mini|Kathedrale von Barcelona mini|Kathedrale; im Hintergrund die Sagrada Familia
Die Kathedrale Heilig Kreuz und St. Eulalia zu Barcelona (katalanisch Catedral de la Santa Creu i Santa Eulàlia de Barcelona), kurz Kathedrale von Barcelona (Catedral de Barcelona), ist die römisch-katholische Kathedrale des Erzbistums Barcelona. Sie befindet sich am Platz Pla de la Seu im Stadtviertel Barri Gòtic der katalanischen Hauptstadt Barcelona. Der gotische Sakralbau wurde vom 13. bis ins 15. Jahrhundert errichtet und ist die dritte Kirche am gleichen Ort. Ihre Vorgänger waren die alte romanische Kathedrale und zuunterst eine frühchristliche Basilika aus der Zeit vor der westgotischen Herrschaft. Das heutige Erscheinungsbild mit der beeindruckenden Fassade und dem Mittelturm ist viel jünger und stammt von 1886–1913. Das Bauwerk ist als Bien de Interés Cultural und seit dem 2. November 1929 als kunstgeschichtliches Denkmal von nationaler Bedeutung eingestuft.
Seit dem Jahr 599 steht die Kathedrale unter dem Patrozinium Heilig Kreuz. Dieses ungewöhnliche Patrozinium ist eines der ältesten in der christlichen Welt. Seit dem Jahr 877 trat zusätzlich das Patrozinium der Heiligen Eulalia hinzu, der Stadtpatronin von Barcelona (derzeit wird eher die Virgen de la Merced als solche gefeiert, diese ist aber in strengem Sinn die Patronin der Erzdiözese Barcelona und nicht der Stadt). Die Kathedrale besitzt einen gotischen Kreuzgang, in dem 13 weiße Gänse leben, da die Legende besagt, dass Eulalia bei ihrem Martyrium um das Jahr 290 dreizehn Jahre alt war und auf dem Anwesen ihrer Eltern in Sarrià Gänse hütete.
Baugeschichte
Die frühchristliche Basilika An der Stelle der Kathedrale befand sich bereits ein römischer Tempel. Ausgrabungen in der Carrer dels Comtes de Barcelona, die direkt an der östlichen Außenwand der heutigen Kathedrale verläuft, brachten die Reste einer dreischiffigen Basilika ans Licht, deren Schiffe durch zwei Reihen weißer Marmorsäulen voneinander getrennt waren. Dabei handelt es sich zweifellos um die frühchristliche Basilika, die im 4. Jahrhundert erbaut wurde und knapp 700 Jahre überdauert hat. Den ältesten Nachweis eines Bischofs von Barcelona findet man 343 als Bischof Pretextat mit fünf anderen spanischen Bischöfen am Konzil von Serdica (heute Sofia in Bulgarien) teilgenommen hat, um seine Zustimmung von den Beschlüssen des ersten Konzils von Nicäa zu bekunden. Sein Nachfolger war 390 der Heilige Pacianus.
599 berichtet der Chronist Joan de Bíclar vom zweiten Konzil von Tarragona in seinem Protokoll, dass die frühchristliche Kathedrale unter dem Patrozinium ‚Sanctae Crucis‘ steht. Angebaut an die Basilika war ein quadratisches Baptisterium, in dem sich ein achteckiges Taufbecken befand. Diese Basilika blieb bis in die westgotische Zeit erhalten und wurde dann möglicherweise während der muslimischen Besetzung der Stadt (718–801) in eine Moschee umgewandelt. Sie wurde um 877 auf Initiative von Bischof Frodoí restauriert, als die Gebeine der Heiligen Eulalia, die in der Kirche Santa Maria de las Arenas aufgefunden worden waren, in die Krypta der Kathedrale übertragen wurden.
Eulalia war ein junges Mädchen, das gemäß der katholischen Überlieferung zur Märtyrerin wurde, als sie den römischen Statthalter über die Verfolgung der Christen informierte. Statt ihr zu helfen, bestrafte der Statthalter auch sie, weil sie Christin war. Die Legende besagt, dass sie nackt auf dem Forum der Stadt zur Schau gestellt wurde, worauf wie durch ein Wunder im Frühling Schneefall ihre Nackthait bedeckte. Die erzürnten Römer steckten sie darauf in ein Fass, in dem Glasscherben und Nägel steckten und warfen das Fass einen Hügel hinunter (es soll sich um die heutige Baixada de Santa Eulàlia gehandelt haben). Schließlich wurde ihr Leichnam an ein Andreaskreuz geschlagen, welches das Emblem der Diözese und das ikonographische Symbol Eulalias ist. Die frühchristliche Basilika überstand die Zerstörung Barcelonas durch den maurischen Herrscher Almansor im Jahr 985 schwer beschädigt. In den unterirdischen Räume des Museums für Geschichte der Stadt Barcelona können Überreste des Baptisteriums und der frühchristlichen Basilika (unter der Chorapsis der heutigen Kathedrale) besichtigt werden. Das Baptisterium wurde 1965–1968 vom Archäologen Frederic-Pau Verrié i Faget (* 24. August 1920; † 11. Februar 2017) ausgegraben. mini|Lage der romanischen Kathedrale (in Rot) im Vergleich zur heutigen gotischen Kathedrale (in Schwarz)
Die romanische Kathedrale Um das Jahr 1046 wurde auf Betreiben von Bischof Guislabert mit Unterstützung des Grafen von Barcelona, Ramon Berenguer I., und seiner zweiten Frau Almodis de la Marche eine neue Kathedrale im romanischen Stil errichtet. Sie wurde am 18. November 1058 vom Erzbischof von Narbonne Guifré de Cerdanya eingeweiht.
Viel kleiner als der heutige Bau wies sie drei Schiffe mit drei Apsiden ohne Querschiff auf. Ihr Glockenturm stand in der Nähe des heutigen Kreuzgangs. Die Ausrichtung fällt mit der der heutigen Kathedrale zusammen, wobei der Hochchor an genau derselben Stelle liegt. Sie hatte ein Atrium, das die Hälfte des heutigen Raumes des Chors einnahm, und die drei Schiffe reichten nur bis zum heutigen Beginn des Hochchors. Ein Teil des Sockels des Hauptportals wurde gefunden, der auch im Museum für Geschichte der Stadt Barcelona zu sehen ist. Weitere Teile des Hauptportals könnten im Zugangsportal zum Kreuzgang wieder aufgetaucht sein. Aus dieser Zeit stammen auch die beiden großen korinthischen Kapitelle, die das Joch des Hochaltars tragen.
Die gotische Kathedrale Die Grundsteinlegung für den Bau der heutigen Kathedrale erfolgte am 5. Mai 1298 unter Bischof Bernat Pelegrí (1288 – 1300) und König Jakob II. von Aragón. Baubeginn war am Chorhaupt, wobei gleichzeitig die alte romanische Kathedrale demontiert wurde, von der einige Elemente wieder benutzt wurden. Dabei handelt es hauptsächlich um Skulpturen und möglicherweise auch um die Säulen des Portals von Sant Ivó, das das älteste der heutigen Kathedrale ist.
Die Arbeiten waren nicht als Bau einer neuen Kathedrale geplant, sondern als Umbau und Erweiterung des romanischen Doms (. . . extensione et ampliatione nostre catedralis ecclesie. . .)Aus einem Schreiben vom 7. Mai 1298, in dem Bischof Bernat Pelegrí die vakanten Leistungen der Diözese für den Bau der Kathedrale verwendet. gefunden in Catalunya Romànica. Ed. Enciclopèdia Catalana , die in Phasen durchgeführt wurde, ohne den vorherigen Kirchenbau jemals vollständig abzureißen. In ihm wurde während der gesamten Dauer der Arbeiten Gottesdienst gehalten, ja einige Teile der romanischen Kathedrale dienten sogar als Gerüst für den Bau der gotischen. So behielt die gotische Kathedrale die gleiche Achse wie die romanische und ihr Chorumgang wurde um die romanische Apsis herumgebaut.
In der ersten Bauphase wurden die Apsis, die radialen Kapellen und die Krypta des Chors gebaut. Am 23. Juni 1317 unterzeichnete Baumeister Jaume Fabre, der erste Architekt dessen Name bekannt ist, seinen Vertrag. 1338 wurden die Arbeiten der ersten Phase während der Amtszeit von Bischof Ferrer d’Abella (1335–1344) fertiggestellt, der den neuen Hochaltar weihte.
Die zweite Bauphase bestand in der Verlängerung der drei Kirchenschiffe mit ihren jeweiligen Kapellen, der Errichtung der mit einer Holzkassettendecke gedeckten Kuppel und den beiden Kapellen beiderseits des Hauptportals. Nach Jaume Fabre war Bertrán Riquer ab 1344 Baumeister und im Jahr 1358 baute Bernat Roca bereits die ersten Abschnitte der Gewölbe des Hauptschiffes und der Galerien über den Kapellen. Dieser Baumeister war es auch, der mit dem Bau des Kreuzgangs begann. Als er 1388 starb, setzte der Steinmetz Pere Viader die Arbeiten bis zum Jahr 1397 fort, als der Architekt Arnau Bargués, der Erbauer des Kapitelsaals, zum Baumeister ernannt wurde. Sein Assistent Jaume Solá hatte dann dieses Amt von 1407 bis 1412 inne. Ihm folgte Bartolomé Gual, der lange Zeit bis 1441 im Amt blieb. Er errichtete die Mauer, mit der die Kirche 1420 geschlossen wurde und die hölzerne Kuppel; es ist überliefert, dass er nach Valencia reiste, um die dortige Kuppel zu studieren. Abschluss dieser Bauphase war 1448. Anschließend begann das Warten auf die Errichtung der Fassade, für die die Pläne bereits am 27. April 1408 von Carles Galtés aus Rouen in der Normandie gezeichnet worden waren. Der Glockenturm wurde um das Jahr 1500 hinzugefügt.
Die neugotische Fassade mit Mittelturm mini|Der 80 m hohe Mittelturm mit der Statue der hl. Helena|240x240pxIm Jahr 1882 wurde anlässlich der für 1888 nach Barcelona einberufenen Weltausstellung nach fast vierhundert Jahren ohne größere Arbeiten an der Kathedrale dank des Bauunternehmers Manuel Girona i Agrafel und seiner Brüder ein Wettbewerb für den Bau der fehlenden Fassade ausgerufen. Als Kriterium wurde festgelegt, dass dem gotischen Stil des übrigen Gebäudes Rechnung getragen würdeDer Wettbewerb und die Ereignisse darum herum werden detailliert erläutert in: Joan Bassegoda i Nonell, Els treballs i les hores a la Catedral de Barcelona, 1995, Reial Acadèmia Catalana de Belles Arts de Sant Jordi, ISBN 84-921049-0-2 auf den Seiten 151–177 (spanisch). Der Bau wurde Josep Oriol Mestres übertragen, seit 1855 Architekt der Kathedrale, der sich von den 1408 angefertigten Plänen inspirieren ließ.
Die Fassade ist 40 Meter breit und wird von zwei 53 Meter hohen Glockentürmen mit zahlreichen Fialen gekrönt. Sie ist mit zahlreichen gotischen Stilelementen und einer großen Fülle von Bildern von Engeln und Heiligen verziert. Acht Buntglasfenster sind Teil der Fassade, wovon die meisten modernistisch gestaltet sind, aber auch das berühmte Renaissancefenster ‚Noli me tangere‘, gemalt 1493–1495 von Bartolomé Bermejo, findet sich hier unten links.
Der vom Architekten August Font i Carreres entworfene Mittelturm hat eine Höhe von 80 Metern und wurde zwischen 1906 und 1913 ausgeführt. Auf seiner obersten Spitze erhebt sich das 4,5 m hohe Standbild der Heiligen Helena, Mutter Kaiser Konstantins I., die das Kreuz Christi emporhebt. Der Überlieferung nach fand sie 326 in Jerusalem die Überreste des Heiligen Kreuzes, unter dessen Patrozinium die Kathedrale steht. Diese Skulptur wurde vom Künstler Eduard Alentorn 1910 geschaffen und während des Spanischen Bürgerkriegs in den 1930er-Jahren beschossen.
Die Dimensionen des Gebäudes Die Kathedrale ist an der Außenseite 93 Meter lang und 40 Meter breit, die Höhe des Hauptschiffs beträgt 28 Meter. Der angebaute Kreuzgang hat eine Seitenlänge von 25 Meter und jede seiner vier Galerien ist 6 Meter breit. Der Mittelturm ragt 80 Meter hoch auf und die innere Höhe seiner Kuppel beträgt 41 Meter vom Boden bis zum Schlussstein. Innen ist die Kathedrale, welche aus drei gleich hohen Schiffen besteht, 79 Meter lang und insgesamt 25 Meter breit, wobei das Mittelschiff doppelt so breit ist wie die Seitenschiffe. Dazu kommen auf jeder Seite noch je 6 Meter Breite für die Tiefe der Seitenkapellen hinzu.
Die Portale Die Kathedrale von Barcelona besitzt fünf Zugangsportale:
Das Hauptportal Das Hauptportal inmitten der neogotischen Westfassade wird von einer Christusskulptur am Mittelpfeiler dominiert, einem Werk des Bildhauers Agapit Vallmitjana i Barbany. Beiderseits der Türflügel finden sich je vier Apostelfiguren des gleichen Künstlers. In den Archivolten des Portals befinden sich insgesamt 76 Skulpturen von Engeln, Propheten und Königen, die vom Bildhauer Joan Roig i Solé angefertigt wurden. Die Innenseite des Portals stammt hingegen aus dem fünfzehnten Jahrhundert, und hier findet man die in Stein gehauenen Medaillons des Künstlers Antoni Claperós, welche Christi Himmelfahrt und das Pfingstereignis darstellen.
Das Portal des hl. Ivó