Detlev Richter (geboren 1945) ist ein deutscher Illustrator, Kunstschriftsteller, Kurator und Sammler. Er gilt als Kenner der kulturhistorischen Geschichte der europäischen Lackkunst und insbesondere der Geschichte der Familie Stobwasser und deren Manufaktur für Lackwaren.

Leben Richter arbeitete zunächst als Illustrator. Er begann um 1976 damit, Gegenstände aus dem Bereich der Lackkunst zu sammeln, und erwarb zahlreiche Stücke aus der Produktion der Familie Stobwasser. Diese weckten sein besonderes Interesse und er beschäftigte sich eingehend mit der Erforschung der Geschichte dieser Kunstrichtung. Dabei bemerkte er, dass sich bisher nur wenig Literatur dazu finden ließ. Daher nahm er Kontakt mit den Museen in Braunschweig auf und verfasste 1988 eine Monographie mit dem Titel Lackdosen, in der er sich der Manufaktur und der Familie Stobwasser, der Entwicklung und dem Vertrieb ihrer Lackwaren sowie der Verbreitung der Lackkunst in England, Frankreich und Russland widmete. Diese stieß in Fachkreisen auf großes Interesse und wurde unter anderem ins Englische übersetzt. Richter hatte Kontakte zu Museen und anderen privaten Sammlern geknüpft, mit denen er sich austauschte, und schuf mit seiner eigenen Sammlung und seinen Erkenntnissen die Grundlage für mehrere Ausstellungen. Er untersuchte die erhaltenen Dokumente der Familie und Firmenunterlagen und nahm Kontakt zu Stobwassers Nachfahren auf, so dass eine nahezu lückenlose Stobwasser-Chronik entstand. Richter setzte seine Studien in Archiven und Sammlungen fort und veröffentlichte in mehr als 30 Jahren neben Katalogen auch kleinere Beiträge in Zeitschriften wie Kunst & Antiquitäten oder Weltkunst.

Er war Kurator der Ausstellung Stobwasser – Lackkunst aus Braunschweig & Berlin im Museum für Lackkunst in Münster (16. Oktober 2005 – 15. Januar 2006), die anschließend auch im Städtischen Museum in Braunschweig (2. Februar – 7. Mai 2006), bei der Stiftung Klassik und Kunstsammlungen in Weimar (21. Mai – 6. August 2006) und im Deutschen Historischen Museum in Berlin (22. September – 30. Dezember 2006) gezeigt wurde. In dem zu dieser Ausstellung herausgegebenen Katalog veröffentlichte er die historischen Dokumente und Biografien zu den Künstlern, die für Stobwasser tätig waren. Zudem war er maßgeblich an der von der Richard-Borek-Stiftung in Auftrag gegebenen Dokumentation im Internet beteiligt.Detlev Richter – Auf den Spuren der Manufaktur Stobwasser. werkverzeichnis-stobwasser.de Die Richard-Borek-Stiftung holte bereits 1993 die gesamte Sammlung Richters für eine Ausstellung in der neu eingerichteten Abteilung „Braunschweiger Lackkunst“ in das Städtische Museum nach Braunschweig.Detlev Richter: Stobwasser – Höhepunkt deutscher Lackkunst. In: Richard-Borek-Stiftung (Hrsg.): Braunschweig Bewegen & Bewahren. Braunschweig Juni 2011, ISBN 978-3-89384-050-2, S. 32–34 (richard-borek-stiftung.de PDF). Die Sammlung, die Borek in den Jahren 1990 bis 2021 von Richter erwarb, besteht überwiegend aus Schnupftabakdosen, die in den Jahren 1760 bis 1860 in Braunschweig und in der Zweigniederlassung der Manufaktur Stobwasser in Berliner gefertigt wurden. Die Sammlung wird inzwischen in den Räumlichkeiten der Stiftung gezeigt.Auch Friedrich der Große und Goethe liebten Stobwasser. In: Verantwortung für unsere Heimatstadt. Juli 2025, S. 40–41 (richard-borek-stiftung.de PDF).

Schriften (Auswahl) Lackdosen. Klinkhardt & Biermann, München 1988, ISBN 3-7814-0279-7. Landschaftsmalerei auf Lack: Dosen der Braunschweiger Manufaktur Stobwasser. In: Kunst & Antiquitäten. Band II, 1989, S. 62–67. Kunst auf Dosen. Stobwasser. In: Magatin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Heft 586, 24. Mai 1991, S. 38–44. Lackierer der Könige – König der Lackierer – die Manufaktur Stobwasser in Berlin. In: Die Weltkunst. 70. Jahrgang, Heft 3, März 2000, S. 464–467. Stobwasser – Lackkunst aus Braunschweig & Berlin (= Richard-Borek-Stiftung, Stiftung Nord/LB • Öffentliche (Hrsg.): Braunschweigisches Kunsthandwerk. Bans 2.1–2.2) 2 Bände, Prestel, München / Berlin 2005, ISBN 3-7913-3439-5 (Leseprobe, Band 1 – Ausstellungskatalog). Mit Bernd Willscheid: Reinheit, Feuer & Glanz – Stobwasser und Roentgen – Kunsthandwerk von Weltrang. Roentgen-Museum Neuwied 2013, ISBN 978-3-9814662-5-6 (Ausstellungskatalog). Michael Munte (Hrsg.): Stobwasser – Lackdosen und -etuis. Miniaturen in Vollendung. 1. Auflage, Hirmer Verlag, München 2021, ISBN 978-3-7774-3817-7. Michael Munte (Hrsg.): Stobwasser – Miniatur-Gemälde auf Lackdosen und -etuis. Hirmer Verlag, München 2024, ISBN 978-3-7774-4437-6. mit Reimar F. Lacher, Christian Lechelt: Harz und Arkadien – Pascha Johann Friedrich Weitsch (1723–1803) – Landschaftsmaler der Aufklärung. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2017, ISBN 978-3-95462-903-9 (Ausstellungskatalog).

Als Illustrator Rolf Ulrici: Die Schöne und ihre sechs Rebellen. 1968. Hansheinz Werner: Bezaubernde Jeannie (Originaltitel: Dennis Brewster: I dream of Jeannie) Nach der bekannten Fernsehserie. 1969. Helmut Grömmer: Das lustige Spielebuch 9 neue Brettspiele. Betz, München 1976. Max Inzinger: Die gute Deutsche Küche. Naturlis Verlag, Köln 1991.

Weblinks Werkverzeichnis der Lackwarenmanufaktur Stobwasser und ihrer Nachahmer. werkverzeichnis-stobwasser.de Ralph-Herbert Meyer: 3000 Lackkunst-Objekte akribisch geordnet. 4. Dezember 2015 (der-loewe.info)

Einzelnachweise

Kategorie:Illustrator (Deutschland) Kategorie:Kunstsammler Kategorie:Deutscher Kategorie:Mann Kategorie:Geboren 1945