Die Kirche St. Johannes der Täufer ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Korb, einer Gemeinde im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Das schlichte Gotteshaus entstand in den Jahren 1965/1966 im markanten Stil des Brutalismus nach Plänen von Hans Kammerer (1922–2000) und Walter Belz (1927–2009). Wegen der langen Tradition des Weinbaus in Korb entschied man sich für das Patrozinium Johannes den Täufers, der als Schutzpatron der Winzer und Küfer gilt.
Geschichte Im Mittelalter war der Korber Ortsteil Steinreinach mit seiner Kirche St. Wolfgang ein bedeutender Wallfahrtsort gewesen. Mit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich von Württemberg trat der katholische Dorfpfarrer Thomas Münderlin 1535 zum Protestantismus über und wurde der erste evangelische Pfarrer in Korb. Die Wallfahrtskirche verfiel im Dreißigjährigen Krieg zu einer Ruine; einzig der Turm blieb erhalten.
Mit der Industrialisierung und dem Eisenbahnbau siedelten sich wieder einige Katholiken in Korb an. Durch Flucht und Vertreibung von Millionen Menschen aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches und den Gebieten des ehemaligen Österreich-Ungarn (Böhmen, Mähren, Ungarn) nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Katholiken im Ort sprunghaft an. 1945 lebten in Korb 20 katholische Christen; 1948 waren es bereits 480. Diese mussten nun lange Wege bis zur nächsten katholischen Kirche zurücklegen. Mit Genehmigung des Oberkirchenrats konnten vorübergehend katholische Messen in der evangelischen Kirche stattfinden. Bis 1950 war die Zahl der Katholiken auf etwa 600 gewachsen. Ab 1959 wurden Spenden für eine eigene Kirche gesammelt. 1962 wurde in Korb eine Pfarrkuratie eingerichtet; der Kurat übernahm nun die Seelsorge und erfüllte alle Aufgaben eines Pfarrers. 1964 wurde die Kuratie zu einer Pfarrverweserei erhoben. In der Folge wurde nach einem geeigneten Grundstück für den Neubau der Kirche gesucht und gefunden.
Die Kirche wurde nach einem Entwurf der Architekten Hans Kammerer und Walter Belz erbaut. Der erste Spatenstich war am 21. März 1965. Am 17. Oktober 1965 wurde der Grundstein durch Dekan Aubele gelegt. Am 1. Advent 1966 wurde die neue Kirche durch Bischof Carl Joseph Leiprecht geweiht.
Pfarrer 1962–1970: Anton Scheffold 1970–1981: Karl Halder 1981–1989: Karl-Heinz Zeiß 1990–2002: Karl Wahl 2003–2011: Hans-Peter Brucker 2012–2025: Karl Gerhard Idler
Architektur und Ausstattung Mit ihren unverputzten Betonwänden wird die Kirche dem Stil des Brutalismus zugeordnet. Die Architektur der Kirche ist geprägt von den liturgischen Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, dessen Ziel es war, die Gläubigen mehr in den Gottesdienst einzubinden. Bewusst wurde von der traditionellen Bauweise der Saalkirche abgewichen und ein Kubus mit einem Zeltdach, das innen mit Holz vertäfelt ist, geschaffen. Der Altar ist in die Mitte gerückt, um den sich die Gemeinde in einem Halbkreis versammeln soll. Bemerkenswert ist ein Betonpfeiler des Künstlers Hans-Dieter Bohnet (Stuttgart) vor dem Eingang der Kirche. Er zeigt ein Auge, ein Ohr und ein Mund. Sie erinnert an den Kirchenpatron Johannes den Täufer, der das Lamm Gottes sah (Auge), an den das Wort Gottes erging (Ohr) und der ein Prediger in der Wüste war (Mund).
Bemerkenswert ist der Kreuzweg mit 14 Stationen von Walter Habdank (1930–2001).
Orgel 1982 wurde eine Orgel der Firma Peter Paul Köberle (Schwäbisch Gmünd) angeschafft und aufgestellt. Die Orgel hat 17 Register. Die Disposition der Orgel lautet wie folgt:
I Hauptwerk C–g31. Prinzipal 8′2. Rohrflöte 8′3. Oktave 4′4. Superoktave 2′5. Sesquialtera II6. Mixtur IV ′ Tremulant II Brustwerk C–g37. Gedeckt 8′8. Salicional 8′9. Prinzipal 4′10. Hohlflöte 4′11. Waldflöte 2′12. Mixtur III ′13. Schalmei 8′ Tremulant Pedal C–f114. Subbass 16′15. Offenbass 8′16. Oktave 4′17. Fagott 8′
Koppeln: II/I, I/P, II/P Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, Tutti, Auslöser, Zungeneinzelabsteller
Literatur Katholische Kirchengemeinde Korb (Hrsg.): 25 Jahre Kirche St. Johannes der Täufer 1966–1991. Korb 1991.
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Einzelnachweise
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