mini|Die Kirche im Jahr 2019 mini|Übersichtskarte mit den Kirchen auf Murano mini|Jacopo de’ Barbari: Murano (Ausschnitt aus seiner Luftansicht Venedigs, entstanden um 1500) mini|Blick auf Murano und die Kirche Santa Maria degli Angeli, fotografiert im Jahr 1904 Santa Maria degli Angeli ist eine Kirche nebst Kloster auf der venezianischen Insel Murano, genauer auf der Insel San Donato. Der Baukomplex reicht bis in das späte 12. Jahrhundert zurück. Bis zum Nordrand der Insel San Donato erstreckt sich der Parco degli Angeli, östlich davon befindet sich der Friedhof von Murano.
Geschichte Gründung des Klosters, erste Wirkung Die Tochter des Patriziers Marino Gradenigos namens Ginevra überließ im Juni 1187 am äußersten Rand der Insel Murano eine palude, ein eher sumpfartiges Gelände, einer Giacomina, Tochter des Antonio Boncio, die dort eine Kirche und ein Kloster errichten wollte. Diese erhielt am 20. März 1188 die Erlaubnis von Leonardo Donato, dem Bischof von Torcello. Die Nonnen sollten nach der Augustinerregel leben.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 654. Die Gründung erfolgte „A Maria sempre Vergine, a tutti gli Angeli ed a S. Giacomo Apostolo“.
Im 13. Jahrhundert gingen von dem Kloster wesentliche Impulse aus. So lernten im Kloster Gaudenzia, Oberin der Augustinerinnen im Kloster San Giacomo auf Murano, und Lucia Tiepolo, Gründerin des Klosters Corpus Domini in Venedig. Auf Bernarda Dotto und Girolama Lero gehen zwei Klöster zurück – das eine in der Nähe von Treviso und das andere in Venedig, nämlich San Girolamo in Cannaregio.
Strengere Observanz Papst Eugen IV. untersagte mit Urkunde vom 17. Januar 1431 jeder Person, sich dem Kloster zu nähern, wobei nur wenige Ausnahmen Anerkennung fanden, wie etwa Notfälle. Mit Schreiben vom 20. Oktober d. J. an Filippo Paruta, den Bischof von Torcello, sollte der Bischof mit apostolischer Vollmacht Vereinbarungen zwischen dem Kloster einerseits und dem Pfarrer sowie dem Kapitel der Kirche Santo Stefano di Murano andererseits regeln. Um die geforderte strenge Observanz unter den Ordensleuten zu sichern, ordnete der Papst mit zwei apostolischen Briefen vom 13. November 1432, die sich an Biaggio Molino, den Patriarchen von Grado und an Lodovico Barbo, den Abt von Santa Giustina in Padua richteten, verschärfte Regeln an. Diese sollten ausdrücklich in den „registri“ des Klosters selbst niedergelegt werden.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 655.
Materielle Absicherung, steigende Zahl der Nonnen Die Situation der Einkünfte war dabei prekär und veranlasste den Papst erneut, einzugreifen. Gemäß diesen Apostolischen Bullen wurden die Einkünfte des alten Klosters San Lorenzo di Ammiana den Nonnen von Santa Maria degli Angeli zugewiesen. Außerdem sollten der Marmor, die Säulen und jegliches Inventar der verfallenen Anlage dem Kloster auf Murano zukommen. Seit den Anfängen der Vereinigung pflegten die Nonnen der Angeli in ihrer Kirche auf Murano das Fest des Märtyrers Laurentius von Rom zu feiern, wie es auch im aufgegebenen Kloster in Ammiana üblich war. Es war Tradition, dass die Nonnen dazu die Kanoniker der Kirche auf Torcello einluden, den Gottesdienst zu zelebrieren, und sie zu einem prächtigen Mittagessen einzuladen, was nicht nur eine finanzielle Belastung, sondern auch eine große Störung für die Nonnen von Santa Maria degli Angeli darstellte; daher suchten sie die Fürsorge des Papstes, der beschloss, sie von der Verpflichtung zur Einladung der Kanoniker zu befreien. Jedoch verpflichtete er sie zugleich, das Fest zu Ehren des Märtyrers weiterhin zu begehen. Von der Kirche in Ammiana wurden nun eine Dornenkrone und weitere Reliquien überführt, die in silbernen Reliquienschreinen aufbewahrt und ausgestellt wurden.
Der Ruf des Klosters innerhalb des venezianischen Patriziats sorgte dafür, dass diese Familien ihre für das Kloster vorgesehenen Töchter dorthin geben wollten. Doch selbst die Tochter des Prokurators Francesco Barbaro, Costanza, die den Wunsch hegte, in diesem Kloster als Nonne zu leben, musste auf eine freiwerdende Stelle warten. Ihr Vater setzte sich daraufhin, so heißt es bei Flaminio Corner, bei Papst Nikolaus V. in dieser Frage ein. Er erreichte vom Papst und schließlich auch vom Senat, dass das Priorat Santa Giustina, das bereits von den Regularkanonikern der heiligen „Brigida“ verlassen worden war, gewählt wurde, um dort eine „Colonia“ dieser ‚überaus vorbildlichen Jungfrauen‘ zu gründen.
Neubau der Kirche, Exemtion Um 1525 wurde die Kirche vollständig neu im Renaissancestil erbaut und am 16. Mai 1529 durch Daniel de' Rossi, den Bischof von Caorle, geweiht. Aus dieser Zeit stammt auch der 31 m hohe Campanile.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 102, S. 73. Im Kloster wurden Nonnen aus den bedeutendsten venezianischen Familien aufgenommen, eine Praxis, die dazu beitrug, die Kirche immer weiter zu bereichern.
Dabei war die Zahl der Bewohnerinnen schon im Jahr 1477 so sehr angewachsen, dass mit Hilfe des Klosters Sant’Antonio Abate in Castello eine Erweiterung geschaffen werden sollte. Doch dieser Plan scheiterte, so dass man sich auf Santa Maria dei Crociferi konzentrierte, das ihnen von Kardinal Giovanni Michele, dem seinerzeitigen Priore commendatario, angeboten worden war. Doch auch dieses Vorhaben scheiterte. Nun beauftragte Papst Paul II. mit Urkunde vom 11. April 1566 den Abt von San Felice di Ammiana, die Pfarrkirche San Salvatore di Murano dem Kloster anzuschließen. Die Priorin Chiara Barozzi wurde sie von den Nonnen zur Priorin gewählt und von Rom anerkannt. Als Oberin wurde Gabriella Veniera anerkannt, die wiederm von Maffeo Gherardi, dem Patriarchen von Venedig, bestätigt wurde. Von der Verpflichtung zur päpstlichen Bestätigung wurde das Kloster 1473 freigesprochen. Diese Exemtion bestätigte Papst Paul III. am 21. Februar 1544, allerdings mit der Einschränkung, dass das Priorat auf drei Jahre befristet sein sollte.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 657 f.
1484 lebten bereits 100 Nonnen im Hause, was zu äußerst beengten Verhältnissen führte, bald waren es 120. Zwar versuchte der Senat 1484 mit staatlichen Mitteln einzuspringen, doch bat er 1486 den Papst um Vorrechte für das Haus, die jährlich mindestens 400 Dukaten einbringen sollten, um die ärgste Not zu lindern. Eine päpstliche Bulle von 1490 sah endlich die Vereinigung mit der Filialkirche Santa Maria di Piave in Lovadina in der Provinz Treviso vor. Dies rückte die Kirche in die Reihe der bedeutendsten Bauwerke Venedigs, zumal 1561 ein praktisch neues Bauwerk errichtet wurde. An der Außenmauer des Klosters, auf dem Vorplatz, entstand bis 1566 eine Kapelle zu Ehren des „Dottor San Girolamo“, die am 5. Februar 1567 durch den Bischof von Torcello, Giovanni Delfino, geweiht wurde.
Besuch König Heinrichs III. (1574), Grabmahl des Dogen Sebastiano Venier (1578) All dies wiederum veranlasste Heinrich III., König von Polen und Frankreich, 1574 dazu, die Kirche auf Murano zu besuchen. Der Empfang durch die Einwohner und die Organisation des Ereignisses waren von unvergleichlichem Prunk, so dass den Herrscher ein eigens angefertigtes, drachenförmiges Boot begleitete. Er verbrachte die Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1574 im Palazzo Cappello, nachdem er von 60 Senatoren und vom Podestà von Murano feierlich empfangen worden war.Evelyn Korsch: Bilder der Macht. Venezianische Repräsentationsstrategien beim Staatsbesuch Heinrichs III. (1574), Akademie Verlag, Berlin 2013, S. 43, 198.
Seine letzte Ruhestätte fand im Jahr 1578 der Doge Sebastiano Venier im Kloster Santa Maria degli Angeli.
Schließung des Klosters und der Kirche (1810, bzw. 1848) Unter Napoleon wurde das Kloster 1810 aufgelöst, die Kirche 1848 unter den Österreichern geschlossen. Dabei verschwanden zahlreiche Kunstwerke.
Wiedereröffnung der Kirche (1863), Leerstand Nach der Restaurierung im Jahr 1861 wurde sie am 12. Juli 1863 wieder für den Gottesdienst geöffnet.Vincenzo Zanetti: Del monastero e della chiesa di Santa Maria degli Angeli di Murano: memorie storiche, Venedig 1863, S. 291. In den 1890er Jahren wurden die beiden an den Korridor angrenzenden Seiten als Wohnstatt für die ärmsten Familien der Insel genutzt.
Die Kirche gehört nicht mehr zu den Pfarreien der Insel und kann nur nach Vereinbarung besichtigt werden.
Literatur Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 102, S. 73. Vincenzo Zanetti: Del monastero e della chiesa di Santa Maria degli Angeli di Murano: memorie storiche, Venedig 1863. (Google Books) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 654–660. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 51–54. („Gli Angeli“). (Digitalisat)
Weblinks
Anmerkungen
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