Die Medienunternehmen in Kroatien umfassen öffentlich-rechtliche und private Akteure in den Bereichen Fernsehen, Radio, Printmedien und Online-Medien. Kroatiens Medienlandschaft mit knapp vier Millionen Einwohnern ist strukturell zweigeteilt: Ausländisches Kapital dominiert die profitabelsten kommerziellen Sender und Boulevardzeitungen, während inländische Eigentümer – häufig mit Verbindungen zu politischen oder wirtschaftlichen Eliten – die Print- und Digitalpresse kontrollieren.Kovačević, P. & Došen, K. (2025): Croatia. Country report 2025. Euromedia Ownership Monitor (EurOMo). DOI:10.25598/EurOMo/2025/HR. Online: media-ownership.eu
Im World Press Freedom Index von Reporters Without Borders belegt Kroatien 20256 Platz 53 von 180 Ländern.RSF – Reporters Without Borders: Länderprofil Kroatien. Online: rsf.org
Überblick und Marktstruktur Laut EurOMo (2025) sind in Kroatien fast 700 strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung (SLAPP) Klagen gegen Journalisten nach dem Mechanismus anhängig, was zu den höchsten Werten in der EU zählt. Eine 2023 in das Strafprozessrecht eingefügte Klausel, die die Veröffentlichung von Informationen aus nichtöffentlichen Ermittlungen unter Strafe stellt (sog. »Lex AP«-Zusatz), sowie schwache gesetzliche Quellenschutzgarantien schränken die Pressefreiheit weiter ein. Die 2023 eingeführte zentralisierte Eigentümerdatenbank der Agentur für elektronische Medien (Agencija za elektroničke medije AEM) verbesserte formal die Transparenz der Eigentümerstrukturen.AMAN/HINA (2025): Ownership and financing data of Croatian media now available on new web platform. 28. April 2025. Online: aman-alliance.org
Geschichte Das kroatische Radio sendete ab 1926 (Radio Zagreb), das Fernsehen seit 1956 (Televizija Zagreb). Beide Institutionen wurden 1991 mit der kroatischen Unabhängigkeit in die Hrvatska radiotelevizija (HRT) überführt, die ehemals Teil der jugoslawischen Rundfunkorganisation JRT gewesen war. Seit der Marktliberalisierung der 1990er-Jahre war der kroatische Medienmarkt überwiegend von ausländischen Eigentümern dominiert. Ab 2014 setzte mit der Übernahme der Europa Press Holding (EPH) durch Ivan Hanžeković und deren Umwandlung in Hanza Media eine Tendenz zur Reinländisierung des Drucksektors ein.
Öffentlich-rechtliche Medien
HRT – Hrvatska radiotelevizija
Die Hrvatska radiotelevizija (HRT) ist der staatliche öffentlich-rechtliche Rundfunk Kroatiens und Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Sie betreibt vier Fernsehkanäle (HRT 1–4, HRT International) sowie das nationale und regionale Radionetz (HR1–3) und die Streaming-Plattform HRTi. Finanziert wird sie durch eine Rundfunkgebühr von ca. 10,40 EUR/Monat, die seit 2010 nominal unverändert ist; Finanzierungsengpässe führten zu wiederholten staatlichen Zuzahlungen. HRT wird regelmäßig für mangelnde politische Unabhängigkeit kritisiert.
HINA – Hrvatska izvještajna novinska agencija Die HINA (Kroatische Nachrichtenagentur) wurde 1990 kurz vor der kroatischen Unabhängigkeit gegründet und ist staatliche Nachrichtenagentur. 2025 war die Ernennung von Siniša Kovačić – eines früheren HRT-Direktors, dem Journalistenverbände politische Verbindungen vorwarfen – zum neuen Leiter der Agentur umstritten; die kroatische Journalistengewerkschaft (SNH) kritisierte den Vorgang als politische Einflussnahme.
Private Medienlandschaft – Fernsehen
RTL Hrvatska
RTL Hrvatska d.o.o. nahm am 30. April 2004 den Sendebetrieb auf. Nach der Gründung unter Eigentümerschaft der RTL Group (Bertelsmann) wurde der Sender am 1. Juni 2022 vollständig von der CME (PPF-Gruppe, Tschechien) übernommen. CME betreibt TV-Sender in sieben Ländern und ist auch in Slowenien, der Slowakei und weiteren Märkten aktiv. RTL Hrvatska betreibt neben dem Hauptsender RTL mehrere Spartenkanäle sowie den Streamingdienst Voyo.
Nova TV und N1 Kroatien
Nova TV d.d. wurde am 28. Mai 2000 als erster privater Fernsehsender mit nationaler Konzession in Kroatien gegründet. Nachdem CME den Sender von 2004 bis 2018 besessen hatte, übernahm der Medienkonzern United Group (Mehrheitseigner: BC Partners, Investmentfonds) die Kontrolle. Nova TV ist der meistgesehene kroatische Fernsehsender (Wochenerreichweite ca. 64 %). Ebenfalls zu United Group gehört der Kabelnachrichtenkanal N1 Kroatien (Betreiber: Adria News d.o.o.). 2025 durchlief United Media eine Governance-Krise: Gründer Dragan Šolak wurde als Vorstandsvorsitzender abgesetzt, CEO Viktorija Boklag schied aus dem Unternehmen aus; Rechtsstreitigkeiten liefen vor Gerichten in London und Amsterdam. Journalistinnen und Journalisten von N1 und Nova TV wandten sich in einem offenen Brief an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und warnten vor Auswirkungen auf die redaktionelle Unabhängigkeit.
Private Medienlandschaft – Printmedien
Hanza Media
Die Hanza Media d.o.o. entstand 2014 aus der Europa Press Holding (EPH). Das Unternehmen verlegt Jutarnji list (überregionale Qualitätszeitung, gegr. 1998), Slobodna Dalmacija (Regionalzeitung Dalmatien, gegr. 1943) und Sportske novosti (Sporttageszeitung) sowie das Onlineportal Index.hr. Der Gesamtumsatz betrug 36,78 Millionen Euro (2023), davon 7,59 Millionen Euro aus digitalen Publikationen. Hanza Media gilt neben Styria als einer der beiden marktprägenden Verlage im kroatischen Drucksektor.
Styria Media Group – Kroatien
Die Styria Media Group (Österreich; Eigentümer: Katholischer Medien Verein Privatstiftung) ist im kroatischen Markt mit zwei großen Tageszeitungen vertreten: 24sata (meistgelesene kroatische Boulevardzeitung; Umsatz 22,9 Mio. EUR ) und Večernji list (Qualitätszeitung, gegr. 1959; übernommen 2001; Umsatz 16,5 Mio. EUR ). Hanza Media und Styria bilden zusammen ein de-facto-Duopol im kroatischen Printmarkt.
Private Medienlandschaft – Online-Medien und unabhängiger Journalismus
Das unabhängige Wochenmagazin Nacional (gegr. 1995) gilt als eine der wichtigsten investigativen Stimmen Kroatiens. Die Faktencheckplattform Faktograf.hr (gegr. 2017) ist Mitglied des International Fact-Checking Network (IFCN). Die länderübergreifende Investigativredaktion Ostro (gegr. 2020, mit Redaktionen in Kroatien und Slowenien) kooperiert u. a. mit dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP). Alle drei Plattformen werden überwiegend durch internationale Fonds zur Förderung der Pressefreiheit getragen.
Aktuelle Entwicklungen 2025
Das Jahr 2025 war durch mehrere einschneidende Entwicklungen geprägt: die Einstellung von Al Jazeera Balkans (Juli 2025; mehr als 200 betroffene Medienarbeitende in der Region); die Schließung von Radio Nacional nach Nichtverlängerung der Sendekonzession (August 2025); eine Kürzung der staatlichen Förderung für das serbischsprachige Minderheitenblatt Novosti um 35 Prozent sowie erheblicher Stellenabbau bei N1 Croatia infolge der United-Group-Governance-Krise.
Eigentumskonzentration und Transparenz
Der Euromedia Ownership Monitor (EurOMo) benennt als strukturelle Risiken: die hohe Eigentumskonzentration im TV-Markt (zwei ausländische Gruppen) und im Printmarkt (Hanza/Styria-Duopol); intransparente staatliche Werbevergabe als Mittel der indirekten Einflussnahme; die hohe Zahl an SLAPP-Klagen; sowie den Einsatz des »Lex AP«-Zusatzes zur Einschränkung von Investigativrecherchen. Die Europäische Kommission verwies im Rule of Law Report 2025 auf ungelöste Transparenzprobleme bei Medieneigentum und Medienfinanzierung in Kroatien.European Commission (2025): 2025 Rule of Law Report – Chapter on Croatia. COM(2025). Online: commission.europa.eu
Regulierung Die Agencija za elektroničke medije (AEM) ist die zuständige Regulierungsbehörde. Seit 2023 betreibt sie eine zentralisierte Eigentümerdatenbank, die Angaben zu Eigentümern und Finanzierung aller registrierten Medien öffentlich zugänglich macht.Agencija za elektroničke medije. Online: e-mediji.hr
Siehe auch Listen von Medienunternehmen nach Staat
Literatur European Commission (2025): Rule of Law Report – Croatia. Link
Weblinks
EurOMo – Länderbericht Kroatien 2025 RSF – Länderprofil Kroatien AEM – Agencija za elektroničke medije Reuters Institute Digital News Report – Kroatien 2025
Einzelnachweise
Kategorie:Medienunternehmen (Kroatien) Kroatien