Heiseb, auch Heitsi Eibeb, Heitsi Kabib, Heigeib oder Heisegeib ist eine Gestalt aus der Geisteswelt der Khoikhoi-Völker im heutigen Südafrika und Namibia.

Heiseb hat einen vielseitigen und widersprüchlichen Charakter. Er ist unheimlich sowie unberechenbar und kann Streiche spielen oder als Held auftreten, um zu Nahrung oder Feuer zu verhelfen oder um Unholde zu besiegen. Er ist des Gestaltwandelns fähig und kann zuweilen auch Gedanken lesen sowie Tote wieder zum Leben erwecken. Auch ist er zu unmoralischen Handlungen fähig. Nach Sigrid Schmidt waren die Geschichten um Heiseb bei den Nama und Damara früher sehr bekannt, dann verschwanden sie aber fast gänzlich aus dem Erzählgut, da Tiere Heisebs Rolle übernahmen. So wurden bei den Nama im Süden von Namibia die Geschichten über Heiseb zu Geschichten über den Schakal, auf den bei dem Namen Heiseb verwiesen wird. Von den Europäern wurde er zuerst für einen Häuptling gehalten. Vergleichbar sei er aber mit dem Rübezahl. Im Englischen wurde er als Trickster bezeichnet, so wie ähnliche andere Gestalten bei Jägervölkern. Die Bezeichnungen für dieses Wesen variieren bei den Nama und Damara. Manchmal werden verschiedene Namen in ein und derselben Geschichte genannt. Verwandt sein könnte das Wort „haib“, das Baum bedeutet.Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 243–244.

Geschichten Mot. steht für das Motiv nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk-Literature (6 Bände, Kopenhagen 1955–1958).

Heiseb und der Zauberer Duwuwuseb, der die Menschen in der Erde verschwinden ließ Heiseb, das größte und älteste Wesen der Welt, das so etwas wie Gott ist, spielt den Menschen oft Streiche, hilft ihnen aber auch. Er hört einmal von dem mächtigen Zauberer Duwuwuseb, der eine tiefe Grube graben lässt, wobei jedoch viele Menschen sterben. Also begibt er sich zu ihm und beginnt ebenfalls in der Grube zu graben, doch was der Zauberer auch versucht, Heiseb blickt dabei nie zu ihm nach oben, da er Gedanken lesen kann und weiß, dass wenn er dies täte, er ebenfalls sterben würde. Am Rand der Grube sitzt eine Hasenfrau, die die Zaubermittel des Zauberers bewacht. Sie bekommt nach einiger Zeit Mitleid mit den getöteten Menschen und verrät Heiseb, dass der Zauberer die Menschen mit dem dritten Zaubermittel tötet. Heiseb gräbt daraufhin weiter und blickt weiterhin nicht nach oben, sodass der Zauberer zornig wird und selbst in die Grube steigt, um zu zeigen, wie man es richtig macht. Da springt Heiseb aus der Grube heraus, um dem Häschen das dritte Zaubermittel zu entreißen und es auf den nach oben blickenden Zauberer zu werfen. Duwuwuseb stirbt daraufhin und verschwindet in einer Wasserader in der Erde, die ihn fortspült. Das am Tod der vielen Menschen beteiligte Häschen aber wird von Heiseb erschlagen (Mot. G 526: Held überlistet Unhold, indem er sich dumm stellt).Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 9–11, 256.

Heiseb und der Geizige Der geizige !Abmadawiseb schlachtet niemals eines seiner Tiere, auch nicht, wenn er Besuch von einer Frau erhält. Kocht die Frau ihm jedoch etwas zu Essen, so muss sie sehr vorsichtig sein, denn beim kleinsten Staubkorn in der Tasse bringt er sie um, wodurch schon viele Frauen gestorben sind. Heisegeib hört davon und meint zu den Leuten, dass der Geizhals für ihn bestimmt schlachten werde. Also verwandelt er sich in ein sehr hübsches Mädchen und bindet sich eine eingewickelte, mit Wasser gefüllte Kalebasse auf den Rücken, die wie ein Kind aussieht. Bei !Abmadawiseb angekommen, ist dieser bereit, eines seiner Tiere zu schlachten. Nach dem Essen legen sie sich in das einzige vorhandene Bett, wobei die Kalebasse zwischen ihnen liegt und Heisegeib, jedes Mal, wenn !Abmadawiseb versucht näher zu rücken, Wasser aus der Kalebasse lässt, sodass es wirkt, als ob das Kind pisse. !Abmadawiseb gibt seine Annäherungsversuche daraufhin auf und am nächsten Morgen verschwindet Heisegeib mit all dem Fleisch. Der Geizige verfolgt ihn zwar, findet aber nur einen alten Mann. Als er weiter geht, verwandelt sich Heisegeib wieder in einen jungen Mann, nimmt das Fleisch und geht zu den Leuten, die erstaunt sind, dass der Geizhals für ihn geschlachtet hatte (Mot. D 671: Flucht durch Verwandlung).Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 11–14, 256.

Heiseb und der Mann, der sich selbst kochte Heiseb macht sich über Xowawaseb lustig, da dieser so mager ist, und fragt ihn zum Spott, wer ihn denn essen solle, wenn er einmal gestorben sei, woraufhin Xowawaseb ihm entgegnet, dass er dies tun werde. Einige Zeit später findet Heiseb dann ein verlassenes Feuer vor, auf dem ein Topf steht, in dem Fleisch kocht. Er ruft lange umher, wem das Fleisch denn gehöre, und da niemand kommt, isst er davon. Da beginnt der Wind zu säuseln, dass er Xowawaseb sei und er ihn gerade esse und auf einmal steht Xowawaseb vor Heiseb, der tüchtig hereingelegt wurde.Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 14–15, 256.

Heisebs Kampf mit der Frau, die ihr Haus zu Stein werden lässt Eine wunderschöne Frau namens Si!as hat die Fähigkeit so pupen zu können, sodass sie damit ihr gesamtes Haus, samt Fenster und Türen, zu Stein lassen werden kann. Mit ihrer Schönheit lockt sie Reisende in ihr Haus, verlässt dieses dann und pupt, sodass die Menschen eingeschlossen sind und verhungern oder verdursten, wodurch sie an ihre Habe kommt. Heiseb hört von der Begebenheit und beschließt, sich die Sache anzusehen. Unterwegs versucht er mehrmals, die Rinder der Frau Hase zu entwenden, die jedoch fliegen kann und die Tiere immer wieder einholt und zurückpfeift. Also bittet er sie um einen mageren Ochsen, den er schließlich auch erhält. Er schlachtet ihn und da erscheint Si!as, zu deren Haus sie das Ochsenfleisch bringen. Als Si!as drinnen ist und Heiseb draußen, pupt sie jedoch, sodass er nicht zu ihr hinein kommt und sie sich gemütlich das Fleisch zubereiten kann. Heiseb tut daraufhin so, als würde er weggehen, und wartet, bis Si!as das Haus verlässt, um sich davor schlafen zu legen. Er schleicht sich dann mit dem Wind an und steckt um ihren Hals die Astgabel eines langen Stockes, womit er sie festhält und zu Boden drückt. Sie pupt daraufhin, doch da Heiseb über dem Wind ist, wird er davon nicht betroffen, stattdessen aber pupt er zurück. Als Si!as dann tot ist, betritt Heiseb ihr Haus, in dem er sein Fleisch findet sowie die Sachen von abertausenden Menschen, die er ebenfalls mit heim nimmt.Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 16–19, 256–257.

Heiseb wird zu einem toten Kudu und lässt sich schlachten Ein schönes Mädchen will nicht heiraten und weist alle Männer ab, also beschließt Heiseb, sich der Sache anzunehmen. Sie lehnt auch ihn ab, woraufhin er sich, kurz bevor die Frauen zum Feldkostsammeln aufbrechen, zum Feld begibt, um sich dort als ein toter Kudu hinzulegen. Die Frauen freuen sich und schlachten das Tier. Das schöne Mädchen aber beansprucht nur die Geschlechtsteile für sich. Am Feuer gart sie diese dann, um sie anschließend mit einem Stein weichzuklopfen. Als sie aber drauf schlägt, springen sie in die Luft und anschließend in das Mädchen hinein, wodurch Heiseb es kostet.Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 19–20, 257.

Heiseb und die Bienen Heiseb, der Herr über Menschen und Tiere, kommt oft zu den Bienen, um sich Honig geben zu lassen. Er tut dies jedoch zu oft, sodass die Bienen böse werden und ihm die Kopfhaut und die Schädeldecke abreißen. Beschämt schleicht er sich davon, woraufhin er die Klippdächsin trifft. Diese erschrickt beim Anblick Heisebs und meint, dass schlechte Zeiten aufziehen, also schlägt Heiseb sie tot und macht sich aus ihrem Fell eine Mütze. Zu Hause bei Frau und Kind versteckt er mit dieser seine Wunde. Seine Frau wundert sich jedoch darüber, also sorgt sie dafür, dass sie weiterziehen und an ihrem nächsten Wohnort ihr Kind die Mütze herunterzieht. Heiseb reißt daraufhin sein Gehirn heraus, teilt es und wirft die beiden Stücke an zwei verschiedene Stellen, wobei er meint, dass die eine gut und die andere schlecht sei. Die Hirnteile verwandeln sich daraufhin in die Feldkost !han, von der es eine süße und eine bittere Sorte gibt. Das Märchen stammt aus Viktor Lebzelters Eingeborenenkulturen in Südwest- und Südafrika (Leipzig 1934, S. 173; Mot. A 1420: Erlangung der Nahrungsmittel für die Menschen).Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 22–23, 257.

Heiseb macht aus seinem Gehirn Veldkost Während einer großen Dürre führt Heisegeib die Menschen an, die auf der Suche nach Nahrung umherwandern. All das Gute für sie hat er in seinem Kopf und in seinem Hut, doch er lässt es nicht heraus, da er neidisch auf die Menschen ist und sie auch strafen will, sodass sie ein bisschen hungern, weswegen er auch die Dürre gemacht hatte. Er hat zwei Frauen, von denen die erste dumm ist, die zweite aber klug, und diese ahnt, dass der Hut ein Geheimnis birgt. Also weist sie ihren Sohn an, den Vater während der Wanderung darum zu bitten, auf dessen Rücken getragen zu werden. Heisegeib kommt dem nach, doch als er das Kind später wieder heruntersteigen lässt, reißt es seinem Vater den Hut vom Kopf. Heisegeib ist daraufhin verblüfft und steht einfach nur da. Dann greift er sich in seinen Kopf und holt nach und nach die Feldzwiebeln, die Ganana-Knollen, die Feldkartoffeln, die Honigbienen und die wilden Karotten heraus, um sie durch die Gegend zu werfen, sodass er den Menschen das gesamte Wohlergehen gibt. Er denkt sich daraufhin, dass die Menschen ziemlich schlau geworden sind und ihn überlistet haben, also stirbt er, bevor die Menschen beschließen, ihn zu töten. Er wird von den Menschen begraben, doch da er nicht wirklich tot ist, erwidert er später das Spiel seines Jungen auf dem Bogen, das seine Frauen erkennen. Später kommen die Menschen zu Heisegeibs Grab zurück und sehen den Alten dort tanzen. Als er sie bemerkt, verschwindet er im Gebüsch, und ein Waran macht sich daran, sie davonzujagen, woraufhin die Menschen zu sich meinen, dass Heisegeib ihnen noch viel Ärger bereiten werde und in ein anderes Land ziehen (Mot. A 560 Kulturheros geht fort).Sigrid Schmidt (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Namibia – Volkserzählungen der Nama und Dama. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 23–25, 257.

Wie die Menschen der Urzeit zu Tieren wurden