mini|Kraftwerk Tinfos I mini|Turbinenhalle von Vemork mini|Kraftwerk Svælgfos I im frühen 20. Jahrhundert Die Industriedenkmalstätte Rjukan–Notodden (; ) ist eine Welterbestätte in der norwegischen Provinz Telemark. Sie umfasst ein industrielles Kulturlandschaftsensemble aus Wasserkraftwerken, Fabriken, Stromleitungen, Verkehrsanlagen und Arbeitersiedlungen zwischen Rjukan und Notodden. Die Stätte dokumentiert die frühe großindustrielle Nutzung von Wasserkraft zur Herstellung von Kunstdünger durch Norsk Hydro auf Grundlage des Birkeland-Eyde-Verfahrens.

Bedeutung Das Welterbegebiet liegt in einer von Bergen, Flusstälern und Wasserfällen geprägten Landschaft. Nach Einschätzung der UNESCO verbindet es technische Pionierleistungen der frühen Wasserkraftnutzung mit Fabrikanlagen, Transportsystemen und planmäßig angelegten Industriestädten. Der außergewöhnliche universelle Wert beruht auf der Verbindung von Naturraum, Energieerzeugung, chemischer Industrie und sozialer Infrastruktur für die Arbeiterschaft. Die Stätte wurde 2015 nach den Kriterien (ii) und (iv) in die Welterbeliste aufgenommen.

Geschichte Um 1900 bot die wasserreiche Landschaft Telemarks günstige Voraussetzungen für eine energieintensive Industrie. Der Physiker Kristian Birkeland und der Unternehmer Sam Eyde entwickelten ein Verfahren, bei dem Luftstickstoff mithilfe eines elektrischen Lichtbogens gebunden und für die Produktion von Calciumnitrat nutzbar gemacht wurde. Aus der industriellen Umsetzung entstand 1905 die Gesellschaft Norsk Hydro.

Die ersten Anlagen entstanden in Notodden, wo die Produktion zunächst mit Strom aus dem Kraftwerk Tinfos betrieben wurde. Für die Ausweitung der Produktion errichtete Norsk Hydro anschließend eigene Wasserkraftwerke, darunter Svælgfos und später Vemork. Das 1911 fertiggestellte Kraftwerk Vemork galt bei seiner Eröffnung als das größte Wasserkraftwerk der Welt und wurde später auch durch Sabotageaktionen gegen die deutsche Schwerwasserproduktion im Zweiten Weltkrieg bekannt, was den Bau einer deutschen Atombombe verhinderte.

Mit dem Aufstieg der Düngemittelproduktion entstanden in Rjukan und Notodden neue Industriestädte mit Arbeiterwohnungen, sozialen Einrichtungen und Verkehrsverbindungen. Bahnlinien, Fähren und Hafenanschlüsse verbanden die abgelegenen Produktionsstandorte mit internationalen Absatzmärkten.

Svælgfos I und II wurden später zusammen mit dem Kraftwerk Lienfoss zu einem Kraftwerk zusammengelegt, das weiterhin in Betrieb ist. Norsk Hydro hält die Mehrheitsbeteiligung an dem Kraftwerk.

Bestandteile Zur Welterbestätte gehören Wasserkraftwerke, Dämme, Tunnel, Druckrohrleitungen, Stromleitungen, Fabrikareale, Bahnstrecken, Fährverbindungen und städtische Siedlungen. Besonders bedeutende Bestandteile sind die Industrieanlagen in Notodden, die Rjukanbanen, die Tinnosbanen, die Kraftwerke Tinfos I und II, Svælgfos, Vemork und Såheim sowie die zugehörigen Wohn- und Sozialbauten in den Industriestädten. Touristisch interessant ist außerdem die 1928 errichtete Seilbahn Krossobanen, die älteste Zweiseilbahn Nordeuropas.

Das frühere Kraftwerk Vemork beherbergt heute das Norwegische Industriearbeitermuseum. Es vermittelt die Geschichte der örtlichen Wasserkraft, der Industrialisierung Rjukans und der Schwerwasserproduktion während des Zweiten Weltkriegs.

Weblinks Industriekulturerbestätte Rjukan–Notodden (deutsch) Eintrag der Industrielandschaft Rjukan–Notodden beim UNESCO World Heritage Centre (englisch) Offizielle Website zur Industrielandschaft Rjukan–Notodden (englisch) Norwegian Industrial Workers Museum (englisch)

Einzelnachweise

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