mini|Dreifaltigkeitskirche Amberg Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit ist eine Kirche im Südosten der Stadt Amberg (Oberpfalz, Bayern), die das Patrozinium der Heiligsten Dreifaltigkeit trägt. Sie ist namensgebend für das Stadtviertel, das Anfang des 20. Jahrhunderts um die Baumannsche Emailwarenfabrik entstand. Erbaut wurde sie 1926 bis 1929, ihre Innenausstattung ist aus den 1930er Jahren. In einer Stilmischung verbindet sie ein barockartiges Äußeres, mit Anklängen an die Barockkirchen auf dem Mariahilfberg und St. Sebastian, mit einem schlichten Inneren im Stil der Neuen Sachlichkeit.

Alte Dreifaltigkeitskirche mini|Alte Dreifaltigkeitskirche (heute Friedhofskirche)Das Patrozinium zur Hl. Dreifaltigkeit wurde übernommen von der spätgotischen, teilweise barockisierten ersten Dreifaltigkeitskirche, heute als „Friedhofskircherl“ bezeichnet. Sie gehörte, wie auch der zwischen den beiden Kirchen befindliche Friedhof, zu einem der beiden Leprosenhäuser der Stadt („Mannsiechenhaus“). Von 1923 bis 1929 diente sie als Pfarrkirche.100 Jahre Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit – Eine Festschrift. Hrsg.: Kath. Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Amberg, Amberg 2022. Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Die Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit entstand 1923 als Ausgliederung aus der Pfarrei St. Martin, gleichzeitig mit der Pfarrei St. Georg. Die Neugründungen wurden notwendig durch den starken Anstieg der Einwohnerzahl Ambergs vor dem Ersten Weltkrieg. Die Pfarrei umfasst einen größeren Bereich im Süden und Osten der Stadt. Seit dem 1. September 2025 ist die Pfarrei in die Pfarreiengemeinschaft „Am Mariahilfberg“ integriert, gemeinsam mit der Pfarrei Hl. Familie in Amberg und den Pfarreien in Raigering, Aschach sowie dem Kurat-Benefizium Paulsdorf.

mini|Grabplatte von Pfarrer Andreas Drexler - geschmückt zur Feier des 100-jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung der Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit Amberg Der erste Pfarrer der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit war Andreas Drexler (1881–1945). In seiner Amtszeit wurde die jetzige Pfarrkirche erbaut. Seine vielfältigen und fantasievollen Versuche, Geld für die Finanzierung des Kirchenbaus zu generieren, trugen ihm den Ehrennamen „Bettelpfarrer“ ein. Er liegt in „seiner“ Kirche neben dem Altarraum begraben.Peter Seidl: Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit – Ein Wegweiser. Hrsg.: Kath. Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Amberg, Amberg 2022.

Baugeschichte mini|Gottesdienst zur Grundsteinlegung der Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit in Amberg am 30. Mai 1926Sieger eines Architektenwettbewerbs von 1925 war der Entwurf des Münchener evangelischen Architekten Gustav Gsaenger (1900–1989). Grundsteinlegung für die Kirche war am 30. Mai 1926, am Dreifaltigkeitssonntag. Der Bau der Kirche erfolgte in Etappen, vor allem wegen ständiger Geldnot, mit immer wieder ungesicherter Finanzierung, auch wenn die kurze Phase zwischen der Inflation 1923 und der Weltwirtschaftskrise 1929 genutzt werden konnte. Das Langhaus wurde zuerst gebaut und am 12. Mai 1929 eingeweiht; danach entstand die Apsis, erst 1934 wurde der Kirchturm fertiggestellt.

Architektur Äußeres Das Äußere der Kirche ist schlicht gehalten, mit glatten Wänden in Münchner Rauputz. Es wirkt jedoch durch spätbarocke Elemente traditionell, z. B. die großen Oculi-Fenster oder die angedeuteten Baldachine über Hauptportal und Seitentüren. Der wuchtige Turm mit kupferner Zwiebelhaube und Laterne ist ein bewusster „Gruß“ an die Bergkirche. In die Amberger Stadtgeschichte ist der Dreifaltigkeitsturm am 22. April 1945 eingegangen, als mutige Pfarrangehörige mit weißen Tüchern den heranrückenden amerikanischen Truppen die kampflose Übergabe der Stadt signalisierten.

Die Inschrift auf dem Gedenkkreuz aus Beton beim Kirchenvorplatz () betont die Rolle jedes einzelnen Christen als ein lebendiger „Baustein“ der Kirche.

Inneres mini|Kirche innen Das Langhaus ist ein etwa 16 m hoher, lichter Raum in klarer geometrischer Gliederung, dem alles „Barocke“ fehlt. Mit seiner Kassettendecke aus Holz erinnert er eher an romanische Kirchenbauten. Der Kontrast zwischen dunklem Holz und hellem Stein ist ein wesentliches Stilelement des Kircheninneren. Die massiven quadratischen Sandsteinpfeiler verdecken die Seitenschiffe und lenken den Blick des Eintretenden auf das monumentale Hochaltarbild von Andreas Schwarzkopf aus dem Jahr 1934/1935. Die überlebensgroßen Kreuzwegfresken, von Ludwig Valentin Angerer 1937 geschaffen, werden erst vom Inneren des Langschiffs aus sichtbar.

Ausstattung Hochaltarbild und Kreuzwegfresken An den beiden Hauptkunstwerken, dem Hochaltarbild und den Kreuzwegfresken, ist erkennbar, dass sie in der Zeit des „Dritten Reiches“ unter der Herrschaft des kirchenfeindlichen NS-Regimes entstanden sind. mini|Gnadenstuhl

So blickt der Gottvater, der den gekreuzigten Jesus Christus in seinen übergroßen Händen hält und dem Betrachter präsentiert, sehr ernst drein. Die Dreifaltigkeit, dargestellt in der mittelalterlichen Bildtradition des Gnadenstuhls, ist umgeben von einer Figurengruppe, die dem Buch der entnommen ist. Man erkennt in ihr die vier „Wesen“, die „Ältesten“ sowie, ganz prominent im Vordergrund, das „Lamm“ und das „Buch mit den sieben Siegeln“.

Die Kreuzwegbilder enthalten manche offene oder versteckte Anspielung auf die Situation der Kirche in der Entstehungszeit. Schon ihre schiere Größe und die Tatsache, dass sie den gesamten Kirchenraum ausfüllen, signalisiert dem Besucher, dass er vom Leiden Christi vollständig umgeben ist. Weitere Kunstwerke im Kircheninneren Nachdem die reichlich mit Skulpturen versehene Kanzel 1975 entfernt wurde, ist das steinerne Kanzelkreuz, 1935 von Max Roider geschaffen, das einzige Bildwerk im Mittelschiff der Kirche. Es zeigt den Moment vom Tod Jesu, in dem dieser sich vor Schmerzen krümmt, aber zugleich tief hinunterbeugt zu den Menschen in den Kirchenbänken unter ihm.

In der Turmkapelle im Eingangsbereich befindet sich auf der rechten Seite eine Holz-Skulptur, die den Altöttinger Kapuzinermönch Konrad von Parzham darstellt, wie er sich einer bittenden Mutter und ihrem Kind zuwendet. Das Bildwerk wurde der Kirche im Jahr 1937 anlässlich einer „Volksmission“ gestiftet; der kurz zuvor heiliggesprochene Bruder Konrad war in Bayern zu der Zeit überaus populär, auch in seiner beispielhaften Demut und Nächstenliebe als Gegenentwurf zur NS-Ideologie.

Gegenüber befindet sich die barocke Statue einer „Madonna im Strahlenkranz“, der Kirche zur Bauzeit von einem Bäckermeister vermacht, der sie auf seinem Dachboden gefunden hatte. Die barocke Pracht dieses Bildwerks, das im Marienmonat Mai in den Altarraum gestellt wird, stellt einen Kontrapunkt zum modern-sachlichen Ausstattungsprinzip der Pfarrkirche dar, ebenso wie die Marien-Ikone im griechisch-orthodoxen Stil von Erwin Schöppl unter der Orgelempore.

In den beiden Seitenaltären von Walter Bertram, 1930/1931 als erste Bildwerke im Inneren der Dreifaltigkeitskirche entstanden, ist hingegen die vom Architekten Gsaenger intendierte Ästhetik der Neuen Sachlichkeit noch am reinsten bewahrt. Der Marienaltar im linken Seitenschiff und der Josefsaltar auf der rechten Seite sind gleich aufgebaut, mit jeweils drei, in dunklem Holz gerahmten, rechteckigen Bildtafeln und einem Fresko darüber, dazwischen einem Spruchband einer kurzen Anrufung.

Der hl. Josef ist zweimal dargestellt, einmal mit Maria und dem Baby Jesus, im Fresko als gealterter Mann mit dem Jesusknaben an der Hand. Ebenso Maria, die den Gottessohn im kleinen Bild im Stil einer Pietà trauernd im Schoß hält, im Fresko aber auf dem Arm trägt und den Betrachter in königlicher Würde anblickt. Beide, Maria und Josef, werden vor einer Ziegelmauer mit einem Liliengefäß als Symbol der Reinheit dargestellt, hinter der Gottesmutter ist aber eine Tür in der Mauer, was auf die Formel in der Lauretanischen Litanei von der „Ianua caeli“, der Pforte des Himmels, verweist.

In der linken und rechten Bildtafel beider Altäre sind andere Heilige abgebildet: am Josefsaltar Antonius von Padua mit dem Jesusknaben und Judas Thaddäus mit seinem Brief, am Marienaltar einmal die hl. Anna mit ihrer jungen Tochter Maria, zum anderen Elisabeth von Thüringen. In ihr, der Wohltäterin der Armen, wie auch im Apostel Judas Thaddäus, der in seinem Brief vor falschen Propheten warnt, ist wieder der Zeitgeist der frühen 1930er Jahre erkennbar und die Tatsache, dass die Dreifaltigkeitskirche als Kirche der kleinen Leute in einem Armenviertel erbaut wurde.

Chorraum und Volksaltar Der jetzige Volksaltar, ein Werk von Friedrich Koller, wurde 2008 aufgestellt. Mit dem Ambo, dem Taufbecken und der Stele für die Osterkerze bildet er eine Einheit aus hellem Muschelkalk, die sich gut in das übrige modern-sachliche Interieur der Kirche einfügt. Auch der Altartisch ist als eine Einheit in drei Teilen gestaltet und variiert so das Thema „Dreieinigkeit“.

Orgel mini|OrgelDie Orgel hat ihren Ursprung in St. Cäcilia in Regensburg, wo sie 1901 von Steinmeyer (Opus 720, 31/II/P, Disposition Franz Xaver Haberl) erbaut wurde. 1939 fand der Umbau und Transfer nach Amberg durch Michael Weise statt.

1969 erfolgte ein Neubau, wiederum von Michael Weise, in dem Material der Steinmeyer-Orgel wiederverwendet wurde. 2003 fand eine Revision und Renovierung durch Orgelbau Mühleisen statt, bei der u. a. neue mechanische Spieltrakturen eingebaut wurden. Die Orgel besitzt heute 41 Register auf drei Manualen und Pedal.

Die Disposition lautet:Orgeldatenbank Bayern v5 (2009) (online), abgerufen am 23. Juli 2026. I Brüstungswerk C–g3 Principal 8′ Spitzflöte 8′ Holzoktave 4′ Gambe 4′ Superoktave 2′ Nonenkornett V 4′ Scharfmixtur V 1′ Fagott 16′ Klarine 4′ II Hauptwerk C–g3 Bourdon 16′ Principal 8′ Holzflöte 8′ Oktav 4′ Rohrflöte 4′ Schwiegel 2′ Mixtur V ′ Terzzimbel II ′ Trompete 8′ III Schwellwerk C–g3 Quintade 16′ Geigenprincipal 8′ Schweebung 8′ Gedackt 8′ Copula 4′ Principal 4′ Oktav 2′ Sifflöte II 1′ Kornettino III ′ Zimbel III ′ Oboe 8′ Harfenregal 4′ Tremulant Pedal C–f1 Offenbaß 16′ Subbaß 16′ Quintbaß ′ Pommer 8′ Oktavbaß 8′ Choralbaß II 4′ Rauschpfeife IV ′ Holzflöte 4′ Traversflöte 2′ Posaune 16′ Trompete 8′

Koppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P Spielhilfen: Tutti, Pleno, Auslöser, 2 freie Kombinationen, 1 freie Pedalkombination, Zungen ab, Walze ab, Crescendo Bemerkungen: Schleiflade, mechanische Spiel- und elektrische Registertraktur

Literatur 75 Jahre Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit. (PDF-Datei) Peter Seidl: Pfarrkirche Hl. – Ein Wegweiser. Hrsg.: Kath. Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Amberg. Amberg 2022. Peter Seidl: 100 Jahre Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit – Eine Festschrift. Hrsg.: Kath. Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Amberg. Amberg 2022.

Weblinks

Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit auf der Website der Pfarreien-Gemeinschaft AM MariaHilfBerg

Einzelnachweise

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