Johannes Felke (* 12. September 1890 in Cronenberg bei Wuppertal; † 12. Januar 1968 in Wiesbaden) war ein deutscher Mediziner und Hochschullehrer.

Leben Familie und Ausbildung Johannes Felke wurde in eine evangelisch-lutherische Familie geboren. Er war der Sohn des Pfarrers Emanuel Felke und dessen Ehefrau Eleonore (geb. Müller, 1854–1928).

Am 11. Oktober 1920 heiratete Felke die Medizinalpraktikantin Hildegard (geb. Nietz, * 14. Januar 1894 in Winkenhagen).

Nach dem Besuch des Gymnasiums (siehe Gymnasium Adolfinum) in Moers am Niederrhein erlangte Felke zu Ostern 1908 die Hochschulreife und begann im selben Jahr das Studium der Humanmedizin. Seine akademische Ausbildung führte ihn an mehrere deutsche Universitäten: München, Kiel, Berlin und Rostock. Im Herbst 1910 bestand er das Physikum in Kiel, im Frühjahr 1913 folgte das ärztliche Staatsexamen in Rostock.

Seine Promotion zum Dr. med. erfolgte 1913 an der Universität Rostock mit einer Dissertation über die Giftstoffe der Samen von Jatropha Curcas L., einer tropischen Pflanze aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Das praktische Jahr absolvierte Felke von Juli bis Oktober 1913 an der Medizinischen Klinik und von November 1913 bis Juni 1914 an der Dermatologischen Klinik in Rostock, wo er am 30. Juni 1914 als Assistent seine Approbation als Arzt erhielt.

Militärdienst im Ersten Weltkrieg Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Felkes berufliche Laufbahn unterbrochen. Vom 8. August 1914 bis zum 23. März 1919 nahm er am Kriegsgeschehen teil. Nach einer sechswöchigen militärischen Ausbildung diente er zunächst als Unterarzt bis Juli 1915 in Belgien, wo er in verschiedenen neurologischen Lazaretten und Seuchenlaboratorien eingesetzt wurde. Ab Juli 1915 wurde er zum Assistenzarzt der Reserve befördert und verblieb in dieser Funktion bis Juli 1916 in Belgien.

Im Juli 1916 erfolgte seine Versetzung zur deutschen Militärkommission in das Osmanische Reich, wo er im Taurusgebirge und in Nordmesopotamien tätig war. Im Sommer 1917 nahm er als Truppenarzt an einer Expedition an der Westküste Kleinasiens teil. Von Oktober 1917 bis Oktober 1918 wirkte er als Oberarzt der Reserve in Panderma am Marmarameer, wo er als Dermatologe und Laboratoriumsleiter fungierte. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches wurde Felke von November 1918 bis Februar 1919 in Konstantinopel interniert. Am 23. März 1919 kehrte er über Hamburg nach Deutschland zurück.

Akademische Karriere in Rostock Unmittelbar nach seiner Rückkehr setzte Felke seine wissenschaftliche Laufbahn fort. Am 1. April 1919 übernahm er die erste Assistentenstelle an der Dermatologischen Klinik der Universität Rostock und wurde bereits am 1. Mai 1919 zum Oberarzt ernannt. Seine Habilitation erfolgte 1920 mit einer Arbeit über Studien zum serologischen Luesnachweis, wobei Lues die medizinische Bezeichnung für Syphilis darstellte. Diese Arbeit dokumentierte sein frühes Interesse an der wissenschaftlichen Erforschung von Geschlechtskrankheiten und deren diagnostischen Methoden.

Im Jahr 1921 wurde ihm die Venia legendi als Privatdozent für Dermatologie verliehen, 1924 erfolgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Rostock. Diese akademische Position behielt er bis 1928.

Berufliche Zwischenphase Ab 1928 verließ Felke vorübergehend die universitäre Laufbahn und ließ sich als niedergelassener Arzt in Moers nieder. Anschließend war er als Schiffsarzt tätig, bevor er 1930 als Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Kiel praktizierte.

Chefarzt in Wiesbaden Am 1. Januar 1931 trat Johannes Felke die Nachfolge von Carl Gutmann (1876–1930) als Chefarzt der Hautklinik des Städtischen Krankenhauses in Wiesbaden an. Diese Position sollte er mit Unterbrechungen bis 1962 innehaben. Die Ernennung erfolgte zu einem Zeitpunkt, als das Wiesbadener Krankenhaus eine deutliche Expansion erfuhr. Im Jahr 1933 wurde die Einrichtung in Städtische Krankenanstalten umbenannt und die einzelnen Abteilungen erhielten die Bezeichnung „Kliniken“.

Eines der bedeutendsten Projekte unter Felkes Leitung war die räumliche Neuorganisation der Hautklinik. Bereits unter seinem Vorgänger Gutmann war die Idee entstanden, alle diagnostischen und therapeutischen Einheiten der Dermatologischen Klinik räumlich zusammenzufassen. Felke gelang es 1934, dieses Vorhaben zu realisieren. Die gesamte Hautklinik wurde in den Räumlichkeiten der sogenannten Kinderbewahranstalt in der Schwalbacher Straße 81 in Wiesbaden untergebracht. Ab Oktober 1934 waren dort drei Stationen der Hautklinik eingerichtet.

Die räumliche Konsolidierung umfasste auch die Beratungsstelle für Geschlechtskranke, die zuvor in den Gebäuden der Ortskrankenkasse angesiedelt gewesen war, sowie die zunächst selbstständige bakteriologisch-serologische Untersuchungsstelle. Diese umfassende Zusammenführung der drei bis dahin auch organisatorisch getrennten Einrichtungen erwies sich als äußerst effektiv für die Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten, die in dieser Epoche noch zu den bedeutenden Volksgesundheitsproblemen zählten.

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden in der Hautklinik jährlich bis zu 597 Patienten stationär behandelt, darunter 247 Geschlechtskranke.

Die Kriegs- und Nachkriegsjahre Der Zweite Weltkrieg brachte erhebliche Veränderungen für die Städtischen Krankenanstalten mit sich. Von 1939 bis 1945 dienten 600 der insgesamt verfügbaren Betten als Reservelazarett für verwundete Soldaten. Für die Zivilbevölkerung verblieben nach Zerstörungen in den letzten Kriegsjahren lediglich 230 Betten. Die Hautklinik konnte jedoch während der gesamten Kriegszeit in dem 1934 bezogenen Gebäude in der Schwalbacher Straße verbleiben.

Nach Kriegsende erfolgte eine schrittweise Reorganisation der medizinischen Versorgung. Einzelne Kliniken wurden in Gebäudekomplexen außerhalb des Stadtkerns untergebracht, sodass im Dezember 1945 bereits wieder 750 Betten zur Verfügung standen. Bis 1949 erhöhte sich diese Zahl auf 940 Betten. Nach einer Übergangszeit bis 1946 übernahm Felke ab 1947 wieder die Leitung der Hautklinik.

Wissenschaftliche Schwerpunkte und therapeutische Innovationen Felkes besondere wissenschaftliche Arbeitsgebiete in der Nachkriegszeit lagen in der bakteriologischen Gonokokkenkultur und den damit verbundenen Antibiogramm-Studien. Diese Forschungen waren von erheblicher klinischer Bedeutung, da sie die nachlassende Empfindlichkeit der Gonokokken gegenüber Sulfonamiden nachwiesen, die bis dahin als Standardtherapeutika bei Gonorrhoe eingesetzt worden waren. Diese Resistenzentwicklung stellte die Medizin vor neue therapeutische Herausforderungen.

Die Einführung des Penicillins, das während des Zweiten Weltkrieges entwickelt und zunächst militärisch genutzt worden war, revolutionierte die Behandlung von Geschlechtskrankheiten. Felke gehörte zu den Pionieren, die den Einsatz dieses Antibiotikums bei Gonorrhoe und Syphilis systematisch erprobten und etablierten. Seine Expertise auf diesem Gebiet dokumentierte er 1960 in seinem Hauptwerk Die Penicillinbehandlung der Syphilis, das in Stuttgart erschien.

Die Verfügbarkeit wirksamer antibiotischer Therapien führte zu dramatischen Veränderungen in der stationären Versorgung. Die Behandlungsdauern verkürzten sich erheblich, und viele Patienten konnten nun ambulant behandelt werden.

Im Jahr 1962 trat Johannes Felke nach mehr als drei Jahrzehnten als Chefarzt in den Ruhestand. Seine Nachfolge übernahm Heinz Grimmer (1913–1982).

Schriften (Auswahl) Über die Giftstoffe der Samen von Jatropha Curcas L. Merseburg, 1913. Studien zum serologischen Luesnachweis. 1920 Die Penicillinbehandlung der Syphilis. Stuttgart, 1960.

Literatur Eintrag im Katalog zu Johannes Felke im Catalogus Professorum Rostochiensium. Johannes Felke. In: A. E. Wagner: 1879–2006 Stationäre Dermatologie in Wiesbaden. 2007. S. 157–158 (Digitalisat).

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