Eduard Grafe (* 12. März 1855 in Elberfeld (jetzt Wuppertal); † 13. Juni 1922 in Bonn) war ein deutscher evangelischer Theologe, Hochschullehrer und 1906/07 Rektor der Universität Bonn.Otto Wenig (Hrsg.): Verzeichnis der Professoren und Dozenten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn 1818-1968. Bouvier, Bonn 1968, S. 94.
Leben und Wirken Grafe war ein Sohn des Kaufmanns und Gründers der ersten Freien evangelischen Gemeinde in Deutschland, Hermann Heinrich Grafe. Nach seiner Reifeprüfung 1873 in Elberfeld und dem Militärdienst studierte Eduard Grafe ab 1874 Evangelische Theologie, zunächst an der Universität Leipzig, dann an der Universität Tübingen und an der Universität zu Berlin. Nach seiner Rückkehr an die Universität Tübingen legte er dort 1879 das erste theologische Examen ab und promovierte dort 1880 zum Dr. phil. Anschließend wechselte er an die Universität zu Berlin und erwarb 1882 den theologischen Doktorgrad. Nach zwei weiteren Jahren habilitierte Grafe sich 1884 in Berlin und übernahm zunächst 1886 eine außerordentliche Professur für Neutestamentliche Theologie an der Universität Halle/S. 1888 wurde er Ordinarius an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 1889 verlieh ihm die Universität Straßburg die Ehrendoktorwürde. Von 1890 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1913 lehrte Grafe Neutestamentliche Theologie und Exegese an der Universität Bonn als Nachfolger von Wilhelm Mangold. Im Amtsjahr 1906/07 war er Rektor der Universität Bonn. 1910 wurde er zum Geheimen Konsistorialrat ernannt.
Eduard Grafe stammte aus einem pietistisch geprägten Elternhaus. Er wandte sich jedoch vom Pietismus ab und galt als Vertreter der historisch-kritischen Theologie und des Liberalismus. Deswegen war er kritischen Anfeindungen ausgesetzt.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Über Veranlassung und Zweck des Römerbriefes. Mohr, Freiburg/Br. 1881 (= theologische Dissertation an der Universität zu Berlin). Die paulinische Lehre vom Gesetz nach den vier Hauptbriefen. Mohr, Freiburg/Br./Tübingen 1884 (2. verbesserte Aufl. 1893). Das Verhältnis der paulinischen Schriften zur Sapientia Salominis. In: Adolf von Harnack u. a. (Hrsg.): Theologische Abhandlungen. Carl von Weizsäcker zu seinem siebzigsten Geburtstage 11. December 1892. Mohr, Freiburg/Br. 1892, S. 251–286. Die neuesten Forschungen über die urchristliche Abendmahlsfeier. In: Zeitschrift für Theologie und Kirche. Bd. 5 (1895), H. 2, S. 101–138. Geistliche Verlöbnisse bei Paulus. In: Theologische Arbeiten aus dem Rheinischen Wissenschaftlichen Predigerverein, Bd. 3 (1899), S. 57–69. Die Stellung und Bedeutung des Jakobusbriefes in der Entwicklung des Urchristentums. Mohr, Tübingen 1904. Das Urchristentum und das Alte Testament. Rede gehalten beim Antritt des Rektorates zu Bonn am 18. Okt. 1906. Mohr, Tübingen 1907.
Literatur
Philipp Vielhauer: Eduard Grafe 1855–1922. In: Bonner Gelehrte. Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in Bonn. Bd. 1: Evangelische Theologie. Bouvier, Bonn 1968, S. 130–142. Hartmut Weyel: Eduard Grafe (1855–1922). Theologie zwischen biblischer Überlieferung und historischer Kritik. In: Theologisches Gespräch. Freikirchliche Beiträge zur Theologie, Bd. 43 (2019), H. 3, S. 107–128.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Evangelischer Theologe (19. Jahrhundert) Kategorie:Evangelischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Neutestamentler Kategorie:Hochschullehrer (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) Kategorie:Hochschullehrer (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) Kategorie:Rektor (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) Kategorie:Ehrendoktor der Universität Straßburg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1855 Kategorie:Gestorben 1922 Kategorie:Mann