mini|Selbstporträt von Fleury François Richard (1789) im Musée des Beaux-Arts in Lyon Fleury Richard, genannt Fleury François Richard, (* 25. Februar 1777 in Lyon; † 14. März 1852 in Écully) war ein französischer Maler und Zeichner. Er gilt als Mitbegründer des sogenannten Troubadour-Stils (Style troubadour) einer Strömung der französischen Historienmalerei in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Leben Fleury Richard absolvierte von 1789 bis 1793 seine erste Ausbildung an der École gratuite de dessin in Lyon bei Alexis Grognard. Dort lernte er Pierre Révoil kennen, der sein engster Freund werden sollte. Ab 1796 studierte er bis etwa 1800 an der École des Beaux-Arts in Paris bei Jacques-Louis David. Dort traf er erneut Révoil und schloss Freundschaften mit Auguste de Forbin und François-Marius Granet. Ab etwa 1800 pendelte Richard zwischen Paris und Lyon, seit 1808 ließ er sich dauerhaft in Lyon nieder. Im Jahr 1809 ehrte ihn die Stadt, indem sie ihm ein Atelier im Palais Saint-Pierre zur Verfügung stellte, und er wurde in die Loge écossaise d’Isis aufgenommen. Im literarischen Salon von Clémence Sophie Daudignac verkehrte er unter anderem mit Julie Récamier und Germaine de Staël. Studienreisen führten ihn nach Genf, Mailand und Turin.
1815 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Von 1818 bis 1823 war er Professor an der École des Beaux-Arts in Lyon. Ab 1822 war er korrespondierendes Mitglied der Académie des Beaux-Arts. 1824 erhielt er den Ritterorden des königlichen Ordens des Heiligen Michael. Ab den 1820er Jahren schränkte eine schwere Krankheit seine malerische Tätigkeit erheblich ein. 1851 zog er sich nach Écully zurück und wandte sich dem Schreiben zu. Aus dieser Spätphase stammen seine unveröffentlichten autobiografischen Souvenirs (Manuskript, 1851, Musée des Beaux-Arts, Lyon) sowie die Schrift Quelques réflexions sur l'enseignement de la peinture dans les villes de second ordre (Lyon, 1852).
Werk mini|Fleury François Richard – L'Atelier du peintre (1803). Privatsammlung Fleury Richard begann seine Karriere mit klassizistischen Historienbildern, die unter dem Einfluss Davids entstanden. Ein Beispiel hierfür ist das heute verschollene Werk La mort de Constantin. Bald wandte er sich jedoch der Kunst und Geschichte des Mittelalters und der Renaissance zu. Bei gemeinsamen Naturstreifzügen mit Pierre Révoil entwickelte er zudem eine poetische Naturbetrachtung. Ein früher Beleg hierfür ist das 1801 im Pariser Salon gezeigte Gemälde Sainte Blandine enterrant secrètement le corps de sa maîtresse (das Gemälde ist verschollen, doch eine Zeichnung von Antoine Maxime Monsaldy befindet sich in der Bibliothèque nationale de France in Paris). Den entscheidenden Impuls für seine stilistische Entwicklung empfing Fleury Richard in mittelalterlichen Kirchen sowie im Musée des Monuments français in Paris. Dort inspirierte ihn das Grab der Valentina Visconti zu seinem ersten bedeutenden Werk, dem Gemälde Valentine de Milan (Öl auf Leinwand, Rueil-Malmaison, Musée national des châteaux de Malmaison et de Bois-Préau). Das Gemälde wurde im Salon 1802 begeistert aufgenommen und begründete eine neue Strömung der Historienmalerei, die anekdotenhafte, lebendige und teils moralisierende Genreszenen mit historischen Sujets verband. Diese Richtung wurde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts als Troubadour-Stil (Style troubadour) bezeichnet. mini|Fleury François Richard – Studie nach der Mona Lisa von Leonardo da Vinci (Graphitstift auf Papier) Den Erfolg festigte das im Salon von 1804 gezeigte Gemälde François Ier montre à Marguerite de Navarre, sa sœur, les vers qu'il vient d'écrire sur une vitre avec son diamant (Öl auf Leinwand, Salenstein, Napoleon-Museum), das von Kaiserin Joséphine de Beauharnais erworben wurde. Fleury Richard wurde in der Folge ihr bevorzugter Maler. Fortan schuf er kleinformatige Ölbilder in glatter Faktur, die an die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts angelehnt waren. Zeitgenossen verglichen ihn mit Gerrit Dou. Besonderes Augenmerk galt dem architektonischen Hintergrund, der zumeist mittelalterliche Sakralarchitektur zeigt (zum Beispiel Un chevalier en prière dans une chapelle, se préparant au combat, um 1805, Lyon, Musée des Beaux-Arts).
Ab etwa 1818 lockerte Fleury Richard seine Malweise auf. In dunklen oder diffus beleuchteten Räumen erzeugte ein markantes Schlaglicht eine mystische Atmosphäre, die durch leuchtende Farbakzente verstärkt wurde (Le Tasse en prison visité par Montaigne, 1821, Musée des Beaux-Arts, Lyon; L'Ermitage de Vaucouleurs, Salon 1819, Louvre, Paris). Für das spätere Schaffen typisch ist das Werk La Mort du prince de Talmont (1823, Musée de Brou, Bourg-en-Bresse; Replik; das Original wurde im Salon von 1822 ausgestellt und ist seitdem verschollen). Das historische Ereignis wird darin trotz seiner Tragik zu einer Szene innerer Einkehr, die tiefe Ruhe und Symbolhaftigkeit ausstrahlt. Im Salon von 1824 zeigte Fleury Richard das weniger beachtete Ölbild Jeune fille à la fontaine (Lyon, Musée des Beaux-Arts). Das bereits 1822 begonnene und erst 1844 vollendete Gemälde Comminges et Adélaïde au couvent de la Trappe (ebenda) fand bei seiner Präsentation im Jahr 1846 keine Resonanz.
Bedeutende Werkbestände, darunter mehrere hundert Zeichnungen aus dem Ateliernachlass, werden im Musée des Beaux-Arts in Lyon bewahrt. Weitere Werke befinden sich im Schloss Fontainebleau sowie im Schloss Versailles.
Rezeption Obwohl Fleury François Richard zu Lebzeiten als einer der prägenden Vertreter der französischen Historienmalerei der Restaurationszeit galt, geriet er wenige Jahrzehnte nach seinem Tod weitgehend in Vergessenheit. Seine Wiederentdeckung setzte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Zuge der Aufarbeitung der Troubadour-Malerei ein, insbesondere durch die Ausstellung Le Style troubadour (1971, Musée de Brou, Bourg-en-Bresse) sowie durch die 1980 erschienene Monografie von Marie-Claude Chaudonneret. Heute gilt Richard als Mitbegründer dieser Strömung, die der École de Lyon zugerechnet wird und die zugleich nationale Bedeutung hat. Im Jahr 2014 fand eine Ausstellung seiner Zeichnungen im Musée des Beaux-Arts in Lyon statt.
Literatur
Jane Turner (Hrsg.): The Dictionary of Art. Band 26. Grove Dictionaries, London 1996, s. v. „Richard, Fleury“. G. Schurr / Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture. Band 2. Les Éditions de l’Amateur, Paris 1996. Emmanuel Bénézit: Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Band 11. Gründ, Paris 1999. Marie-Claude Chaudonneret: Le peintre Fleury Richard (1777–1852). Magisterarbeit, Université de Dijon, Dijon 1973. Marie-Claude Chaudonneret: Fleury Richard et Pierre Révoil, la peinture troubadour. Arthéna, Paris 1980. François Pupil: Le Style troubadour ou la nostalgie du bon vieux temps. Presses Universitaires de Nancy, Nancy 1985. Les muses de Messidor. Ausstellungskatalog Musée des Beaux-Arts de Lyon, Lyon 1989. Les années romantiques. Ausstellungskatalog. Réunion des musées nationaux, Paris 1995. Romance and Chivalry: History and Literature Reflected in Early Nineteenth-Century French Painting.Ausstellungskatalog New Orleans / New York / Cincinnati. London / New York 1996. Le temps de la peinture. Lyon 1800–1914. Ausstellungskatalog, Lyon 2007. Paul Béghain / Gilles Bruyère: Fleury Richard (1777–1852), les pinceaux de la mélancolie. Fage Éditions, Lyon 2014. L’invention du passé. « Gothique, mon amour » 1802–1830. 2 Bde. Ausstellungskatalog Lyon / Bourg-en-Bresse. Hazan, Paris 2014. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 11: Pinchon – Rouck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter 2009.
Weblinks
Fondation Custodia / Collection Frits Lugt Musée des Beaux-Arts Bordeaux Musée des Beaux-Arts de Lyon
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1777 Kategorie:Gestorben 1852 Kategorie:Mann