mini|Wappen derer von Kalmüntz in Siebachmers Wappenbuch Kal(l)münzer von Kal(l)münz ist der Name eines landständischen tirolischen Adelsgeschlechts, das zu den ratsfähigen Geschlechtern Merans zählte und 1604 im Mannesstamm erlosch. Im bürgerlichen Stand verbliebene Linien der Kallmünzer lebten noch Ende des 19. Jahrhunderts in Bayern und Österreich.
Bayern Die Kalmünzer sollen den Namen nach, ursprünglich aus dem Markt Kallmünz in der Oberpfalz stammen und bevor ein Zweig im Verlauf des 15. Jahrhunderts nach Meran in die Grafschaft Tirol zog, dem Patriziat von Regensburg angehört haben. Das Patrizierhaus nach der später dort betrieben Wirtschaft „Zum Löwen im Gitter“ später „Zum bayerischen Löwen“ genannt, in der Kalmünzer-Gasse in Regensburg, zeigte in der profanierter Barbarakapelle an einer der Gewölbekonsolen die Geierkralle der Kalmünzer, die als Erbauer von Haus und Kapelle galten. Bereits 1348 wird ein Spross des alten Geschlechts in Regensburg erwähnt. Er oder seine Vorgänger dürften das Haus errichtet haben.Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg. Band 67, Regensburg 1917, S. 82. Das aus der Frühgotik stammende vierstöckige Wohngebäude „Zum Löwen im Gitter“ mit Innenhof und profanierter Kapelle aus dem 13. Jahrhundert wurde bei einem alliierten Luftangriff 1944 zerstört und die Reste 1953/54 abgetragen.
Tirol mini|Schloss Kallmünz 1450 besaß Andreas Kalmünzer, 1448 und 1454 Bürgermeister von Meran, das als „Kalmünz“ bezeichnete Anwesen mit der alten Hausnummer 147. Der Ansitz Kallmünz in Meran war früher als ein landesfürstliches Lehen, mit fünf Gulden jährlichen Grundzins, dem Kelleramt Meran unterstellt. Neben dem Ansitz Kalmünz gehörte den Kalmünzern außerhalb von Meran eine Hofmühle und unter den Berglauben die Gebäude mit den alten Hausnummern 50 und 61. Der laut Grabinschrift im Pfarrturm von Meran, aus der Oberpfalz gebürtige Andre Kalmüntzer zu Kalmüntz war 1460 auch Landrichter von Meran und nacheinander mit Agnes Bejr von Altenburg und Dorothea Merl von Tramin verheiratet. Das Wappen, mit dem er in Meran siegelte, weist ihn möglicherweise als Falkner oder Edelknecht aus dem niederen Adel aus. Seine Söhne, Andreas, 1523 und 1530 ebenfalls Bürgermeister von Meran, sowie Veit, 1530 Amtsverwalter von Meran, bestätigte oder verlieh Kaiser Maximilian I. am 2. März 1516 in Pergine ein Wappen. 1560 erhielt der Tiroler Kammermeister Wolfgang Kalmünzer den Adelsstand und eine Wappenbesserung mit einer Zinnenmauer, sowie 1594 auf landesfürstlichen Befehl die Aufnahme in die ständische Adelsmatrikel Tirols. Die Familie starb 1604 mit Osias Kalmünzer im Mannesstamm aus. Schloss Kallmünz brachte die einzige Tochter von Osias, Anna Katharina an ihren Ehemann Andreas Heidenreich zu Pidenegg. Dessen Tochter Anna Seraphia heiratete den oberösterreichischen Geheimen Rat Christoph Ulrich Pach von Hansenheim zu Hocheppan, dem der Kaiser die Führung des quadrierten Wappens der Kalmünz mit seinem eigenen Wappen als Herzschild erlaubte. Wegen der Wappenbesserung ist anzunehmen, dass der adlige Zweig der Kalmünzer von Kalmünz tatsächlich ausgestorben ist.
Österreich Am 8. Oktober 1757 stiftete die Witwe Maria Theresia Kallmünzer geb. Schwandtner nach dem letzten Willen ihres verstorbenen Ehemannes, des Doktors der Rechte Mathäus Kallmünzer, in Wien das „Callmüntzer’sche Stipendium“ mit einem Kapital von 52.299 Gulden. Die Verwaltung und Präsentationsrechte räumte die Stifterin der Universität Wien ein. Sollten keine Verwandten gefunden werden, würde es Angehörigen aus ehrbaren, bürgerlichen Familien zugutekommen. Die Familien-Stiftungen Deutschlands und Deutsch-Österreichs nahm bei der stiftenden Familie Bezug auf das Wappen von Osias Kallmünzer von Kallmünz von 1586. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass sich ein Zweig der Kallmünzer frühzeitig in Tirol ansässig machte und 1594 in die Adelsmatrikel der Stände Tirols aufgenommen wurde. Ende des 19. Jahrhunderts blühten die Kallmünzer noch in Bayern und Österreich. 1811 wurde der k. k. Oberstleutnant und Garnisons-Artilleriekommandant Stefan Kalmünzer von Kalmünz in den österreichischen Adelsstand erhoben. mini|Epitaph mit Allianzwappen von Christoph Pach von Hansenheim an St. Nikolaus
Wappen Blasonierung des Wappens von Osias Kallmünzer von 1586: Ein in Schwarz und Blau gevierten Schild, in Feld 1 und 4 ein natürlicher Sperberfang nach links, in Feld 2 und 3 eine Zinnenmauer. Helmzier: Zwei Helme mit Krone, auf dem ersten, ein schwarzer, geschlossener Flug, belegt mit einer Sperberfange; auf dem zweiten ein offener Flug, rechts blau, links weiß. Decken schwarz-golden und blau-silbern.
Persönlichkeiten
Andreas Kalmünzer, 1448, 1454, 1483 Bürgermeister von Meran, 1460 Landrichter von Meran Andrä Kalmünzer, 1523, 1530 Stadtrichter und Bürgermeister von Meran Veit Kalmünzer, 1530 Amtsverwalter von Meran Wolfgang Kalmünzer, tirolischer Kammermeister, 1590 Adelsstand, 1594 Tiroler Landstand
Siehe auch
Liste Tiroler Adelsgeschlechter
Einzelnachweise
Kategorie:Patriziat (Regensburg) Kategorie:Patriziergeschlecht (Meran) Kategorie:Tiroler Adelsgeschlecht