Als Horbeit-Stelen wird eine Gruppe altägyptischer Stelen aus der Ramessidenzeit bezeichnet, die nach ihrem mutmaßlichen Herkunftsort Horbeit im östlichen Nildelta benannt sind. Bekannt wurden sie vor allem durch einen Posten von 66 Stelen, der zwischen 1906 und 1911 von Wilhelm Pelizaeus angekauft wurde.Julia Budka: Der König an der Haustür. Die Rolle des ägyptischen Herrschers an dekorierten Türgewänden von Beamten im Neuen Reich. Wien 2001.Günther Roeder: Ramses II. als Gott. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde. Band 61, Nr. 1, 1. Januar 1926. Nach Angaben des Händlers stammten sie aus Horbeit, allerdings wird vermutet, dass sie eher aus der Hauptstadt Pi-Ramesse/Qantir stammen. Die von Pelizaeus gekauften Gedenksteine befinden sich heute überwiegend im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim. Inzwischen werden mehr als 70 Stelen aufgrund ihres charakteristischen Bildprogramms zu den Horbeit-Stelen gezählt.Julia Budka: Der König an der Haustür. Die Rolle des ägyptischen Herrschers an dekorierten Türgewänden von Beamten im Neuen Reich. Wien 2001. Die Stücke unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Größe, Qualität und Ausführung und tragen teilweise Beischriften.

Charakteristika Der größte Teil der Horbeit-Stelen zeigt eine Anbetungsszene, bei der eine Privatperson eine Statue Ramses’ II. verehrt. Häufig befindet sich zwischen Anbetendem und Königsstatue ein Opferaufbau. Die Anzahl der Register sowie zusätzliche Szenen variieren, ebenso die Anzahl und Gestaltung der dargestellten Personen.Julia Budka: Der König an der Haustür. Die Rolle des ägyptischen Herrschers an dekorierten Türgewänden von Beamten im Neuen Reich. Wien 2001.Günther Roeder: Ramses II. als Gott. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde. Band 61, Nr. 1, 1. Januar 1926.

Innerhalb des Korpus werden vier Statuentypen unterschieden:

Typ 1 zeigt eine Standschreitstatue Ramses’ II. (mit dem Statuennamen Wsr-Mꜣꜥt-Rꜥ-ḥtp-n-Rꜥ Mnṯw m tꜣ.wj) mit oberägyptischer Krone, Uräus, Königsbart und Shendyt-Schurz (ein im alten Ägypten traditionell von Männern getragener kiltähnlicher Wickelrock), die meist durch ein Podest, einen Rückenpfeiler oder die Darstellung im Vollprofil als Statue gekennzeichnet ist. Dieser Statuen-Typ ist mit Abstand am häufigsten vertreten.

Typ 2 entspricht ikonographisch Typ 1, trägt jedoch einen anderen Statuennamen (Rꜥ-ms-sw Mry-Jmn pꜣ nṯr), und ist auf mindestens drei Stelen belegt.Hildesheim, Inventarnummer 1079, 1086, 1105.

Typ 3 zeigt eine Sitzstatue Ramses’ II. mit Nemes-Kopftuch und Doppelkrone (Statuenname: Wsr-Mꜣꜥt-Rꜥ-ḥtp-n-Rꜥ mry Jtm) und König (Pharao) Ramses II., der ihr gegenübersteht. Dieser Statuen-Typ ist nur einmal belegt.

Typ 4 zeigt ebenfalls eine Sitzstatue Ramses’ II. mit Nemes und Doppelkrone (Statuenname: Rꜥ-ms-sw Mry-Jmn rꜥ n Ḥqꜣ.w), Beispiele sind die bekanntesten Horbeit-Stelen Nr. 374 (Stele des Mose) und 1085 (Hildesheim).Julia Budka: Der König an der Haustür. Die Rolle des ägyptischen Herrschers an dekorierten Türgewänden von Beamten im Neuen Reich. Wien 2001.

Beispiel: Stele 1083 (Hildesheim) Stele 1083 aus Hildesheim ist Typ 1 zuzuordnen. Es handelt sich um das obere Fragment einer Kalksteinstele mit halbrundem Abschluss, das in vertieftem Relief gearbeitet ist. Etwa zwei Drittel der Stele sind erhalten. Dargestellt ist ein Beter vor einer Königsstatue. Die Statue wird durch einen Rückenpfeiler gekennzeichnet und ist im Halbprofil dargestellt. Sie trägt einen plissierten Schurz, die Weiße Krone Oberägyptens mit Uräus, Königsbart und Schmuck wie Armreifen, einem mehrreihiger Halskragen und ein Pektoral.

Die Beischrift der Statue nennt den König:

„König von Ober- und Unterägypten, Herr der beiden Länder Usermaatre Setepenre, Month in den beiden Ländern“

Der Beter steht der Statue gegenüber und erhebt die Hände in Verehrung. Er trägt ein plissiertes Prunkgewand mit weiten Ärmeln sowie eine kleingelockte Perücke. Die Inschrift bezeichnet ihn als:

„Schreiber May des Hauses der Ma’at“

Zwischen Adorant und Königsstatue befindet sich ein Opferaufbau mit Wassergefäß und Lotusblüte.

Die Hieroglyphen der Stele gelten als sorgfältig und fehlerfrei ausgeführt. Das Bildfeld ist präzise gearbeitet und zeigt zahlreiche fein ausgearbeitete Details. Stilistische Merkmale wie eingeritzte Lidfalten, volle Lippen und Vertiefungen in den Mundwinkeln weisen in die erste Hälfte der Regierungszeit Ramses’ II. Die Ausführung der Darstellung des sogenannten schebiu-Halskragens entspricht ebenfalls der der 19. und 20. Dynastie.Susanne Binder: The Gold of Honour in New Kingdom Egypt. Sidney / Oxford 2008.

Literatur Manfred Bietak: Tell el-Dab’a II. Der Fundort im Rahmen einer archäologisch-geographischen Untersuchung über das ägyptische Ostdelta. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1975, ISBN 3-7001-0136-8. Susanne Binder: The Gold of Honour in New Kingdom Egypt. Australian Centre for Egyptology / Aris & Phillips, Sidney / Oxford 2008, ISBN 978-0-85668-899-7. Julia Budka: Der König an der Haustür. Die Rolle des ägyptischen Herrschers an dekorierten Türgewänden von Beamten im Neuen Reich. Afro-Pub, Wien 2001, ISBN 978-3-85043-094-4. Labib Habachi: Features of the Deification of Ramesses II. (= Abhandlungen des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Kairo. Band 5). J.J. Augustin, Glückstadt 1969, . Karl Martin: Waren die sog. "Horbeitstelen" Türschilder oder waren sie Votivtafeln? In Nicole Kloth, Karl Martin, Eva Pardey (Hrsg.): Es werde niedergelegt als Schriftstück: Festschrift für Hartwig Altenmüller zum 65. Geburtstag. Buske, Hamburg 2003, ISBN 3-87548-341-3, S. 255–262. Hans Kayser: Die ägyptischen Altertümer im Roemer-Pelizaeus-Museum in Hildesheim (= Pelizaeus-Museum zu Hildesheim. Wissenschaftliche Veröffentlichungen. Band 8). Gerstenberg, Hildesheim 1973, ISBN 3-8067-8002-1. Hermann Ranke: Die ägyptischen Personennamen. Band 1: Verzeichnis der Namen. Band 2: Einleitung. Form und Inhalt der Namen. Geschichte der Namen. Nachträge und Zusätze zu Band 1. Umschreibungslisten. Band 3: Verzeichnis der Bestandteile. J. J. Augustin, Glückstadt 1935, ISBN 1-66675-509-5.

Weblinks Beispiel: Horbeit-Stele 408 Beispiel: Horbeit-Stele 404 Margret Pirzer: Pelizaeus-Museum Hildesheim - Horbeit-Stelen. Auf: flickr.com: abgerufen am 29. Mai 2026.

Einzelnachweise

Kategorie:Neues Reich (Ägypten) Kategorie:Altägyptische Stele Kategorie:Ramses II. Kategorie:Skulpturengruppe