mini|Satellitenbild der Stadt, auf dem auch der Euphrat, Nebenkanäle und die Feuchtgebietslandschaft zu sehen sind

Suq asch-Schuyuch () ist eine Stadt im Gouvernement Dhi Qar im Süden des Irak. Sie liegt südöstlich von Nasiriya am rechten Ufer des Euphrat, nahe dem westlichen Ende der Hammar-Sümpfe und der südirakischen Marschlandschaften. Die Stadt ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Distrikts und war historisch ein Marktzentrum der Stammeskonföderation der Muntafiq.

Die moderne Stadt entstand im osmanischen Irak des 18. Jahrhunderts als Handels- und Versorgungsort der Muntafiq-Stämme. Der Name bedeutet wörtlich „Markt der Scheichs“ und verweist auf diese Funktion als Stammes- und Handelszentrum.

Geographie Suq asch-Schuyuch liegt in der südirakischen Schwemmlandebene zwischen Euphrat, Bewässerungskanälen und den westlichen Ausläufern der Hammar-Sümpfe. Der Ort befindet sich etwa 40 Kilometer südöstlich von Nasiriya und ist von Dattelpalmen, landwirtschaftlichen Flächen und Marschgebieten umgeben. Die Stadt liegt am rechten Ufer des Euphrat; die feuchten Niederungen südlich und östlich des Stadtgebiets bilden den Übergang zu den Mesopotamischen Marschen.

Geschichte Gründung als Markt der Muntafiq Suq asch-Schuyuch wurde im frühen 18. Jahrhundert im osmanischen Irak als Marktort der Muntafiq-Konföderation gegründet. Die Muntafiq waren eine der politisch wichtigsten Stammeskonföderationen des unteren Euphratgebiets. Nach einer auf irakische Lokalhistoriker gestützten Darstellung wurde der Ort erst nach 1781 dauerhaft befestigt beziehungsweise baulich ausgebaut; er diente als fester Stützpunkt, Vorratsplatz und Rückzugsort der Muntafiq-Scheichs. Der Markt bündelte den Austausch zwischen den Muntafiq-Stämmen, den Agrarregionen am Euphrat, den Marschgebieten und den Handelszentren Basra und Nasiriya. In ihrer Blütezeit bildete sie die Hauptstadt des Emirats Al Sa'dun und zog Migranten aus dem gesamten Irak an.

Osmanische Zeit Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Suq asch-Schuyuch zu einem regionalen Markt- und Verwaltungsort. Europäische Reisende beschrieben die Stadt als ummauerten oder teilweise befestigten Ort mit Moscheen, Märkten und religiös getrennten Wohnvierteln. In der Stadt lebten neben muslimischen Arabern auch jüdische, christliche und mandäische Gemeinschaften. Besonders die Mandäer spielten im Handwerk, unter anderem als Silberschmiede- und Bootsbauer, eine Rolle; der deutsche Reisende Julius Heinrich Petermann beschrieb bei seinem Besuch 1854 ein eigenes mandäisches Viertel am gegenüberliegenden Euphratufer.

Gegen Ende der osmanischen Zeit wurde Suq asch-Schuyuch Sitz eines Kaza im Sandschak Muntafiq. Die Stadt blieb eng mit der Muntafiq-Konföderation verbunden, war aber zugleich stärker in die osmanische Verwaltungsstruktur des unteren Irak eingebunden, wobei die Stämme auf ihre Eigenständigkeit bedacht blieben.

Britische Mandatszeit und Königreich Irak Während der britischen Besetzung und der anschließenden Mandatszeit spielte Suq asch-Schuyuch eine Rolle in den politischen Bewegungen des unteren Euphrat. Die irakische Revolte von 1920 war stark von Stammesnetzwerken geprägt; die Muntafiq gehörten zu den wichtigen Akteuren im Süden. In den Jahren 1935 und 1936 kam es in mehreren schiitischen Stammesgebieten des Südens zu Aufständen gegen die Regierung in Bagdad. Suq asch-Schuyuch war dabei einer der Orte, an denen lokale Stammes- und Religionsführer gegen die Zentralregierung mobilisierten.

Moderne Entwicklung Nach der Gründung der Republik Irak und besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Suq asch-Schuyuch stärker in die staatliche Infrastruktur des Gouvernements Dhi Qar eingebunden. Straßen, Schulen, Gesundheitsdienste und Verwaltungsgebäude wurden ausgebaut. Die Stadt blieb jedoch stärker agrarisch als die Provinzhauptstadt Nasiriya.

Die Trockenlegung der südirakischen Marschen unter Saddam Hussein in den 1990er Jahren veränderte die Umgebung grundlegend. Die Mesopotamischen Marschen wurden durch Kanäle, Dämme und Wasserableitungen stark geschädigt; wissenschaftliche Untersuchungen schätzten, dass um das Jahr 2000 nur noch ein kleiner Rest der ehemaligen Feuchtgebiete bestand. Nach 2003 wurden Teile der Marschen wieder überflutet.

Einwohner Beim Zensus von 2024 hatte der Ort 143.688 Einwohner, darunter waren mehrheitlich schiitische Araber.

Jahr Einwohnerzahl 2009 107.373 2024 143.688

Sehenswürdigkeiten Die wichtigste landschaftliche Sehenswürdigkeit der Umgebung sind die Hammar-Sümpfe und die westlichen Teile der südirakischen Ahwar. Sie gehören zu den wichtigsten Feuchtgebieten des Nahen Ostens und wurden wegen ihrer ökologischen und kulturhistorischen Bedeutung als Teil der Ahwar von Süd-Irak in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Archäologisch bedeutsam ist das Gebiet südlich von Suq asch-Schuyuch. Ein Survey der Marschlandschaften beschreibt rund 25 Fundplätze südlich der Stadt in den Hammar-Sümpfen; sie liegen beiderseits eines ehemaligen Euphratbetts und reichen unter anderem bis in die Zeit der dritten Dynastie von Ur zurück. Die Stadt selbst besitzt zudem ältere Markt- und Moscheestrukturen, die an ihre Funktion als historisches Handelszentrum der Muntafiq erinnern.

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Irak Kategorie:Gouvernement Dhi Qar