Lenzersilge ist ein bewohnter Gemeindeteil im Ortsteil Laaslich der amtsfreien Gemeinde Karstädt im Landkreis Prignitz in Brandenburg.Auflistung als Gemeindeteil von Karstädt im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 14. Mai 2026
Geografische Lage Lenzersilge liegt im äußersten Südwesten der Gemarkung und grenzt im Norden, Westen und Süden an die Gemeinde Lanz. Nördlich fließt die Löcknitz am Gemeindeteil vorbei. Durch den Ort führt die L 12; die südlich gelegenen Flächen werden durch den 4. Graben–1 und den Graben–2 in den Bekgraben entwässert. Das Gelände liegt auf einer Höhe von rund .Lenzersilge, Brandenburgviewer, abgerufen am 25. Mai 2026. Die Siedlung ist als neues Reihendorf ausgebildet, dessen Zeilenstruktur einem Marschhufendorf ähnelt. Südlich der Ortsmitte am Ortsrand wurde eine altslawische Siedlung des 8. bis 9. Jahrhunderts festgestellt. Am nördlichen Ausgang des Ortes in der Löcknitzniederung befand sich vermutlich ein altslawischer Burgwall, der in der Flurkarte von 1765 als Borchwall bezeichnet wird, inzwischen jedoch abgetragen ist; vorgelagert bestand eine Siedlung des 7. bis 8. Jahrhunderts.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 506
Geschichte und Etymologie Etymologie Das Dorf wurde erstmals 1772 als Sillge urkundlich erwähnt und 1775 als die Lenzensche Silge bezeichnet. Die Name Silge bezeichnete ein „Bruch und Waldgebiet“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 103, ISBN 3-937233-17-2., der zur Pflanzenbezeichnung Silge aus der Gattung Selinum gehört; Lenzer bedeutet zu Lenzen gehörig.
18. Jahrhundert Lenzersilge gehörte zur Stadt Lenzen und zum Amt Eldenburg-Lenzen. 1775 wird ein Jägerhaus erwähnt; die Lenzensche Silge mit den dazugehörigen Damerowschen Wiesen befand sich im Besitz mehrerer Interessenten, während die Hütung durch die Gemeinden zu Ferbitz erfolgte. 1776 wurde ein Plan zur Urbarmachung und Besiedlung entwickelt: Insgesamt 1012 Morgen gehörten zu Lenzen, davon sollten 506 Morgen zur Einrichtung von Siedlerstellen bereitgestellt werden, 125 Morgen wurden an von Möllendorf zu Gadow als Erbpächter des Kämmereivorwerks Babekuhl eigentümlich überlassen, während 381 Morgen der Bürgerschaft verblieben. 1782 begann die Urbarmachung des Silgebruchs mit der Errichtung einer Kolonie aus Holländer- und Büdnerstellen auf dem Besitzanteil von Stadt und Amt Lenzen an der sogenannten Gemeinen Silge; den Kolonisten wurden ab 1781 Freijahre gewährt. 1791 bestand die Kolonie aus 11 Bauernstellen und einem Haus bei insgesamt fünf Feuerstellen.
19. Jahrhundert 1801 umfasste die Siedlung neun Ganzbauernstellen, acht Büdnerstellen, zwei Einlieger sowie ein Forsthaus. 1846 sind 26 Wohnhäuser belegt. Für 1852 wird die Kolonie an der Löcknitz beschrieben, die durch Koppelwirtschaft, zweischürige Wiesen und dauerhafte Rinderhütung geprägt war; betrieben wurden vor allem Viehzucht mit inländischem Rindvieh sowie Butter- und Käseproduktion, während Federvieh- und Bienenzucht sowie Fischerei keine Rolle spielten. 1860 bestanden 27 Wohn- und 21 Wirtschaftsgebäude; die Gemarkung umfasste 677 Morgen, davon 8 Morgen Gehöfte, 16 Morgen Gartenland, 49 Morgen Acker, 76 Morgen Wiese und 527 Morgen Weide.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 507
20. Jahrhundert 1900 waren 25 Häuser vorhanden; 1931 werden 26 Wohnhäuser genannt, bei einer Fläche von 185 Hektar. 1939 bestanden land- und forstwirtschaftliche Betriebe in folgender Struktur: neun Betriebe mit 10–20 ha, acht mit 5–10 ha und drei mit 0,5–5 ha, insgesamt mit 71 in der Landwirtschaft tätigen Personen; daneben waren jeweils sechs Personen in Industrie und Handwerk sowie in Handel und Verkehr beschäftigt.
Im Zuge der Bodenreform wurden 1946 insgesamt 91,94 Hektar enteignet und aufgeteilt: 11 Neubauern erhielten 23,47 ha, sieben weitere 48,61 ha, drei Altbauern 15,85 ha, während der Rest an die Gemeinden fiel. 1959 gründete sich die erste LPG Wiesengrund mit vier Mitgliedern und 27,27 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche; 1960 entstand eine LPG Typ I mit 35 Mitgliedern und 203,44 ha LN. 1973 erfolgte der Anschluss der LPG Lenzersilge an die LPG Jupp Angenfort in Laaslich. Verwaltungsmäßig wurde Lenzersilge 1931 und 1971 als Gemeinde geführt, 1973 in die Gemeinde Laaslich eingegliedert und 1985 sowie 1995 als Ortsteil von Laaslich ausgewiesen.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Lenzersilge von 1772 bis 1971 Jahr 1772 1791 1801 1817 1837 1858 1871 1895 1925 1939 1946 1964 1971 Einwohner 19 74 117 108 116 141 137 99 89 93 172 106 93
Kultur und Sehenswürdigkeiten In Lenzersilge stehen mehrere Gebäude unter Denkmalschutz. Dazu zählt ein Wohnhaus in der Lanzer Chaussee 13, das als Querdielenhaus ausgeführt ist und damit eine für die Region typische ländliche Bauform repräsentiert. Ebenfalls geschützt ist ein Gehöft in der Lanzer Chaussee 20, bestehend aus Wohnhaus, Wirtschaftsgebäude, Scheune und Nebengebäude, das die historische Hofstruktur bewahrt. Ein weiteres denkmalgeschütztes Gehöft befindet sich in der Lanzer Chaussee 22; es umfasst neben dem Wohnhaus vier Wirtschaftsgebäude sowie eine Wasserpumpe und eine Einfriedung.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Karstädt (Prignitz) Kategorie:Ort im Landkreis Prignitz Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Prignitz) Kategorie:Gemeindeauflösung 1973 Kategorie:Ersterwähnung 1775