Die Festung von Gəncə (aserbaidschanisch Gəncə qalası) ist ein historisches Architekturdenkmal aus dem 16. Jahrhundert in Gəncə, der zweitgrößten Stadt Aserbaidschans.
Geschichte mini|Erhalten gebliebener Abschnitt der Festung von Gəncə Im Verlauf des 16. Jahrhunderts war das alte Gəncə wiederholt Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen zwischen dem Safawiden- und dem Osmanischen Reich. Nach der Eroberung der Stadt durch die Osmanen unter dem Kommando von Farhad Pascha im Jahr 1587 wurden unverzüglich umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung und Verstärkung der städtischen Verteidigungsanlagen eingeleitet. 1588 begann die Errichtung neuer Festungsmauern, die die strategische Bedeutung von Gəncə als Grenz- und Festungsstadt unterstreichen sollten.
Während des nächsten Osmanisch-Safawidischen Krieges (1603–1618) gelangte Gəncə 1606 erneut unter die Herrschaft der Safawiden. Nach der Einnahme der Stadt ordnete der Safawiden-Schah Abbas I. die Zerstörung der Befestigungsanlagen der Altstadt sowie die Verlagerung des städtischen Zentrums in die Festung an. In der Folge wurden umfangreiche Befestigungsarbeiten durchgeführt, um die strategische Bedeutung der Stadt als regionales Verwaltungs- und Verteidigungszentrum zu stärken.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Festung zum politischen Zentrum des neu entstandenen Gəncə-Khanats. In dieser Epoche zählte die Stadt zu den größten und wirtschaftlich bedeutendsten Handelszentren der Region.
Gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts blieb Gəncə im Zentrum der russisch-iranischen Auseinandersetzungen. Nach einer kurzen Phase russischer Militärverwaltung im Jahr 1796 ließ der Gəncə-Khan die städtischen Befestigungsanlagen erneut verstärken. 1804 wurde die Festung nach einer mehr als einmonatigen Belagerung und schweren Kämpfen von der Zarenarmee eingenommen. Unmittelbar im Anschluss daran wurden der Khans-Palast, der den Kern der inneren Festung bildete, auf Anordnung des russischen Generals Pawel Dmitrijewitsch Zizianow, der die Zaren-Truppen befehligte, geplündert und zerstört. Zwischen 1500 und 3000 Zivilisten wurden dabei massakriert.
Architektur Beim Bau der Festung wurden mehrere Stadtviertel von Gəncə innerhalb der Mauerringe integriert und bewusst in das Verteidigungssystem einbezogen. Die Anlage wies einen unregelmäßigen polygonalen Grundriss auf. Als Baumaterialien dienten traditionell für die Baukultur der Stadt charakteristische Werkstoffe wie Lehm, Feldstein und gebrannter roter Ziegel, wodurch insbesondere die südwestlichen, nordwestlichen und nordöstlichen Mauerabschnitte eine erhöhte Stabilität erhielten. Die Gesamtanlage erreichte eine Länge von etwa 13,7 Kilometern bei einer durchschnittlichen Höhe von rund 12 Metern. Entlang der Mauern wurden in Abständen von 200 bis 500 Metern insgesamt 30 zweigeschossige Verteidigungstürme errichtet. In verschiedenen Höhenstufen der Befestigungsanlagen waren Schießscharten sowie Wach- und Beobachtungstürme angelegt, die der aktiven Verteidigung und effektiven Bekämpfung angreifender Truppen dienten. Von diesen Positionen aus konnten die Verteidiger unter anderem kochendes Öl und heißes Fett auf die Angreifer herabgießen, um deren Angriff vorzubeugen und den Vormarsch zu behindern.
Bis in die heutige Zeit haben sich nur noch fragmentarische Reste der Festungsanlage erhalten.
Einzelnachweise
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