im Südosten Plänterwald. Alt-Treptow ist ein Knotenpunkt der Straßen-, Wasser- und Schienenwege der Stadt Berlin.

Geschichte

Ursprung und Entwicklung In dem Gebiet sind einige Spuren von Jägern und Sammlern aus der Mittelsteinzeit überliefert. Eine der ältesten Spuren ist eine facettierte Hammeraxt aus dem Neolithikum, die im Schlesischen Busch gefunden wurde. Die Facettierung weist darauf hin, dass sie der mitteldeutschen Schnurkeramik zuzurechnen ist. Eine erste dauerhafte Besiedlung des Gebiets im heutigen Alt-Treptow konnte auf das 6. oder 7. Jahrhundert datiert und Slawen (Wenden) zugeordnet werden. Der Name Treptow bezog sich anfangs wohl auf die Flusserweiterung südlich des Rummelsburger Sees und hatte verschiedene Varianten (Trebow, Trebkow, Trebikow, Trepkow). Im Laufe der Zeit ging die Bezeichnung auf eine Fischereisiedlung über, die in dem waldreichen Gebiet an einer fischreichen Stelle gegründet worden war. Die Bewohner nannten die Siedlung ausweislich einer Kämmereirechnung aus dem Jahr 1568 Der Trebow. Einige Quellen führen als Ursprung für den Wortstamm die slawischen Wörter drewo (‚Laubholz‘) bzw. drewko (‚kleines Laubholz‘) an, während andere Quellen auf das Wasser (Treptau) abzielen. Überlieferungen zufolge befindet sich heute an der Stelle das Gasthaus Zenner. Die Rechnung führt weiterhin aus, dass die Bewohner für das Recht, Fischerei zu betreiben, 24 Groschen Wasserzins und 32 Groschen Heidegeld für die Bienenzucht an die Stadt entrichten mussten. 1590 führt ein Protokoll der Stadt aus: „An Trebkow […] hat der Rath zu Cölln ein Heußlein und an dem Fließ, so von Rixdorf in die Spree gehet, zwo mehr“. Weitere Ansiedlungen sind nicht bekannt, zumal die Gegend vor der Stadtmauer als unsicher galt. Der Floßgraben, später als Landwehrgraben bezeichnet – heute verläuft dort der Landwehrkanal – bildete die Stadtgrenze von Berlin und diente zur Entwässerung der Feldmark. Südlich dieses Grabens erstreckte sich die Köllnische Heide, früher auch Mirica genannt. Markgraf Otto III. von Brandenburg hatte dieses Gebiet entlang der Spree mit allen Rechten und Nutzungen der Bürgerschaft Kölln als vererbbaren Besitz überschrieben, verfügte die damals noch junge Stadt über wenig Bauholz. Zum nördlichen Teil, auch Vorderheide oder Birkheide genannt, gehörte auch das heutige Alt-Treptow; der südliche Teil, einschließlich der 1435 vom Johanniterorden erworbenen Spreeheide (auch Hinterheide genannt) dehnte sich bis zum Köpenicker Forst aus, die Grenze bildete das sogenannte Kannefließ. Dieses Gebiet entspricht ungefähr dem heutigen Ortsteil Baumschulenweg. Bei der Vereinigung von Alt-Berlin, Kölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin 1709 kam die bis dahin auch als Stadtforst bezeichnete Köllnische Heide zu Berlin.

Vorwerk Treptow mini|hochkant=1.5|Insel der Jugend in der Spree

Um 1261 überließ der Ritter Rudolf von Stralau das Vorwerk Treptow, als dessen Vorbesitzer Templer genannt werden und das bis ins 19. Jahrhundert noch als Burgwall bezeichnet wurde, der Stadt Kölln. 1568 findet es sich dort unter dem Namen Trebow auf einer Kämmereirechnung, mit der die Existenz eines Fischerhauses belegt wird. Dieses lag vermutlich an der Mündung des bis heute existierenden Heidekampgrabens und war wahrscheinlich auch der Fischereibetrieb, der ab 1602 von der Stadt Kölln getragen wurde, die dort einen Fischer anstellte. Im 17. Jahrhundert finden sich in den Kämmereirechnungen der Stadt Kölln keine Erwähnungen, sodass zu vermuten ist, dass dieser Betrieb im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs aufgegeben wurde. Stattdessen eröffnet 1653 Erdtmann Schmoll, kurfürstlicher Küchenmeister, einen Wein- und Bierausschank. 1707 kam es durch den ehemaligen Köllner Bürgermeister Johann Lauer zu einer Neuansiedlung mit Stallung, Scheune und Nebengebäude; dieser Flecken wurde als Vorwerck Trepkow oder Vorwerk Treptow bezeichnet. Er plante, die Siedlung für die kommenden neun Jahre für eine Pacht von 40 Talern pro Jahr zu bewirtschaften. Aus gesundheitlichen Gründen musste er die Siedlung nach vier Jahren jedoch wieder abgeben, woraufhin der Magistrat einen anderen Pächter suchen musste. 1727 eröffnete der damalige Förster einen weiteren Bierausschank und trug damit dem Trend Rechnung, dass immer mehr Berliner die Region vor den Toren der Stadt für Ausflüge und zur Freizeitgestaltung nutzten. 1730 war die Ansiedlung schon erweitert um ein Backhaus, ein Brauhaus und eine Windmühle. Vier Jahre später erweiterte der Förster das Gebäude, die Spreebudike, um eine Kegelbahn, eine Kaffeeschenke und ein zweites Stockwerk. Auf diesem Areal stand später auch das Gasthaus Zenner. Erweitert um sechs Grundstücke, die 1779 Siedlern zugesprochen wurden, wurde die Ansiedlung als Kolonie Treptow bezeichnet. Die Kolonisten betrieben ebenfalls Ausflugslokale und prägten das geflügelte Wort „Hier können Familien Kaffee kochen“. Bereits 1752 entstanden am damaligen Floßgraben auf der Treptower Seite zwei Lohmühlen (Lutze und Busset) im Gebiet der heutigen Lohmühlenstraße. Diese war damals eher ein ausgetretener Pfad, der sich 1783 erstmals als Kohlhorstweg auf einer Karte eingezeichnet findet, vom Schlesischen Tor nach Rixdorf führend.

Gutsbezirk Treptow Das Gebiet trug 1808 die amtliche Bezeichnung Gutsbezirk Treptow. Hierzu gehörten das Alte Vorwerk aus dem Jahr 1779, die drei Doppelhäuser der sächsischen Kolonisten sowie die Gaststätte Spreebudike. Dieser Komplex wurde 1817 aufgelöst; dort entstand 1821/1822 das Magistrats-Kaffeehaus Treptow, später dann das heutige Zenner.

Im Jahr 1823 beschloss der Magistrat, große Teile der Köllnischen Heide abzuholzen. Als Grund gab man an, dass der Forst unrentabel geworden sei und darüber hinaus der Diebstahl an Bau- und Brennholz überhandgenommen habe. Die Kämmereikasse erhoffte sich Einnahmen in Höhe von rund 100.000 Talern; offiziell überliefert sind 99.825 Taler, während andere Quellen von nur 83.325 Talern sprechen. Ausgenommen wurden nur der Schlesische Busch und der Alte Treptower Park. Die freigewordenen Flächen wurden anschließend vom Magistrat vermarktet, wobei es hier zu Grundstücksspekulationen gekommen sein soll. Bauern, die auf den zuvor kommunalen Flächen Ackerbau und Viehzucht betrieben hatten, beriefen sich auf ein Gewohnheitsrecht und forderten vom Magistrat Ersatzansprüche. 1840 war die Rodung abgeschlossen, und da in der Folge die privaten Grundstücke auch erschlossen werden mussten, wurden 1842 erstmals Straßen benannt: der Lohmühlen-Weg (heute: Lohmühlenstraße), der nach der Familie Bouché benannte Bouché-Weg (heute: Bouchéstraße), der Kiefholz-Weg (heute: Kiefholzstraße), die Elsen-Allee (heute: Elsenstraße), die Treptower Allee (heute: Puschkinallee), die Park-Allee (heute: Bulgarische Straße) und die Neue-Krug-Allee. Der Bereich westlich der Köpenicker Landstraße (heute: Am Treptower Park) bis zu den später gelegten Eisenbahngleisen und zwischen Elsen-Allee und Bouché-Weg wurde als Exerzierplatz für die Berliner Garnison der Preußischen Armee genutzt.

Wald, Heide und die Spree waren schon seit dem 18. Jahrhundert Anziehungspunkte für Ausflügler aus Berlin. Seit 1864 gab es dann auch Dampfschifffahrten zwischen der Anlegestelle Jannowitzbrücke und Treptow. Das Gasthaus Zenner entwickelte sich zu einem Sammelpunkt der Ausflügler, weitere Kaffee-, Bier- und Gartenlokale kamen hinzu und Treptow wurde zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner.

Als Wohnort war der Gutsbezirk Treptow jedoch lange Zeit nicht beliebt, da der Untergrund sich nicht zum Bauen eignete. Treptow liegt im Tal der Oberspree und ist Teil des Berliner Urstromtals. Es gab zur damaligen Zeit noch alte vertorfte Spreearme und sumpfigen Boden. Im Herbst und Frühjahr waren große Teile Überschwemmungsgebiet. Straßen und Bahnstrecken wurden deshalb auf Dämmen geführt. Dies änderte sich mit der Rodung der Köllnischen Heide.

Erstmals findet sich 1842 die Bezeichnung Lohmühlenweg in einem amtlichen Dokument. Die nach der Abholzung der Köllnischen Heide entstehenden Grundstücke waren vom Boden her gut für den Pflanzenanbau geeignet, sodass sich entsprechende Betriebe ansiedelten. Um 1875 waren auf dem Gebiet zwischen der heutigen Lohmühlen- und der Elsenstraße, westlich des Exerzierplatzes und der Berlin-Görlitzer Bahnlinie, die in den 1860er Jahren gebaut wurde, hauptsächlich Gärtnereien angesiedelt. Östlich der Bahnlinie, an der heutigen Jordanstraße, befanden sich die Gebäude der 1850 gegründeten Chemischen Fabrik von Jordan, dem ersten Industriebetrieb Treptows. Später hatte die Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (Agfa) dort ihren Sitz.

Zwischen der Treptower Chaussee und der Spree, nach Norden hin am Landwehrkanal gelegen, siedelte sich 1859 die Fabrik für Landmaschinen von Carl Beermann an. Seine Söhne, die Gebrüder Hermann und Georg Beermann, verlegten 1872 den erweiterten Firmensitz in die Eichenstraße. 1924 wurde die Beermannsche Fabrikationsstätte von der Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktien-Gesellschaft (ABOAG) übernommen und für den Bau und die Reparatur von Autobussen genutzt. An diese evangelische Unternehmerfamilie jüdischer Herkunft erinnerte von 1904 bis 1938 die Beermannstraße, die seit 1947 wieder diesen Namen trägt.

Nach 1860 übernahm die Lederfabrik Kampffmeyer (später: Firma Dr. M. J. Salomon & Co.) eine der beiden dort vorhandenen Lohmühlen, nämlich die Bussetsche Lohmühle.

Die 1866 als Handwerksbetrieb gegründete Firma Ehrich & Graetz stellte bis 1902 vor allem Petroleumlampen her und entwickelte sich zu einem international gefragten Unternehmen für Gasbeleuchtungstechnik und Gasbrenngeräte. Mit ihren Grätz-Laternen trug die Firma maßgeblich zur ersten Berliner Straßenbeleuchtung bei. Von 1907 bis 1962 trug die bedeutendste Einkaufsstraße Alt-Treptows den Namen Graetzstraße, nunmehr erinnert diese an den 1943 hingerichteten Treptower Arbeiter und Widerstandskämpfer Karl Kunger.

Landgemeinde Treptow Am 22. Januar 1876 wurde der Gutsbezirk Treptow durch einen königlichen Erlass in die Landgemeinde Treptow umgewandelt, die dem Landkreis Teltow angehörte. Das Gebiet entsprach etwa den heutigen Ortsteilen Treptow, Plänterwald und Baumschulenweg. 1876 bestand die Landgemeinde aus 37 Grundstücken und hatte 567 Einwohner.

Die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen ersten Industrieansiedlungen brachten zusätzliche finanzielle Mittel, sodass Treptow nicht nur vom Ausflugsverkehr profitierte. Zwischen 1876 und 1878 legte Gustav Meyer den Treptower Park an.

Aufgrund der gestiegenen Popularität der Landgemeinde wurde 1878 eine Pferdebahn vom Spittelmarkt bis nach Alt-Treptow eingerichtet.

Im Zuge der Vorbereitung der Großen Berliner Gewerbeausstellung 1896 kam es in der Landgemeinde Treptow zu zahlreichen Infrastrukturänderungen und -verbesserungen. Viele Straßen wurden angelegt und befestigt, der öffentliche Nahverkehr wurde ausgebaut.

mini|Einfahrt des Spreetunnels auf der Treptower Seite, 1899 Im Jahr 1895 wurde zwischen Treptow und Stralau, etwas nördlich von der heutigen Insel der Jugend, der eingleisige Spreetunnel Stralau–Treptow gebaut. Er war ein erster Versuch für den Bau einer städtischen Untergrundbahn in Berlin. Der Tunnel hatte eine Länge von 454 Metern, davon verliefen 200 Meter unter der Spree; der tiefste Punkt der Röhre lag zwölf Meter unter dem Wasserspiegel. Am 17. Juli 1899 fand eine erste Probefahrt statt, am 18. Dezember wurde der reguläre Betrieb der sogenannten Knüppelbahn aufgenommen. 1931 wurde der Bahnverkehr wegen gefährdeter Verkehrssicherheit eingestellt. Danach durfte der Tunnel noch von Fußgängern benutzt werden, im Zweiten Weltkrieg diente er als Luftschutzraum. Am 26. Februar 1945 wurde er zerstört und geflutet.