mini|Bronzebüste (Selbstporträt) auf dem Grab von Lucien Schnegg auf dem Friedhof Montparnasse (Cimetière du Montparnasse), Paris Jacques Lucien Schnegg (* 19. April 1864 in Bordeaux; † 22. Dezember 1909 in Paris) war ein französischer Bildhauer. Er ist bekannt als Initiator der Künstlergruppe Bande à Schnegg sowie als Mitarbeiter im Atelier von Auguste Rodin.
Leben Lucien Schnegg entstammte einer Familie von Tischlern und Möbelmachern in Bordeaux. Er war der älteste Sohn des Antiquitätenhändlers und Tischlers Guillaume (Willhelm) Schnegg (1834–1903) und dessen Frau Guillaumette Schnegg. Der Großvater väterlicherseits, Jean (Johann oder Hans) Schnegg, stammten aus Deutschland. Er wurde 1776 in Schönberg, rund dreißig Kilometer nördlich von Passau, in Bayern geboren und lebte spätestens seit 1828 in Bordeaux. Seine künstlerische Ausbildung begann Schnegg bei einem auf Ornamentik spezialisierten Künstler, durch den er die Technik der Taille directe (Direktbearbeitung des Materials) erlernte. 1883 errang er den ersten Preis für Skulptur der städtischen Zeichenschule (École Municipale de Dessin) in Bordeaux. Im Jahr 1884 nahm er sein Studium an der École des Beaux-Arts in Paris auf und wurde Schüler des Bildhauers Alexandre Falguière. Zu Studienzwecken fertigte er Zeichnungen in den Pariser Museen an.
Ab 1894 teilte er sich ein Atelier mit seinem jüngeren Bruder Jacques Gaston Schnegg (1866–1953), der ebenfalls als Maler und Bildhauer tätig war. 1898 verfasste er gemeinsam mit seinem Bruder Gaston einen Brief an Auguste Rodin, in dem sie ihre Unterstützung für dessen damals umstrittene Balzac-Skulptur zum Ausdruck brachten. Ab 1902 war Lucien Schnegg als Assistent in Rodins Atelier tätig.
In dieser Zeit bildete sich um ihn die sogenannte „Bande à Schnegg“, ein loser Zusammenschluss von Bildhauern, zu dem unter anderem Henry Arnold (1879–1945), Élisée Cavaillon (1873–1954), Ernest Chaplet (1835–1909), Louis Dejean (1872–1953), Charles Despiau (1874–1946), Léon-Ernest Drivier (1878–1951), Alfred Jean Halou (1875–1939), Albert Marque (1872–1939), Auguste de Niederhäusern (1863–1913), François Pompon (1855–1933), Jane Poupelet (1878–1951), Yvonne Serruys (1873–1953) und Robert Wlérick (1882–1944) gehörten.
Familie Schnegg war seit dem 4. August 1892 mit Marie Eugénie Victoire (geborene Peny; 1870–1941) verheiratet. Louise Schnegg (14. August 1894 – 1957) Madeleine Schnegg (27. November 1899 – 11. Juni 1974)
Werk Schneggs Œuvre umfasst Büsten, Aktfiguren, Porträtmedaillons sowie dekorative Bauplastik, darunter Arbeiten für das ehemalige Hôtel Astoria (1907) und einen Brunnen in Toul. Obwohl Lucien Schnegg eine enge Arbeitsbeziehung zu Rodin pflegte und dessen Einfluss in einzelnen Werken nachweisbar ist – etwa in Femme agenouillée les coudes au sol (Bronze, 1890–1909) und L’Enlèvement (Bronze, um 1909) –, entwickelte er einen eigenständigen Stil, der sich durch eine ruhige, ausgewogene Formensprache auszeichnet und sich an antiken Vorbildern orientiert.
Schnegg galt als versierter Porträtist. Als Modelle dienten ihm häufig Familienmitglieder und Freunde. Zu seinen bekanntesten Porträtwerken zählt die Darstellung der Bildhauerin Jane Poupelet (Marmor, 1897–1903; Gips, 1901), die ihm große Anerkennung einbrachte. Im Musée du Luxembourg in Paris befand sich ein Marmor-Frauenkopf, der ebenfalls Jane Poupelet darstellt. Im Petit Palais in Paris sind Bronzestatuetten (Aphrodite, Jüngling) von ihm zu sehen. Die Büste der Charlotte Bernaux (Marmor und Stein) orientiert sich in ihrer Gestaltung an antiken Darstellungen.
mini|hochkant|Jane Poupelet (Marmor) Werke (Auswahl) Aphrodite Buste de Jane Poupelet (Marmor Musée d’Orsay, Paris) Buste de l’artiste par lui-même (Selbstporträt) Buste de Mme Gaston Schnegg Buste de Mme Lucien Schnegg 1887: Buste de son frère, Gaston Schnegg Buste de son père Fillette penseuse Fillette rieuse L’hiver La République La source Le baiser Le vieux Marchand Tête d’enfant (mehrfache Ausführungen von Kinderköpfen) Venus
Literatur Schnegg (Jacques-Lucien). In: Stanislas Lami: Dictionnaire des sculpteurs de l’École française au dix-neuvième siècle. Band 4: N–Z. H. Champion, Paris 1921, S. 239–242 (französisch, gallica.bnf.fr – mit Werkverzeichnis und Literaturangaben; hier ist fälschlich das Jahr 1854 als Geburtsjahr angegeben).
Pierre Kjellberg: Les bronzes du XIXe siècle. Dictionnaire des sculpteurs. Paris 1987. F. Damay: Lucien Schnegg, sculpteur, sa vie, son œuvre. In: Études touloises. Nr. 81, 1997. Peintures et sculptures du XIXe siècle. La collection du Musée de Grenoble. Paris 1995 (Ausstellungskatalog).
Weblinks
Galerie Malaquais
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1864 Kategorie:Gestorben 1909 Kategorie:Manner