mini|200px|Alejandro Octavio Deustua Escarza Alejandro Octavio Deustua Escarza (* 22. März 1849 in Huancayo; Region Junín; † 6. August 1945 in Lima) war ein peruanischer Philosoph, Schriftsteller, Hochschullehrer und Politiker des Partido Civil, der unter anderem 1902 Premierminister sowie Innen- und Polizeiminister war.
Leben Alejandro Octavio Deustua Escarza, Sohn von Remigio Deustua Pomareda und Toribia Escarza, begann nach dem Besuch des Colegio Nuestra Señora de Guadalupe ein Studium der Philosophie, Geisteswissenschaften und Rechtswissenschaften an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos UNMSM, das er 1870 mit einem Lizenziat in Philosophie und Geisteswissenschaften beendete. Nachdem er 1873 seine Promotion zum Doktor der Rechte abgeschlossen hatte, nahm er eine Tätigkeit als Rechtsanwalt auf und unterrichtete zudem als Lehrer für Philosophie, Analysis, Geometrie und Alte Geschichte. 1873 wurde er zum Leiter der Abteilung für Primar- und Sekundarbildung des Departementsrats von Callao und im August 1880 zum Feldwebel zweiter Klasse der vierten Kompanie des 10. Reservebataillons befördert. Er gehörte von Anfang an der 1874 von Manuel Pardo gegründeten Bürgerpartei (Partido Civil) an. Während des Salpeterkrieges gegen Chile (1879 bis 1884) wurde er zum Leutnant befördert und nahm an der Schlacht von Miraflores (15. Januar 1881) teil. Er wurde 1895 zum Generaldirektor des Justizministeriums ernannt. Auf einer Regierungsmission nach Europa 1898 studierte er das Primar- und Sekundarschulwesen. Am 28. Juli 1901 wurde er Senator (Senador de la República) und vertrat im Senat bis zum 9. Dezember 1907 die Region Lima.
mini|200px|Unter Staatspräsident Eduardo López de Romaña war Deustua Escarza 1902 Premierminister. Als Nachfolger von Cesáreo Chacaltana Reyes wurde Deustua Escarza am 9. August 1902 von Staatspräsident Eduardo López de Romaña zum Premierminister (Presidente del Consejo de Ministros del Perú) und bekleidete dieses Amt bis zum 4. November 1902, woraufhin Eugenio Larrabure y Unanue neuer Premierminister wurde. In seinem Kabinett übernahm er zudem zwischen dem 9. August und dem 4. November 1902 auch den Posten des Ministers für Inneres und Polizei (Ministro de Gobierno y Policía).
mini|200px|Der deutsche Philosoph Karl Christian Friedrich Krause prägte das philosophische Werk und Wirken von Alejandro Octavio Deustua Escarza. Im Anschluss übernahm Alejandro Octavio Deustua Escarza, der auch korrespondierendes Mitglied der Academia Española de la Lengua war, 1902 eine Professur für Philosophie an der UNMSM. Er gilt als einer der „Begründer“ der lateinamerikanischen Philosophie. Tief geprägt vom Denken Karl Christian Friedrich Krauses vertrat er die Auffassung, dass „die Freiheit das Wesen der Gnade“ sei. Er übertrug das Konzept der schöpferischen Evolution auf die Ästhetik und argumentierte, dass sich die schöpferische Freiheit nur in der ästhetischen Betätigung vollends entfalte, da die Einbildungskraft einzig in dieser Existenzphase von Widerständen befreit sei. Er empfand zudem eine tiefe Geistesverwandtschaft mit den Ideen des mexikanischen Denkers José Vasconcelos und verfasste unter dem Titel La estética de José Vasconcelos (1939) ein Buch über dessen Ästhetik. Als Hochschullehrer galt er zudem als konservativer Spiritualist sowie Vertreter der Schule Rudolf Euckens und führte Autoren wie Wilhelm Windelband, Wilhelm Dilthey, und Henri Bergson ein. Seine Spekulationen, die sich zunächst auf den Bereich der Kunstphilosophie konzentrierten, tendierten allmählich dazu, zu einer praktischen Philosophie zu werden, die auf der Freiheit als Grundlage aller menschlichen Werte basierte. Er argumentierte dabei, dass das Prinzip aller Ästhetik die Freiheit sei, sowohl in ihrer statischen Manifestation, Ordnung und Harmonie, als auch in ihrer dynamischen Manifestation, dem schöpferischen Impuls. Die Ideen seines philosophischen Denkens fanden Ausdruck in Las ideas de orden y libertad en la historia del pensamiento humano („Die Ideen von Ordnung und Freiheit in der Geschichte des menschlichen Denkens“, 1917–1922) und in den beiden Bänden seines Werkes Estética aplicada („Angewandte Ästhetik“), die 1932 beziehungsweise 1955 erschienen. Der erste Band befasste sich mit Architektur, der zweite (posthum veröffentlichte) mit Bildhauerei, Malerei und Musik. Zu seinen Anhängern wiederum zählten einige der bedeutendsten Persönlichkeiten des peruanischen Geisteslebens, darunter Aurelio Miró Quesada, Honorio Delgado und Alberto Wagner de Reyna.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Senat wurde Deustua Escarza 1907 des Weiteren Mitglied des Obersten Bildungsrates (Consejo Superior de Instrucción) und entwarf in dieser Funktion eine Reform des Sekundarschulwesens, die in vier Zyklen gegliedert war: Vorbereitungsstufe, allgemeine Mittelstufe, technische Ausbildung und allgemeine Oberstufe. 1915 wurde er Dekan der Fakultät für Philosophie und Literatur der UNMSM und vertrat Peru als Delegierter beim Zweiten Panamerikanischen Wissenschaftskongress. 1918 löste er Manuel González Prada als Direktor der Nationalbibliothek BNP (Biblioteca Nacional del Perú) und behielt dieses Amt bis zu seiner Ablösung durch Carlos A. Romero Ramírez 1928. Als Nachfolger von José Matías Manzanilla wurde er 1928 Rektor der Universität San Marcos und bekleidete dieses akademische Amt bis 1930, woraufhin José Matías Manzanilla ihn auch wieder ablöste. Zudem arbeitete er als Notar in der Provinz Callao.
Alejandro Octavio Deustua Escarza war zwei Mal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit Victoria Rosas de la Puente-Risco ging der Sohn Ricardo Alejandro Deustua Rosas hervor, während aus der zweiten Ehe mit Edelmira Jacobelli der Sohn Ricardo Alejandro Deustua Jacobelli hervorging. Nach seinem Tode wurde er auf dem Friedhof Cementerio Presbítero Matías Maestro beigesetzt.
Veröffentlichungen Copias de historia del arte („Kunstgeschichtliche Abhandlungen“), Lima 1900 Apuntes sobre enseñanza secundaria („Anmerkungen zur Sekundarbildung“), Lima 1908 La Cultura superior en Italia („Höhere Kultur in Italien“), Librería francesa científica, Lima 1912 A propósito de un cuestionario sobre la reforma de la ley de instrucción („Über einen Fragebogen zur Reform des Bildungsgesetzes“), Impr. M. A. Dávila, Lima 1914 La reforma de la segunda enseñanza („Die Reform der Sekundarbildung“), Impr. del Centro Editorial, Lima 1916 Las ideas de orden y de libertad en la historia del pensamiento humano („Die Ideen von Ordnung und Freiheit in der Geschichte des menschlichen Denkens“), Casa Ed. E.R. Villarán, Lima 1919 Apuntes para el curso de estética („Anmerkungen zum Ästhetikkurs“), Emp. Tip. Unión, Lima 1920 Estética general („Allgemeine Ästhetik“), Imp. Eduardo Rávago, Lima 1923 Lo bello en la naturaleza („Schönheit in der Natur“), Impr. A.J. Rivas Berrio, Lima 1929 La cultura superior en Suiza („Höhere Kultur in der Schweiz“), Impr. A.J. Rivas Berrio, Lima 1929 Estética aplicada. Lo bello en la naturaleza (apuntes) („Angewandte Ästhetik. Schönheit in der Natur (Anmerkungen)“), Impr. A.J. Rivas Berrio, Lima 1929 Informe presentado al Supremo gobierno del Perú („Bericht an die Oberste Regierung von Peru“), Impr. A.J. Berrio, Lima 1929/1930 Ante el conflicto nacional („Vor dem nationalen Konflikt“), Emp. Edit. de El Callao, Callao 1931 Estética aplicada („Angewandte Ästhetik“), Compañía de Impresiones y publicidad, Lima 1932 Lo bello en el arte („Schönheit in der Kunst“), Compañía de Impresiones y Publicidad, Lima 1932 Estética aplicada. Lo bello en el arte: escultura, pintura, música, apuntes y extractos („Angewandte Ästhetik. Schönheit in der Kunst: Skulptur, Malerei, Musik, Notizen und Auszüge“), Impr. Americana, Lima 1935 Cultura política („Politische Kultur“), Emp. Ed. El Callao, Lima 1936 La cultura nacional („Nationale Kultur“), Empresa Ed. de El Callao, Lima 1937 Los sistemas de moral („Systeme der Moral“), Ed. El Callao, Callao 1938/1940 La estética de José Vasconcelos („Die Ästhetik von José Vasconcelos“), Tall. Gráf. de P. Barrantes C., Lima 1939 posthum Ensayos escogidos de filosofía y educación nacional („Ausgewählte Essays zur Philosophie und nationalen Bildung“), Cía. de Impresiones y Publicidad, Lima 1967 El problema nacional de la educación („Das nationale Bildungsproblem“), Emp. Editora de El Callao, Lima 1970
Literatur Enrique Barboza: Las ideas pedagógicas de Alejandro Deustua („Die pädagogischen Ideen von Alejandro Deustua“), Librería e imprenta Gil, Lima 1939
Weblinks Alejandro Octavio Deustua Escarza (S. 197, 202), in:
Einzelnachweise
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