Manet malt in Monets Garten in Argenteuil ()Deutscher und französischer Bildtitel gemäß Daniel Wildenstein: Monet. Werkverzeichnis, Band II, S. 142. ist der Titel eines Gemäldes von Claude Monet. Das in Öl auf Leinwand gemalte Bild hat eine Höhe von 41 cm und eine Breite von 68 cm.Inventarliste im Landesarchiv Potsdam Blatt 91865/1, zitiert in Peter Mosimann, Beat Schönenberger: Fluchtgut - Geschichte, Recht und Moral, S. 78. Es entstand im Juli 1874 bei einem Besuch des Malers Édouard Manet im Garten seines Freundes Monet im Pariser Vorort Argenteuil.Daniel Wildenstein: Monet. Werkverzeichnis, Band II, S. 142. Monet porträtierte Manet an der Staffelei, während er an einem Gemälde arbeitete. Bei Manets Gemälde handelt es sich vermutlich um das Bild Die Familie Monet in ihrem Garten in Argenteuil, das am selben Tag beim Zusammentreffen der beiden Maler entstand. Monets Porträt seines Freundes befand sich mehrere Jahrzehnte in der Sammlung Liebermann in Berlin. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gilt es als verschollen.

Bildbeschreibung Das im Querformat ausgeführte Gemälde zeigt den Maler Édouard Manet im Garten seines Kollegen Claude Monet in Argenteuil. Monet porträtierte den Malerfreund nicht beim Freizeitvergnügen, sondern bei der Arbeit an einem Gemälde.Willibald Sauerländer: Manet malt Monet: ein Sommer in Argenteuil, S. 40. Er hat Manet in der linken Bildhälfte positioniert und von der Seite mit Blick nach rechts dargestellt. Manet sitzt vor einer Staffelei, die sich etwa in der Bildmitte befindet. Bekleidet ist er mit einem beigefarbigen langen Malerkittel und einer braunen Hose. Auf dem Kopf trägt er einen hellen Strohhut mit breiter Krempe.Colin B. Bailey: Manet and Renoir: An Unexamined Dialogue in Maryanne Stevens: Manet, portraying life, S. 65. Das Gesicht ist durch seinen markanten braunen Vollbart gekennzeichnet. In der linken Hand hält er eine viereckige Palette, mit der rechten Hand führt er den Pinsel zur Leinwand. Obwohl im Bild das Gemälde auf der Staffelei zum Betrachter gedreht ist, bleibt das darin gewählte Motiv verschwommen. Es lassen sich lediglich verwischte bräunliche Bereiche im oberen Bildteil und dunklere Grüntöne unten ausmachen. Vor der Staffelei ragt ein Baum hervor, von dem nur der mittlere Bereich mit seinen nach oben strebenden dünnen Ästen und einigen Blättern zu sehen ist. Der Stamm hingegen wird vom unteren Bildrand abgeschnitten und die Krone liegt überwiegend außerhalb des oberen Randes. Rechs neben dem Baum ist mit sichtbaren groben vertikalen Pinselstrichen eine Rasenfläche angedeutet, darüber ist mit dunklen vertikalen Strichen, grünlichen Farbtupfern und einem gelbgrünen Bereich dahinter eine Vegetation skizziert. Links ist hinter Manet in dunkelbrauner Linienführung eine Stuhllehne umrissen, in der unteren Ecke steht ein Tischchen zur Ablage der Malutensilien bereit. Hinter Manet ragt vom linken Bildrand bis zur Bildmitte ein hoher Gartenzaun mit rautenartiger Struktur ins Bild. Dahinter befindet sich eine dichte unbestimmte Vegetation. Während dieser Bereich insgesamt eher dunkel ist, gibt es oberhalb des Zaunes einen Streifen mit etwas hellerer Grünfärbung. Links oben ragt vor dem Zaun das dunkle Geäst eines weiteren Baumes ins Bild. Durch die üppige Vegetation mit den Ästen und Blättern dringt nur wenig grünlich-gelbliches Sonnenlicht auf die Szenerie. Während Manet im Schatten des Baumes sitzt, leuchten einige Lichtreflexe auf seinem Strohhut und auf den Mantelrücken. Zwar wurde Manet im Freien porträtiert, doch „die Natur umschließt den Künstler wie die Wände des Ateliers“, wie Willibald Sauerländer feststellte. Das Bild ist insgesamt im flüchtigen Stil des Impressionismus gemalt, die Autorin Renate Prochno sah hier „ein Portrait in Renoirscher lockerer Pinselführung.“Renate Prochno: Konkurrenz und ihre Gesichter in der Kunst, S. 260. Das Gemälde ist unten rechts mit „Monet“ signiert, aber nicht datiert.

Freundschaftsbilder Monet wohnte mit seiner Familie seit Ende 1871 in einem angemieteten Haus in der Rue Pierre Guienne Nr. 2 in Argenteuil, das Manet ihm vermittelt hatte. Im Garten des Hauses trafen sich im Juli 1874 die Maler Monet, Manet und Pierre-Auguste Renoir.John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus, 206 Es war die einzige Zusammenkunft, bei denen die drei Maler an gleicher Stelle im Freien arbeiteten.Ina Conzen: Edouard Manet und die Impressionisten, S. 92. Erster Besucher im Garten war Manet, dessen Familie in Gennevilliers auf dem gegenüberliegenden Seineufer ein Sommerhaus besaß.Hans Körner: Edouard Manet : Dandy, Flaneur, Maler, S. 147. Nachdem er im Garten seinen Freiluftatelier eingerichtet hatte, begann Manet mit der Arbeit. Dabei entstand das Gemälde Die Familie Monet in ihrem Garten in Argenteuil (Metropolitan Museum of Art, New York), auf dem sich Monets Frau Camille und der gemeinsame Sohn Jean im Gras ausruhen, während am Rand Claude Monet bei der Gartenarbeit dargestellt ist. Manet wählte möglicherweise einen Standpunkt unter einem Baum, um dem gleißenden Licht auszuweichen, damit bei späterer Betrachtung in einem Innenraum die Malerei nicht zu Dunkel erscheint. Während Manet am Gemälde arbeitete, kam Renoir vorbei und lieh sich bei Monet Malutensilien aus. Er stellte seine Staffelei neben der von Manet und malte das Bild Camille Monet und ihr Sohn Jean in Argenteuil (National Gallery of Art, Washington D.C.), das nahezu motivgleich die von Manet begonnene Szene mit Camille und Jean zeigt, jedoch ohne den gärtnernden Monet im Bild festzuhalten. On er während des Besuchs der Malerfreunde tatsächlich gegärtnert hat, wie in Manets Bild dargestellt, bleibt unklar. Wahrscheinlicher ist, dass er neben seinen Kollegen ebenfalls an einem Bild gearbeitet hat und hierbei das Gemälde Manet malt in Monets Garten in Argenteuil entstand.Colin B. Bailey: Manet and Renoir: An Unexamined Dialogue in Maryanne Stevens: Manet, portraying life, S. 65. Monet hatte seine Staffelei vermutlich im Winkel zwischen Manet und Renoir aufgestellt.

Die Malerfreunde Monet, Manet und Renoir kannten sich bereits seit den 1860er Jahren und standen im regelmäßigen künstlerischen Austausch. Davon zeugen beispielsweise die 1870 entstanden Gruppendarstellungen Un atelier aux Batignolles von Henri Fantin-Latour und Das Atelier in der Rue La Condamine von Frédéric Bazille (beide Musée d’Orsay, Paris), in denen jeweils Manet an der Staffelei steht und von Monet, Renoir und weiteren Freunden umgeben ist. Darüber hinaus entstanden weitere Bildnisse, in denen die Maler ihre Künstlerfreude bei der Arbeit porträtierten. So malte Renoir 1867 Frederic Bazille an seiner Staffelei (Musée d’Orsay), ein Bild das zeitweilig Manet gehörte. 1873 porträtierte Renoir seinen Freund Monet im Gemälde Claude Monet malt in seinem Garten in Argenteuil (Wadsworth Atheneum, Hartford). Im letzteren Bild steht Monet im selben Garten an der Staffelei, in dem er ein Jahr später den sitzenden Manet porträtierte.

Im Frühjahr 1874 fand in Paris die Erste Gruppenausstellung der Impressionisten statt, an deren Zustandekommen Monet und Renoir maßgeblich beteiligt waren. Manet hatte seine dortige Teilnahme abgelehnt, da er sich im Pariser Salon mehr Erfolg versprach. Das trübte die Freundschaft der Maler jedoch nicht. Manet stellte Monet 1874 nicht nur im Bild Die Familie Monet in ihrem Garten in Argenteuil dar, sondern schuf im selben Sommer mit den beiden Gemälden Der Maler Monet in seinem Atelier (Staatsgalerie Stuttgart) und Die Barke (Neue Pinakothek, München) jeweils ein Doppelporträt von Monet und seiner Frau Camille, während der Maler auf seinem Atelierboot an der Staffelei arbeitet. Im selben zeitlichen und thematischen Zusammenhang steht auch Monets Gemälde Manet malt in Monets Garten in Argenteuil, das für die Autorin Bärbel Hedinger „ein höchst bedeutendes, programmatisches Freundschaftsbild“ darstellt.Bärbel Hedinger: Liebermanns Sammlung. Ohne eine Niete., Artikel in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. November 2012.

Provenienz Monet schenkte das Gemälde dem dargestellten Édouard Manet, der es bis zu seinem Lebensende behielt. Danach erbte seine Frau Suzanne Manet das Bild. Madame Manet trennte sich gegen Ende ihres Lebens aus finanziellen Gründen von den in ihrem Besitz befindlichen Kunstwerken. Der mit ihr bekannte Kunsthändler Ambroise Vollard berichtet in seinen Erinnerungen, dass er gern das Gemälde Manet malt in Monets Garten in Argenteuil gekaufte hätte, aber Madame Manet seinen Wunsch mit der Bemerkung, das Bild sein unverkäuflich, abgelehnt hatte. Bei einem weiteren Besuch Vollards bei Suzanne Manet fehlte das Bild an dem Platz an der Wand, wo es zuvor gehangen hatte. Hierzu bemerkte Suzanne Manet: „Ich habe Geld gebraucht. Ein Deutscher hat mich besucht, und das Bild gefiel ihm. Sie verstehen, warum ich es Ihnen verweigert hatte: ich wollte nicht, daß Monsieur Claude Monet sein Bild im Schaufenster eines Händlers wiederfindet.“Ambroise Vollard: Erinnerungen eines Kunsthändlers. 1980, S. 71. Der „Deutsche“ war der Berliner Kunsthändler Hermann Pächter oder ein für ihn in Paris tätiger Agent. Pächter verkaufte in seiner Kunsthandlung auch die Werke des Malers Max Liebermann. Dieser erwarb bei Pächter im Gegenzug gelegentlich Bilder für seine eigene Kunstsammlung, so auch Monets Gartenbild mit Manet an der Staffelei.Karl-Heinz Janda und Annegret Janda: Max Liebermann als Kunstsammler. Die Entstehung seiner Sammlung und ihre zeitgenössische Wirkung, S. 106. Den Ankauf des Bildes kommentierte Liebermann in einem Brief vom 26. September 1898 wie folgt: „Gestern habe ich übrigens das Porträt Manets, von Claude Monet gemalt, erstanden; freilich nur eine Skizze, trotzdem (oder richtiger: gerade deshalb) ein riesig reizvolles morceau de peinture.“ (Stück Malerei)Brief von Max Liebermann an den Lübecker Sammler Max Linde vom 26. September 1898 in Ernst Braun: Briefe. Max Liebermann Nr. 2050. zitiert in G. Tobias Natter, Julius H. Schoeps: Max Liebermann und die französischen Impressionisten, S. 235. Das Gemälde hing zunächst in Liebermanns Haus am Pariser Platz und nach Fertigstellung der Liebermann-Villa ab 1910 in seinem Sommerdomizil am Wannsee.Karl-Heinz Janda und Annegret Janda: Max Liebermann als Kunstsammler. Die Entstehung seiner Sammlung und ihre zeitgenössische Wirkung, S. 114. Liebermann blieb bis zu seinem Tod 1935 Besitzer des Bildes. Nach der so genannten „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 und dem wenige Wochen später erfolgten Reichstagsbrand entschied sich Liebermann dazu, Teile seiner Kunstsammlung ins Ausland zu bringen. Nicht dazu gehörte das Gemälde Manet malt in Monets Garten in Argenteuil, das in Berlin verblieb.