Die Steinbock-Kaninchenratte (Conilurus capricornensis) ist ein ausgestorbenes Nagetier aus der Gattung der Australischen Kaninchenratten (Conilurus). Sie wurde 2010 auf der Basis von fossilen und subfossilen Zahnresten aus dem Pleistozän und Holozän beschrieben. Das Artepitheton bezieht sich auf die Capricorn Caves in Queensland, eine der fossilen Fundstellen, wo die Überreste geborgen wurden. Die Terra typica ist die Dodgey’s Cave am Broken River im Nordosten Queenslands.

Merkmale Die Steinbock-Kaninchenratte war eine relativ große Art. Sie unterschied sich von den anderen beiden Arten durch die Größe der Backenzähne, durch eine nach hinten schmaler werdende Öffnung im vorderen Gaumenbein, zusätzliche kleine Zahnleisten auf dem ersten oberen Backenzahn, sowie durch sehr kleine oder fehlende hintere Zahnleisten auf den ersten beiden oberen Backenzähnen. Der Holotypus ist ein linker Oberkiefer mit den drei oberen Backenzähnen. Als Paratypen wurden zusätzliche Ober- und Unterkieferteile sowie einzelne Zähne aus mehreren Höhlenfundstellen gekennzeichnet. Der Jochbogen des Oberkiefers weist einen ähnlichen Winkel wie bei der Bürstenschwanz-Kaninchenratte auf, jedoch einen kleineren als bei der Weißfußkaninchenratte. Die Öffnungen im vorderen Gaumenbein werden nach hinten schmaler. Beim Holotypus befindet sich zusätzlich eine Rinne im Bereich der Jochbeinplatte, die bei den anderen Fossilien nicht vorkommt. Die Zahnfächer im Kiefer sind seitlich breit und entsprechen der Form der Zahnreihen. Alle Zahnwurzeln sind seitlich breit, aber von vorne nach hinten relativ kurz. Die Wurzelspitzen teilen sich häufig am Ende auf.

Ähnliche Arten Die Steinbock-Kaninchenratte unterschied sich von der Weißfußkaninchenratte durch eine zusätzliche kleine Zahnspitze auf dem ersten Molar (M1), einen flacheren Verlauf des Jochbogens, weniger eng stehende Zahnkronen, breitere Backenzähne, eine zusätzliche vordere Zahnleiste auf dem M1, eine nach hinten schmaler werdende Öffnung im vorderen Gaumenbein, eine innere Vorderzahnspitze, die nicht nach hinten verlängert ist, sowie sehr kleine oder fehlende hintere Zahnleisten auf dem M1 und dem zweiten Molar (M2). Von der Bürstenschwanz-Kaninchenratte unterschied sich die Steinbock-Kaninchenratte vor allem durch ihre größere Körpergröße, größere Backenzähne, sowie eine schmalere Öffnung im hinteren Bereich des vorderen Gaumenbeins. Die Größe und Form der Backenzähne machen die Steinbock-Kaninchenratte zur Art mit den breitesten Backenzähnen innerhalb der Gattung Conilurus. Gerade diese ungewöhnlich breiten Zähne führten in der Vergangenheit dazu, dass einige unvollständige Fossilien irrtümlich der Gattung der Australischen Breitzahnratten (Mastacomys) zugeordnet wurden. Die Steinbock-Kaninchenratte ähnelte am stärksten der Bürstenschwanz-Kaninchenratte. Beide besitzen ähnlich geformte Backenzähne, einen ähnlich verlaufenden Jochbogen, eine zusätzliche kleine Zahnspitze auf dem ersten oberen Backenzahn, eine vordere Zahnleiste auf diesem Zahn, sowie nur kleine hintere Zahnleisten. Zudem besitzt die Steinbock-Kaninchenratte eine auffällige knöcherne Verdickung am hinteren Rand der Jochbeinplatte neben dem ersten oberen Backenzahn. Eine kleinere Verdickung kommt auch bei der Bürstenschwanz-Kaninchenratte und der Weißfußkaninchenratte vor. Die Struktur könnte vermutlich mit der Körpergröße zusammenhängen.

Verbreitung Das südlichste bekannte Verbreitungsgebiet der Steinbock-Kaninchenratte überlappte sich mit dem nördlichsten bekannten Verbreitungsgebiet der Weißfußkaninchenratte. Verschiedene fossile und subfossile Exemplare aus dem Broken-River-Gebiet bei Townsville, Queensland, sowie vom Mount Etna (östliches Queensland) zeigen, dass die Steinbock-Kaninchenratte vom späten Pleistozän bis zum späten Holozän (Besiedelung Australiens durch die Europäer) überlebt hat. Die Steinbock-Kaninchenratte und die Bürstenschwanz-Kaninchenratte lebten ungefähr zur gleichen Zeit, wurden aber bisher nicht gemeinsam in derselben Region gefunden. Alle Fundorte sind Höhlen. Die meisten Ablagerungen bestehen aus lockeren Ansammlungen von Gewöllen sowie Resten aus den Nist- oder Ruheplätzen von Eulen.

Lebensraum und Lebensweise Die Steinbock-Kaninchenratte war wahrscheinlich teilweise baumbewohnend, nutzte Baumhöhlen und hohle Stämme als Ruheplätze, suchte Nahrung am Boden, war nachtaktiv, und ernährte sich überwiegend von Samen und anderem Pflanzenmaterial. Die Vermutung der Nachtaktivität wird dadurch unterstützt, dass die Fossilien oft in alten Eulenrastplätzen gefunden wurden. Die dominierenden Landschaftstypen am Broken River und am Mount Etna bestehen heute aus offenen Eukalyptus-Wäldern, trockenen Regenwäldern rund um die Höhlen, sowie Graslandschaften. Die Region Mount Etna hat seit dem frühen 20. Jahrhundert große Teile ihres Lebensraums verloren. Das Broken-River-Gebiet wurde dagegen vermutlich weniger stark durch europäische Landnutzung verändert.

Aussterben Von der Steinbock-Kaninchenratte ist nur fossiles und subfossiles Material bekannt. das zum Teil als „sehr rezent“ angesehen wird, obwohl keine absoluten Datierungen angegeben wurden.

In ihrer Erstbeschreibung hielten Jonathan Cramb und Scott Hocknull fest, dass die Art „höchstwahrscheinlich ausgestorben“ sei, wiesen jedoch zugleich darauf hin, dass „einige Kiefer-Exemplare, die 2003 vom Boden einer Höhle im Broken-River-Gebiet gesammelt wurden, bemerkenswert frisch erscheinen“. Dieses Material zeigte „keine Anzeichen von Versteinerung und bewahrte noch Austrocknungsrisse sowie organische Verfärbungen am Knochen“. Aufgrund dieses frischen Erhaltungszustands wurde die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass die Art in diesem Gebiet möglicherweise noch rezent vorkommt.

2021 wurde die Steinbock-Kaninchenratte vom „Threatened Species Scientific Committee“ der australischen Regierung als ausgestorben anerkannt.

Diese Art wurde nie lebend nachgewiesen, daher ist die Einschätzung der Bedrohungen spekulativ. Falls sie nach der europäischen Besiedlung Australiens (1788) noch existierte, war sie wahrscheinlich denselben Bedrohungen ausgesetzt, die zum Aussterben der Weißfußkaninchenratte beitrugen – höchstwahrscheinlich der Nachstellung durch verwilderte Hauskatzen (Felis catus), da diese Art zur bevorzugten Beutegröße der Katzen gehörte. Weitere Faktoren, die zu ihrem Aussterben beigetragen haben könnten, sind die Verringerung der Nahrungsressourcen und der Lebensraumqualität durch die Ausbreitung der Weidewirtschaft, Rodungen und veränderte Buschfeuer in der Landschaft.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Langschwanzmäuse Kategorie:Neuzeitlich ausgestorbenes Säugetier Kategorie:Endemisches Tier Australiens