mini|Frau Schreiber von Lovis Corinth (1901) Hannah Schreiber de Grahl (* 23. April 1864 auf Gut Wulfsdorf, heute Ahrensburg; † 9. April 1930 in Neubeckum) war eine deutsche impressionistische Malerin, außerdem Schriftstellerin und Kunstmäzenin. Sie nahm unter anderem bei Karl Hagemeister Privatunterricht. Daneben war sie mit Lovis Corinth, Lesser Ury und Hans Klohss befreundet. Ihre Werke sind unter anderem in der Sammlung des Potsdam Museum.
Leben Hannah de Grahl wurde 1864 als Tochter von Amalie de Grahl (geborene Lamberger) und Otto de Grahl auf Gut Wulfsdorf bei Hamburg geboren. Ihre Mutter stammte aus Lemberg in Galizien, ihr Vater aus Hamburg. Sie wuchs mit fünf Geschwistern in großbürgerlichen Verhältnissen in einem künstlerischen Umfeld in Hamburg und Ostpreußen auf. Der Miniaturen- und Porträtmaler August Grahl (1791–1868) war ihr Urgroßonkel. Die Familie de Grahl zog innerhalb Ostpreußens mehrere Male um und lebte ab 1881 in Hannover.
Ende 1882 verlobte Hannah de Grahl sich mit dem Kunsthistoriker und Privatdozenten Wilhelm Ludwig Schreiber (1855–1932), den sie im Jahr darauf heiratete. Das Paar hatte ab 1889 fünf Kinder und lebte in Potsdam, ab 1893 zusätzlich in einer Villa in Geltow als Sommersitz.
Spätestens ab 1893 beschäftigte Hannah Schreiber de Grahl sich autodidaktisch mit Malerei, da sie als Frau vom Studium an einer Kunstakademie ausgeschlossen war. Etwa ab 1900 wurden ihre Gemälde auf Ausstellungen in Berlin, Forst/Lausitz und Potsdam ausgestellt, sie sah sich aber noch nicht in der Situation, diese auch zu verkaufen. Sie pflegte fachliche und freundschaftliche Kontakte zu Lesser Ury, Hans Klohss und Lovis Corinth, der sie 1901 (zusammen mit ihrer Schwiegermutter) porträtierte. Bei Bernhard Buttersack nahm sie ab 1902 Unterricht, aber erst der intensive Kontakt zu Karl Hagemeister, bei dem sie ab 1903 Schülerin war, gilt als prägend. Unter seinem Einfluss wandte sie sich der Freiluft-Landschaftsmalerei zu.
Durch Hagemeister wurde Schreiber de Grahl auch auf die prekäre Lage vieler Künstler in der Region aufmerksam. Als eine Initiative zu einer Lotterie fehlschlug, war sie anlässlich einer ihrer Ausstellungen 1907 in die Gründung des Potsdamer Kunstvereins involviert.
In den folgenden Jahren verschlechterte sich die finanzielle Situation der Familie. Wilhelm Ludwig Schreiber konnte die Lage 1909 zunächst durch Verkauf seiner großen Sammlung mittelalterlicher Holzschnitte stabilisieren, aber nach dem Ersten Weltkrieg verlor er durch die Inflation das gesamte Vermögen, so dass der Lebensunterhalt ab 1923 durch Hannah Schreiber de Grahls Kunst bestritten wurde.
Ab 1928 lebte das Paar vermutlich dauerhaft bei der ältesten Tochter in Neubeckum, wo Hannah Schreiber de Grahl 1930 im Alter von 65 Jahren starb.
Werke (Auswahl) Dem Brandenburgisches Künstlerlexikon zufolge sind fünfzig von Hanna Schreiber de Grahls Werken nachweisbar. Der Landesverband Künstlernachlässe Brandenburg dagegen verzeichnet in seiner Datenbank etwa 100 Gemälde, einige davon nur über Werkfotografien nachgewiesen. Rund ein Dutzend Werke, darunter auch eine Stickerei, befinden sich im Potsdam Museum, wo man zuletzt 2019 drei Kunstwerke als Schenkung aus dem Familiennachlass erhielt:
Wasseriris, 1900, Öl auf Leinwand, Potsdam Museum Meer mit Segelboot im Mondschein, vor 1880, Öl auf Papier, Potsdam Museum Blick auf Baumgartenbrücke, 1895, Öl auf Malkarton, Potsdam Museum Birkenwald, 1903, Öl auf Leinwand, Potsdam Museum Wasserampfer (Uferlandschaft an der Havel), ca. 1910, Öl auf Leinwand, Potsdam Museum Welle - tobende Meereswogen im Sturm, ca. 1910, Öl auf Leinwand, Potsdam Museum Uferlandschaft am Schwielowsee, ca. 1910, Öl auf Leinwand, Potsdam Museum Birken am Teich, vor 1913, Öl auf Leinwand, Potsdam Museum Im Wildpark bei Potsdam, ca. 1924, Öl auf strukturiertem Malkarton, Potsdam Museum Potsdam, Alte Luisenstraße, 1925, Öl auf strukturiertem Malkarton, Potsdam Museum Regentag in Potsdam, 1926, Öl auf Pappe, Potsdam Museum
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
1907: Potsdam, Haus des Hoflieferanten Blankenstein 1921: Potsdam, Kunsthandlung Emil Heidkamp 1922: Forst/Lausitz, Luisenschule, Zeichensaal 2014: Ferch, Museum der Havelländischen Malerkolonie, Hannah Schreiber de Grahl. Malerin des Havellandes 2018: Michendorf, Palmhof, So nah dem Unberührten am Schwielowsee. Hannah Schreiber de Grahl und Karl Hagemeister (kuratiert von Dr. Hendrikje Warmt)
Gruppenausstellungen
1912/13: Paul Cassirer, XV. Jahrgang, Zweite Ausstellung (u. a. mit Leopold von Kalckreuth, Edvard Munch, Theo von Brockhusen, Walter-Kurau) 1921: Potsdam, Potsdamer Kunstverein 1921: Potsdam, Potsdamer Kunstsommer, Orangerie im Park Sanssouci 1926: Potsdam, Weihnachtsausstellung Potsdamer Künstler 1927: Potsdam, Leibreitstall, Ausstellung des Potsdamer Kunstvereins
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Brandenburg) Kategorie:Maler des Impressionismus Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1864 Kategorie:Gestorben 1930 Kategorie:Frau