William Charles Crossgrove (* 6. Juni 1938 in Archbold, Ohio; † 29. November 2018) war ein US-amerikanischer Germanist und Mediävist. Er war Professor für German Studies und Comparative Literature an der Brown University. Er befasste sich mit der deutschen Fachprosa des Mittelalters, der volkssprachigen medizinischen Literatur und ab 1979 speziell mit der Überlieferung des Lehrgedichts Macer floridus.

Leben William C. Crossgrove wuchs in einer bäuerlichen Familie auf. Er erwarb einen Bachelor of Arts an der Ohio University und wurde an der University of Texas at Austin promoviert.William Crossgrove Obituary, abgerufen am 24. Mai 2026. Seine Dissertation von 1962 trägt den Titel Vowel Quantity in Proto-Germanic.PhD 1924–1975 beim Department of Germanic Studies der University of Texas at Austin, abgerufen am 24. Mai 2026.

1962 kam er an die Brown University, wo er Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft lehrte. Neben deutscher Sprache, Literatur und Kulturgeschichte befasste er sich auch mit fachübergreifenden Themen wie Landwirtschaft und Hunger in historischer Sicht. Mit Förderung deutscher Forschungseinrichtungen verbrachte er Forschungssemester in Deutschland und arbeitete dort an mittelalterlichen Handschriften in Universitätsbibliotheken.Faculty, in: Brown Alumni Magazine, abgerufen am 24. Mai 2026.People beim Department of German Studies der Brown University, abgerufen am 24. Mai 2026.

Bereits seit den 1960er Jahren veröffentlichte er auch zur Computerlinguistik. An der Brown University übernahm Crossgrove auch universitäre Verwaltungsaufgaben, unter anderem als Associate Dean of the Faculty. 2003 wurde er emeritiert. Danach war er bis 2016 Administrative Director der George A. and Eliza Gardner Howard Foundation.

William Crossgrove war 53 Jahre mit Hannelore „Lo“ Guenther verheiratet, die er an der Brown University kennengelernt hatte.

Forschung Crossgrove befasste sich vor allem mit deutscher Sachliteratur und medizinischer Fachprosa des Mittelalters. Früh untersuchte er, 1970 als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung in Heidelberg, angeregt durch Gerhard Eis die Überlieferung des sogenannten Älteren deutschen Macer. Am von Gundolf Keil geleiteten Institut für Geschichte der Medizin in Würzburg führte er 1977 und 1980, gefördert durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst und die Alexander von Humboldt-Stiftung, diese Untersuchungen fort.Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“. Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer Floridus „De viribus herbarum“ (= Texte und Textgeschichte. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. X, 56 und öfter. Er untersuchte außerdem Texte aus dem Umfeld von Alexander Hispanus, Petrus de Crescentiis und spätmittelalterlicher Kräuter- und Arzneibuchliteratur.

Sein Buch Die deutsche Sachliteratur des Mittelalters erschien 1994 in der Germanistischen Lehrbuchsammlung. Zusammen mit Bernhard Schnell edierte er die kritische Ausgabe des deutschen Macer, die 2003 in der Reihe Texte und Textgeschichte erschien.

Schriften (Auswahl) Buchveröffentlichungen Vowel quantity in Proto-Germanic. Philosophische Dissertation, University of Texas, Austin 1962 (University Microfilms, Ann Arbor, Michigan). mit Hannelore Crossgrove und Peter Hagboldt: Graded German reader. Erste Stufe. 2. Auflage. Heath, Lexington, Mass. 1978, ISBN 0-669-01533-4. als Herausgeber mit Lucile F. Newman: Hunger in History. Food Shortage, Poverty, and Deprivation. Blackwell, Cambridge, Mass. 1990, ISBN 1-55786-044-0. Die deutsche Sachliteratur des Mittelalters (= Germanistische Lehrbuchsammlung. Band 63, Abteilung 2, Reihe B). Lang, Bern u. a. 1994, ISBN 3-906750-88-4. Rezension: Richard H. Lawson. In: Journal of Germanic Linguistics. Band 7, Nr. 2, 1995, S. 260–263. () mit Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“. Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer Floridus „De viribus herbarum“ (= Texte und Textgeschichte. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X.

Aufsätze und Beiträge A Syntactic Concordance for Middle High German. In: Paul L. Garvin, Bernard Spolsky (Hrsg.): Computation in Linguistics. A Case Book. Indiana University Press, Bloomington 1966, S. 42–59. The Forms of Medieval Technical Literature: Some Suggestions for Further Work. In: Jahrbuch für Internationale Germanistik, Band 3, 1971, S. 13–21. The Use of Computers in the Study of Medieval German: Two Suggestions. In: Mohammad Ali Jazayery, Edgar C. Polomé, Werner Winter (Hrsg.): Linguistic and Literary Studies in Honor of Archibald A. Hill. Band 1: General and Theoretical Linguistics. Mouton, Den Haag / Paris / New York 1978, S. 93–98. Zur Erforschung des „Älteren deutschen Macer“. In: Sudhoffs Archiv, Band 63, 1979, S. 71–86. The alleged source of the German Macer. A misapplied rule. In: Res Publica Litterarum. Band 3, 1980, S. 11–16. Eine frühe Überlieferung des „Alexander Hispanus“. In: Sudhoffs Archiv. Band 64, 1980, S. 391–392. Textual Criticism in a Fourteenth-Century Scientific Manuscript. In: William Eamon (Hrsg.): Studies on Medieval Fachliteratur. Brüssel 1982, S. 45–58. ›Macer‹-Miszellen. In: Gundolf Keil (Hrsg.): „gelêrter der arzenîe, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift [zum 70. Geburtstag von] Willem F. Daems (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 24). Wellm, Pattensen, jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg, 1982 (erschienen 1983), ISBN 3-921456-35-5, S. 403–409. Macer. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 5. De Gruyter, Berlin / New York 1985, Sp. 1109–1116. Niederdeutscher Gewürztraktat. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 6. De Gruyter, Berlin / New York 1987, Sp. 988–990. Petrus de Crescentiis. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 7. De Gruyter, Berlin / New York 1989, Sp. 499–501. Zur Datierung des „Macer Floridus“. In: Josef Domes, Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Christoph Weißer und Volker Zimmermann (Hrsg.): Licht der Natur. Medizin in Fachliteratur und Dichtung. Festschrift für Gundolf Keil zum 60. Geburtstag (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik. 585). Kümmerle, Göppingen 1994, S. 55–63. Das landwirtschaftliche Handbuch von „Petrus de Crescentiis“ in der deutschen Fassung des „Bruder Franciscus“. In: Sudhoffs Archiv. Band 78, 1994, S. 98–106. Witschuh von Alsfeld. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 10 (1998), Sp. 1275–1276 The Vernacularization of Science, Medicine, and Technology in Late Medieval Europe: Broadening Our Perspectives. In: Early Science and Medicine. Band 5, 2000, S. 47–63. Macer Floridus. In: The Oxford Dictionary of the Middle Ages. Oxford University Press, Oxford 2010.

Weblinks William Crossgrove auf den Seiten des Department of German Studies der Brown University Nachruf im Brown Alumni Magazine

Einzelnachweise

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