Die M114/39 war eine gezogene Kanonenhaubitze mit Kaliber 155 mm aus den Niederlanden. Sie war eine Weiterentwicklung der M114-Feldhaubitze. Weitere Bezeichnungen lauten M139 und M139/39.
Entwicklung Im Jahr 1986 NATO-Staaten unterzeichneten Dänemark, Norwegen und die Niederlande eine Absichtserklärung zur Modernisierung bzw. Nachrüstung ihrer M114-Feldhaubitzen. Das niederländische Unternehmen RDM Defense Engineering wurde als Hauptauftragnehmer für das Programm beauftragt. Die M114/39 bezeichnete Modernisierung wurde ursprünglich von der von Gerald Bull gegründeten Space Research Corporation International (SRCI) in Belgien entwickelt. RDM Defense Engineering verwendete zur Nachrüstung die angestammte Lafette der M114-Haubitze und setzten auf diese ein neues Geschützrohr mit 39 Kaliberlängen (L/39) von Bofors auf. Weiter wurden die Rohrbremsen, die Rückholeinrichtungen sowie die Visieranlage modernisiert und angepasst. Bereits 1984 hatte RDM Defense Engineering ein erster M114/39-Prototyp gebaut. Basierend auf diesem wurden drei Geschütz produziert und 1988 jeweils eines an die drei Staaten für die Truppenerprobung abgegeben. Die dazugehörigen ERFB-Geschosse wurden von Poudreries réunies de Belgique (PRB) und später von Eurometaal produziert. Im Jahr 1990 wurde nach der Lieferung der letzten M114/39-Geschütze das Programm beendet. Weiter entwickelte RDM Defense Engineering zwei Prototypen eines völlig neuen Artilleriegeschützes, das im Wesentlichen mit dem M114/39 identisch ist. Dieses Artilleriegeschütz trug die Bezeichnung M139. Nachdem keine Exporte zustande gekommen waren, wurden die Produktionslinien 1998 geschlossen. Der Preis für ein neuproduziertes M139-Geschütz betrug 1991 rund 528.700 US-Dollar.Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 1994-1995. Jane’s Information Group, 1994, S. 626–627.
Technik Die M114/39 war eine konventionelle Feldhaubitze mit Kraftzugsystem und einer zweirädrigen Spreizlafette mit zwei Spreizholmen. Das Geschütz wog feuerbereit 7600 kg und transportbereit 7570 kg. Die Länge der M114/39 lag sowohl in gezogener wie auch in feuerbereiter Stellung bei 10,09 m. Im gezogenen Zustand betrug die Höhe 2,31 m und die Breite 2,44 m. Beim Straßentransport waren die Holme nach hinten geklappt und ruhten auf der Anhängerkupplung des Zugfahrzeugs. Zum Straßentransport konnten 10-Tonnen-Lastkraftwagen wie zum Beispiel der DAF Y-2300 verwendet werden. Die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit betrug 70 km/h auf der Straße und 18 km/h im Gelände.T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. Motorbuch Verlag, 1996, S. 46–474.
Geschütz Das Geschützrohr mit Kaliber 155 mm hatte 39 Kaliberlängen (L/39). Es war aus hochfestem Stahl gefertigt und durchgehend autofrettiert. Es hatte 48 Züge sowie eine Dralllänge von 20 Kalibern (3100 mm). Das Geschützrohr war auf der einachsigen M114-Lafette mit zwei Spreizholmen untergebracht. Bei der Rohrwiege waren am Geschützrohr zwei hydropneumatische Rohrbremsen und Rohrvorholer montiert. Am Rohrende befand sich die Ladungskammer mit einem Volumen von 19,02 Liter. Verwendet wurde ein Schraubenverschluss. Der Seitenrichtbereich betrug 25° rechts und 24° links. Der Höhenrichtbereich lag bei −2° bis +63°. Neben der Rohrwiege waren auf der linken Seite die Visiereinrichtung für Indirektes Feuer sowie weitere Bedienelemente für den Kanonier montiert. Mit einem Zielfernrohr konnten Ziele auf eine Entfernung von rund 4 km im Direktschuss bekämpft werden.
Um die M114/39 feuer- oder fahrbereit zu machen, benötigte die 10-köpfige Bedienmannschaft 5–6 Minuten. Beim Schießen waren die Haupträder angehoben und die M114/39 stützte sich vorn auf eine von der Unterlafette abgesenkte Schießplattform. Am Ende der Holme waren zwei Erdsporne angebracht, welche die Rückstoßkraft in das Erdreich ableiteten. Zusätzlich wurde der Rückstoß durch eine Dreikammer-Mündungsbremse gemindert.
Das M114/39 wurde von den Kanonieren manuell geladen. Für vier Minuten war eine Schussfolge von 4 Schuss pro Minute möglich. Bei anhaltendem Schießen ist die Schussfolge infolge der thermischen Beanspruchung des Geschützrohres und der Arbeitsbelastung auf 2 Schuss pro Minute begrenzt.
Munition Die M114/39 verwendete getrennt geladene Munition mit variablen Treibladungsbeuteln (Zonenladungen). Das heißt, das Geschoss und die Treibladung wurden nacheinander geladen. Verwendet wurden die NATO-Standard-Treibladungen M3A1 (Zonen 1 bis 5), M4A2 (Zonen 3 bis 7), M119A1 (Zone 8), M9 (Zone 9) und M203/L3 (Zone 8S). Mit der M114/39 wurden primär die ERFB-Geschosse von der Poudreries réunies de Belgique (PRB) und Eurometaal verwendet. Daneben konnte das Geschütz die gesamte 155-mm-NATO-Munition verschießen. Es wurden die folgenden Schussdistanzen erreicht:Terry Gander & Ian Hogg: Jane’s: Ammunition Handbook 1994–1995. Jane’s Information Group, 1994, S. 251–253. Name Geschosstyp Gewicht Füllung V0 Schussdistanz M107 Sprenggranate 41,6 kg 6,6 kg TNT 684 m/s 18,1 km PRB ERFB-HE Extended-Range-Full-Bore-Geschoss 45,3 kg 8,2 kg Composition B 812 m/s 25,5 km PRB ERFB-BB-HE Extended-Range-Full-Bore-Geschoss mit Base-Bleed 47,6 kg 8,2 kg Composition B 812 m/s 32,4 km M549A1 Sprenggranate mit Raketenantrieb 43,6 kg 6,8 kg TNT unbek. 30 km
Status & Verbreitung Die letzten M114/39 wurden Anfang der 2000er-Jahre ausgemustert und es befinden sich keine Geschütze von diesem Modell mehr im Einsatz. – 2 (nur zur Erprobung) – 96 – 2 (nur zur Erprobung) – 51 (von ursprünglich bestellten 82) – 48
Literatur Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 1994–1995. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 1994, ISBN 0-7106-1154-4. Terry Gander & Ian Hogg: Jane’s: Ammunition Handbook 1994–1995. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 1994, ISBN 0-7106-1207-9. T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. Motorbuch Verlag, Deutschland, 1996, ISBN 3-613-01758-X.
Weblinks Modificatie houwitser, 1981, "M114 / 39" M114/39 howitzer moved to new prominent location at artillery gun park M117/39 im Panser- & Artillerimuseet Oksbøl M114/39 Howitzer - Dutch Testing 1981 – Dokumentarfilm bei youtube.com über das M114/39-Geschütz
Einzelnachweise
Kategorie:Feldartillerie Kategorie:Haubitze Kategorie:Geschütz Kaliber 155 mm